Daniel Günther beim Kreisparteitag der CDU Ostholstein
Zwischen Optimismus und Frust
19.09.2026, 12:03 Uhr
Von:
Andreas Höppner
Fehmarnsches Tageblatt,
Heiligenhafener Post
Die CDU Ostholstein hatte zum Kreisparteitag geladen und immerhin 154 Stimmberechtigte ins Oldenburger Stadttheater gelockt. Eine schöne Resonanz, an der der Gastredner an diesem Abend – Ministerpräsident Daniel Günther – nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. Für den CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 18. April 2027 war es übrigens eine Premiere: der erste Besuch eines CDU-Kreisparteitags in Ostholstein in seiner Amtszeit. Also seit 2017.
Verständlicherweise fiel die Begrüßung des Ministerpräsidenten durch den CDU-Kreisvorsitzenden Sebastian Schmidt umso freundlicher aus. Die Basis für eine positive Stimmung war bereitet. Erfolgsmeldungen hatte es nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen zuletzt weniger bis gar keine gegeben. Schon gar nicht aus dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.
Günther: Aufs Positive konzentrieren
So vermied Günther es in seiner Rede, das Wort AfD auch nur ansatzweise in den Mund zu nehmen. Er war gekommen, um Optimismus zu verbreiten und eine positive Grundhaltung zu vermitteln. „Warum sind wir als Gesellschaft so missmutig geworden, warum werde alles schlechtgeredet“, fragte er. Man solle sich doch aufs Positive konzentrieren, „in unserem Land ist nicht alles schlecht“. Beispielsweise habe es im Land so viele Neugründungen gegeben wie seit 2010 nicht mehr. Er verwies auf „eine Aufbruchstimmung beim Bau“ und verknüpfte dies auch mit der Verschlankung der Landesbauordnung. Zudem habe das Land zehn Gigawatt Windenergieleistung an Land erreicht, ein wichtiger Beitrag zur Energieunabhängigkeit.
Bei innerer Sicherheit sei ebenfalls viel erreicht worden. Günther sprach von 1000 zusätzlichen Polizisten in seiner Amtszeit und der Ansiedlung des Kompetenzzentrums der Bundeswehr in Kiel.
„Wir haben die größten Baustellen in Europa“, verwies der Landeschef auf die großen Entwicklungschancen, die sich durch die Feste Fehmarnbeltquerung böten. Beim Weiterbau der A20 habe man den Durchbruch geschafft, weil Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen mit den Naturschutzverbänden eine Lösung erarbeitet habe, der Neubau der Rader Hochbrücke sei voll im Zeitplan. „Wir müssen darüber reden, was gut ist, was klappt“, empfahl er den Christdemokraten. Er berichtete auch von seiner Hoffnung, „dass die Bäderbahn erhalten bleibt“ und mit der Bahn die Finanzierung und ein verbindlicher Zeitplan erarbeitet werde. Hinsichtlich dem derzeit wieder heiß diskutierten Thema einer möglichen Übertragung der Straßenbaulast für die Fehmarnsundbrücke auf den Kreis sagte der Ministerpräsident: „Das ist unter kommunaler Trägerschaft nicht leistbar.“
Zum Abschluss seines Gastbeitrags formulierte er noch einen Wunsch: „Wir brauchen eine Vision, wie unser Deutschland 2050 aussehen soll.“ Anschließend ging‘s um den Wunsch einiger CDU-Mitglieder nach einem Foto mit dem Ministerpräsidenten. Dafür wurde die Sitzung für 15 Minuten unterbrochen. Wenig später war Günthers Premiere auf einem CDU-Kreisparteitag in Ostholstein auch schon wieder beendet.
Wadephul kommt im Oktober nach Ostholstein
Für die CDU-Mitglieder im Saal war allenfalls Halbzeit. Es ging mit dem Bericht des Kreisvorsitzenden weiter. Er versprach, alle 30 Ortsvereine stärken und weiterentwickeln zu wollen. Ferner sollen drei Kompetenzkreise gebildet werden, bei denen CDU-Mitglieder mitwirken können. Unter anderem soll es einen Kompetenzkreis für Mobilität geben, der sich mit Themen wie ÖPNV oder Feste Fehmarnbelt- querung befasst. Ebenso will Schmidt analog zum Strandkorbgespräch ein sogenanntes Scheunengespräch veranstalten, bei dem landwirtschaftliche Themen im Fokus stehen. Schmidt streifte zudem seine eigenen Aktivitäten als Bundestagsabgeordneter und erinnerte an mehrere Besuche hochrangiger Politiker in Ostholstein, darunter Ex-Verkehrsminister Patrick Schnieder an der Tunnelbaustelle. Schon am 16. Oktober geht es prominent weiter. Schmidt kündigte den Besuch von Außenminister Johann Wadephul an.
Karsten Alwast, CDU-Fraktionschef im Kreistag, machte „die solide Haushaltspolitik der CDU“, die Investitionen nicht ausschließe, zur Basis seines Berichtes. Er erinnerte an den mit 29,5 Prozent „historisch niedrigen Satz“ bei der Kreisumlage, der auch für das Haushaltsjahr 2027 unangetastet bleibe, so Alwast. Sollte dem Kreis die Straßenbaulast für die Fehmarnsundbrücke übertragen werden, würde das jährliche Unterhaltungskosten von drei Millionen Euro nach sich ziehen, warnte der CDU-Fraktionschef. Für die Kreisumlage bedeutete dies einen Anstieg um drei Prozentpunkte. Deshalb forderte Alwast: „Investitionen von nationaler Bedeutung müssen auch national finanziert werden.“ Aus haushaltspolitischer Sicht vergaß er nicht, den mit 1,5 Millionen Euro ausgestatteten Strukturfonds für strukturschwache Gemeinden zu erwähnen. Das sei „gelebte Solidarität“.
Zahlen anderer Art legte der Mitgliederbeauftragte Tom Düwel vor: die Mitgliederentwicklung. So gehörten der CDU Ostholstein Ende August 1428 Mitglieder an. 87 habe man verloren, auch durch Tod, 41 hinzugewonnen. Macht ein Minus von 46. Und alles bei einem Durchschnittsalter von 70 Jahren. „Diese Entwicklung müssen wir ernst nehmen“, mahnte Tom Düwel.
Klaus-Dieter Blanck: Die Hütte brennt
Noch einen Tick ernster wurde es, als sich Klaus-Dieter Blanck aus Bojendorf das Mikrofon schnappte. Er sprach davon, dass „die Hütte brennt“. Das wollte so gar nicht zu der Stimmung passen, die zuvor propagiert wurde. So verliere die CDU immer mehr Wähler im ländlichen Raum. Die Ursache liegt für Blanck auf der Hand: Schwarz-Grün in Kiel. So sei „die Verantwortung für den ländlichen Raum im Wesentlichen bei den Grünen geblieben“. Und das bei einer Umweltpolitik im Hause Goldschmidt, die rein „ideologisch geprägt“ sei. Die CDU würde hingegen für eine „ziel- und sachgerechte Umweltpolitik“ stehen. Man hätte mit der FDP koalieren sollen, nicht mit den Grünen, blickte Blanck zurück. Schmidt entgegnete, dass der Landesparteitag über die Koalition entschieden hätte – „mit großer Mehrheit“.
Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Klaus Klinckhamer hielt sich nicht mit einer kritischen Bewertung zurück. Aus seiner Sicht sei „die Zerschlagung des Landwirtschaftsministeriums der größte Fehler“ gewesen, den man hätte machen können. Klinckhamer war es auch, dem als Ersten die drei Buchstaben AfD über die Lippen kamen. Er erinnerte an das Erstarken der rechtspopulistischen Partei im ländlichen Raum auch in Ostholstein. So hätte die AfD in seiner Heimatgemeinde Gremersdorf bei der letzten Europawahl 20 Prozent der Stimmen geholt.
Übrigens: Noch im Juli hatte Daniel Günther gegenüber der dpa davon gesprochen, die AfD erneut aus dem Landtag heraushalten zu können. Ob‘s klappen kann? In 211 Tagen ist Landtagswahl.