Wachsende Routine soll Absenkprozess beschleunigen
Zweites Tunnelement abgesenkt
30.06.2026, 16:47 Uhr
Von:
Andreas Höppner
Fehmarnsches Tageblatt
Das zweite Tunnelelement wird mithilfe des Spezialschiffs „Ivy“ und von fünf Schleppern über dem Tunnelgraben in Position gebracht. © SUND & BÆLT HOLDING A/S
Jetzt ist vor Lolland auch das zweite von insgesamt 89 Tunnelelementen erfolgreich abgesenkt worden. Zuletzt hatten ungünstige Wetterbedingungen ein Verbringen des 73500 Tonnen schweren Betonelements vom Arbeitshafen zum ausgehobenen Tunnelgraben nicht zugelassen. Seit Sonnabendmorgen ist nun auch das zweite Tunnelelement in Position.
Bereits am Dienstagabend (23. Juni) hatten sich fünf Schlepper mit dem Spezialschif „Ivy“ in Bewegung gesetzt, um das 217 Meter lange und 42 Meter breite Standard- element in den Fehmarnbelt zu transportieren. Dort wurde es mithilfe von Stahlseilen präzise in Position gebracht. In der Nacht zum Freitag begann dann der Absenkprozess.
Vester: „Jedes Mal eine komplexe Aufgabe“
„Auch wenn wir nun zum zweiten Mal ein Tunnelelement absenken, ist es jedes Mal eine komplexe Aufgabe, die höchste Konzentration erfordert. Mit wachsender Routine in den Abläufen und im Umgang mit der Ausrüstung erwarten wir, dass das Baukonsortium das Arbeitstempo weiter steigern wird“, sagt Lasse Vester, stellvertretender Projektdirektor bei Sund & Bælt und zuständig für den Bau des Fehmarnbelttunnels. Während das erste Element direkt am dänischen Tunnelportal abgesenkt wurde, musste das zweite Element präzise mit dem vorherigen verbunden werden. Mit zwei abgesenkten Elementen liegen nun gut 500 Meter des 18 Kilometer langen Tunnels verbunden am Meeresboden. In den kommenden Tagen wird der Tunnelgraben seitlich des Elements mit Sand und Kies verfüllt, um sicherzustellen, dass es in seiner Position im Tunnelgraben fixiert ist. Anschließend beginnen die Vorbereitungen für das Absenken des nächsten Elements.
Der Tunnel wird einmal aus 79 Standard- und zehn Spezialelementen bestehen. Letztere sind nur 39 Meter lang und haben ein Gewicht von 21000 Tonnen. Sie verfügen über ein Untergeschoss, in dem elektrische und mechanische Anlagen für den Tunnelbetrieb untergebracht sind. Sie sind mit 47 Metern auch etwas breiter als die Standardelemente, da sie im Straßenteil Haltebuchten für Servicefahrzeuge vorhalten. Die Spezialelemente werden alle knapp zwei Kilometer eingesetzt.
Sind fünf Standardelemente und das erste Technikelement vor Lolland abgesenkt, soll es anschließend auf die deutsche Seite gehen, um dort das erste Tunnelelement anzudocken. Mikkel Hemmingsen, CEO von Sund & Bælt, hatte kürzlich beim Besuch von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und dessen dänischer Amtskollegin Signe Munk auf den Tunnelbaustellen gesagt, dass er damit rechne, im Herbst das erste Tunnelelement auf deutscher Seite absenken zu können.
Erst im Herbst soll es auch einen neuen Zeitplan für die Fertigstellung des Fehmarnbeltunnels und der Hinterlandanbindung geben. Der ursprüngliche Fertigstellungstermin 2029 ist schon seit geraumer Zeit Geschichte. Mit dem Absenken der Tunnelelemente liegt Femern A/S etwa zwei Jahre hinter dem Plan, angekündigt hat Hemmingsen zudem, bis 2032 erst den Straßenteil des Tunnels fertigzustellen, im Anschluss dann den Schienenteil. Auf deutscher Seite sieht es nicht besser aus. Hier dürfte der neue Fehmarnsundtunnel als Bestandteil der Hinterland- anbindung nicht vor 2032 fertig sein. Erst für zwei der zehn Abschnitte (Fehmarn und Großenbrode) gibt es einen Planfeststellungsbeschluss. Und wirklich gebaut wird bislang nur auf Fehmarn.