Zweiter Platz für die Plöner beim Jugendwettbewerb „Umbruchzeiten“

02.07.2026, 17:07 Uhr
Von: Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz

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Hevidar Günebakan und Tara Nienaber aus der Klasse 11g berichten über ihre Arbeit mit Zeitzeugen der „Wende“.

Hevidar Günebakan und Tara Nienaber aus der Klasse 11g berichten über ihre Arbeit mit Zeitzeugen der „Wende“. © Lotta Schneider

Mauerfall. Wiedervereinigung. Von über dreihundert Einreichungen aus allen Bundesländern zählt ihr Geschichtsprojekt rund um die deutsch-deutschen Ereignisse 1989 und die Zeit danach zu den besten: am 15. Juni wurde das „Begegnungscafé“ der Plöner Gymnasiasten in Berlin mit einem zweiten Platz ausgezeichnet. Die Schülerinnen Hevidar Günebakan und Tara Nienaber berichten über ihre Arbeit mit Zeitzeugen der „Wende“.

Eine ziemlich spannende Unternehmung ist es, Geschichte aus den Perspektiven von Zeitzeugen zu erfahren, haben Hevidar Günebakan und Tara Nienaber vom Geschichtsprofil des Gymnasiums Schloss Plön festgestellt. Werde Geschichte aus einem Lehrbuch als etwas sehr Entferntes wahrgenommen, so sei das im persönlichen Gespräch mit Zeitzeugen ganz anders, sagt Tara Nienaber: „Es geht einem viel näher.“ Zudem könne man im Gespräch mit Zeitzeugen direkt etwas nachfragen, auch das ist aus ihrer Sicht ein Vorteil.

Zeitzeugendarstellungen sind andererseits nicht unproblematisch, wissen beide Schülerinnen: Sie können Ereignisse verzerren, gewichten. Erinnerungen können ungenau oder lückenhaft sein.

Doch sie waren durch ihre Geschichtslehrerin Birte Belker hierzu gut vorbereitet: Eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Zeitzeugen für die historische Auswertung ging den Projekt voraus, erzählen sie. Nebst Klassenarbeit.

Geeignete Gesprächspartner zu bekommen, sei im nächsten Schritt durch Netzwerken im Pool von Familie, Freunden und ehemaligen Schülern gelungen. Zudem konnten bereits erste Informationen in die Planung einbezogen werden. „Die Zeitzeugen haben uns vorher mitgeteilt, was sie erlebt haben“, berichtet Tara Nienaber. Auf dieser Grundlage sei das weitere Vorgehen entwickelt worden. Dabei wurden Neigungen berücksichtigt und schließlich kleine Arbeitsgruppen gebildet. „Wir haben in der Klasse entschieden, wer mit wem sprechen möchte“, führt Hevidar Günebakan weiter aus. Bei dieser Entscheidung sei das persönliche Interesse der Schüler an einer bestimmten Biografie ausschlaggebend gewesen.

Die Geschichten der Zeitzeugen offenbarten die Lebensrealitäten im geteilten Deutschland und nach der „Wende“. Darunter sogar eine Ost-West-Liebesbeziehung. „Die meisten haben uns erzählt, wie es war - mehr beschreibend, als auf kritische Punkte einzugehen“, fasst Hevidar Günebakan zusammen. „Unsere Zeitzeugin war relativ jung damals, sie ist als junges Mädchen geflohen – später wurde sie Lehrerin in Berlin.“

Eines habe ihre Zeitzeugin ihnen im Begegnungscafé vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen sehr dezidiert auf den Weg mitgegeben: „Für die Demokratie einzustehen.“

„Ich glaube, das war der wichtigste Aspekt“, unterstreicht auch Tara Nienaber den Punkt. Umso mehr Gewicht hat aus ihrer Sicht der Geschichtsunterricht an den Schulen: „Damit man sich der Brüchigkeit (einer Demokratie) bewusst wird und sich dafür einsetzt“, führt sie aus.

Vielen sei die Gefahr der aktuellen Entwicklung bewusst, wenn auch Jüngere sich damit noch nicht so beschäftigten, meint Hevidar Günebakan. „Es ist traurig, dass es die Gefahr gibt, dass eine Demokratie zerbrechen könnte...“, konstatiert sie.

Die Auszeichnung in Berlin, bei insgesamt 307 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen aus allen Ländern, war für die Schülerinnen ein ganz besonderes Ereignis zum Ende des Schuljahrs. Bereits am Sonntag waren sie angereist, die Preisverleihung für den Montag angesetzt. „Es war ein tolles Gefühl!“ Umso mehr, als klar war, dass die Plöner nicht unter den Drittplatzierten aufgeführt, somit in der Bewertung noch höher gerutscht waren. „Und dann wurden wir aufgerufen und auf die Bühne geholt...“

Bei aller Freude über diese Riesenanerkennung ziehen die zwei ein ernstes Fazit: Es sei wichtig für ihre Generation, mit Zeitzeugen zu reden, sagt Tara Nienaber mit Blick auf den Lauf der Zeit. „Da haben wir Glück und sollten es ausnutzen.“ Und es macht Spaß: Manche Mitschüler hätten sogar während und wegen des Zeitzeugenprojektes eine kleine Leidenschaft für das Fach Geschichte entwickelt, berichtet Hevidar Günebakan.

Lesetipp: https://gymnasium-ploen.de/wp-content/uploads/2026/02/Begegnungscafe-Buch-klein.pdf

Weitere Informationen zum Wettbewerb stehen online unter www.umbruchszeiten.de

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