ZVO setzt auf mehr Biotonnen und investiert Millionen in die Zukunft
02.07.2026, 08:55 Uhr
Von:
Lasse Lindner
Fehmarnsches Tageblatt,
der reporter Eutin/Malente
Viel zu besprechen auf der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Ostholstein. Am gestrigen Mittwoch traf sich der ZVO in Ahrensbök um die Jahresbilanz und neue Projekte vorzustellen. © ZVO
Der Zweckverband Ostholstein hat wichtige Zukunftsentscheidungen getroffen. Neben Millioneninvestitionen in die Infrastruktur setzt der ZVO auf eine nachhaltigere Bioabfallentsorgung, bietet weiteren Haushalten Biotonnen an und schafft ab 2027 die Barzahlung auf den Recyclinghöfen ab.
Ahrensbök – Strategische Entscheidungen für die Zukunft: Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) hat gestern im Zuge der Verbandsversammlung mehrere langfristige Beschlüsse gefasst und die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 präsentiert.
Eine der wichtigsten Entscheidungen betrifft dabei die Entsorgung der Bioabfälle aus dem Kreis Ostholstein. Der ZVO hat ein Abkommen mit den Zweckverbänden der Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg sowie der Stadt Lübeck geschlossen.
Zweistelliger Millionenbetrag für Infrastruktur
Der Gesamtumsatz des Zweckverbandes bezifferte sich 2025 auf 184,4 Millionen Euro. Den höchsten Umsatz verzeichnete dabei die Sparte Energieversorgung (99,5 Millionen Euro), gefolgt von der Abfallwirtschaft (45 Millionen Euro), dem Abwasser (31,9 Millionen Euro) und der Trinkwasserversorgung (21 Millionen Euro).
Demgegenüber steht ein Betrag von rund 66 Millionen Euro, den der ZVO in die Versorgungsanlagen des Kreises investierte. Das Ziel sei, „die Ver- und Entsorgung in Ostholstein auch in der Zukunft verlässlich und zukunftssicher zu gewährleisten“, so kommentiert ZVO-Verbandsvorsteher Frank Spreckels. Am Ende steht für den Zweckverband unter dem Strich ein Ergebnis von knapp zwei Millionen Euro.
Treibhausgas: Ein Drittel weniger seit 2020
Eine gute Nachricht für die Umwelt: Seit dem Jahr 2020 hat der ZVO seine Treibhausgasemissionen um rund 32 Prozent reduziert. Auf dem Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2032 ist aber noch einiges zu leisten: Besonders Probleme im Feuerungsraum des Müllheizkraftwerkes in Neustadt sowie Wartungsarbeiten in der Ratekauer Kläranlage trieben den Erdgasverbrauch des Zweckverbandes 2025 deutlich in die Höhe.
Zwar wurden diese Probleme Anfang des Jahres behoben, die selbstgesteckten Ziele zur Verringerung des CO2-Ausstoßes auf dem Weg bis 2032 konnten aber nicht erreicht werden.
Wenn ein Gewerbe Kohlenstoffdioxid ausstößt, muss es entsprechend zahlen – das Zertifikat für eine Tonne CO2 kostet derzeit etwa 65 Euro. Bei einem Ausstoß von 22.000 Tonnen CO2 durch die Restmüllverbrennung bedeutet das einen Mehrbetrag von rund 1,5 Millionen Euro bei der Abfallgebühr.
Damit ist noch nicht alles gesagt beim Thema Abfall: Die zuvor erwähnte Kooperation der Kreise Ostholstein, Stormarn und Lauenburg mit den Entsorgungsbetrieben Lübeck soll die Verwertung der Abfälle deutlich nachhaltiger machen, besonders aufgrund der kurzen Transportwege.
Allerdings ist beim Bioabfall in Ostholstein noch Potenzial vorhanden: Viel von dem, was aktuell im Müllheizkraftwerk Neustadt verbrannt wird, könnte stattdessen in der Abfallbehandlungsanlage in Lübeck vergärt werden. Die dort entstandenen Endprodukte – Kompost und Biogas – bilden ein deutlich umweltschonenderes Glied der Verwertungskette als die Verbrennung.
Laut dem Zweckverband lande immer noch ein „zu großer Teil“ der Bioabfälle im Restmüll und damit in der Feuerung. Aus diesem Grund wird der ZVO in den kommenden Monaten allen Haushalten, die weder Tonne noch einen Kompost haben, eine 80-Liter-Biotonne anbieten. Die Kosten dafür belaufen sich auf monatlich 2,50 Euro. Alle zwei Wochen werden die Tonnen für alle Garten- und Küchenabfälle geleert.
Trocknungsanlage für Klärschlamm in Neustadt
Eine weitere Kooperation schloss der Zweckverband Ostholstein mit dem benachbarten Zweckverband Karkbrook und den Stadtwerken Neustadt. Gemeinsam wurde eine Klärschlammtrocknungsanlage errichtet, die die Abwärme des Neustädter Müllheizkraftwerkes nutzen wird.
Die Anlage soll in Kürze anlaufen. Die Inbetriebnahme war eigentlich für Herbst 2025 geplant, aufgrund zusätzlicher Brandschutzauflagen des Versicherers verzögerte sich dieser Termin aber. Weil sich dadurch auch die Kosten erhöhten, reichte die ursprüngliche Investitionssumme der drei Partner nicht aus – daher wurde während der Verbandsversammlung die Erhöhung des Stammkapitals beschlossen.
An der ursprünglichen Vision änderte die verspätete Inbetriebnahme allerdings nichts: „Klärschlamm besteht zu 75 Prozent aus Wasser – ihn nass quer durch die Region zu transportieren, ist weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Diesen stattdessen mit der Abwärme aus der Abfallverbrennung zu trocknen und daraus einen nachhaltigen Brennstoff zu gewinnen: Das ist der richtige Weg“, so äußert sich Hanna Liedtke, Geschäftsbereichsleiterin der Entwässerung beim ZVO, zu diesem Projekt.
Barzahlung auf Recyclinghöfen endet
Auf den Recyclinghöfen des ZVO wird sich im kommenden Jahr bei der Bezahlung einiges ändern: Der Verband fasste den Entschluss, ab dem 1. Januar 2027 nur noch bargeldlose Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Bargeldkasse wird abgeschafft.
Damit sollen die Arbeitsabläufe auf den Recyclinghöfen vereinfacht werden – aufwändige Kassenabschlüsse entfallen, ebenso wie die damit verbundenen Sicherheitsrisiken für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der ZVO informiert bereits jetzt über die Umstellung im Bezahlsystem. Auf den Höfen selbst weisen Plakate darauf hin, aber auch im Kundenmagazin „Regenbogen“ finden sich entsprechende Informationen.