„Wollzeit“: In der Stadtbücherei laufen die Fäden zusammen

10.06.2026, 09:20 Uhr
Von: Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz

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Am 20. Juni, 31. Juli, 28. August und 18. September ist die Plöner Stadtbücherei für den Handarbeitstreff „Wollzeit“ geöffnet.

Am 20. Juni, 31. Juli, 28. August und 18. September ist die Plöner Stadtbücherei für den Handarbeitstreff „Wollzeit“ geöffnet. © hfr

Mancher Boomer mag sich, wenn der Begriff „Wollzeit“ fällt, wohl an seine Schulzeit erinnert fühlen: Damals klackerten ständig und überall die Stricknadeln. Jetzt hat sich Ilona von Buddenbrock das gleichnamige Projekt als regelmäßigen Handarbeitstreff in den Räumen der Plöner Stadtbücherei, Krabbe 17, ausgedacht: Eine „Wollzeit“ für Ideen, Austausch und Kreativität, fasst sie zusammen. Manches gehäkelte Lesezeichen hat hier zwischen Krimis, Lyrik und Sachliteratur schon dekorative Gestalt angenommen.

Ob die Fäden tatsächlich gehäkelt oder gestrickt werden, ist aber unerheblich. Und auch andere Handarbeiten haben hier ihren Platz, ganz nach Vorliebe. Es kann als Gelegenheit, Neues auszuprobieren wahrgenommen werden, man kann gemeinsam lernen und sich unterstützen, streicht Ilona von Buddenbrock heraus. Stets können ein paar rote Fäden für erhellende Gespräche der Aktion die besondere Note verleihen.

Nicht unerheblich ist allerdings das begrenzet Platzangebot in der Bücherei, weshalb eine Anmeldung erforderlich ist. Sie erfolgt in der Stadtbücherei Plön per Anruf unter 04522 – 505 400 oder als E-mail an stadtbuecherei@ploen.de

Nächster Termin ist am 20. Juni von 14 bis 17 Uhr, nachfolgend immer von 17.30 bis 19.30 Uhr am 31. Juli, 28. August sowie am 18. September 2026.

Vielleicht ist es für Nicht-Boomer schwer nachvollziehbar, wie es dazu kommen konnte, in der Schule anno dazumal seiner Strickleidenschaft zu frönen. Auch während des Unterrichts. Erst, wenn es gar nicht anders ging, wurden die Nadeln gegen den Füllfederhalter ausgetauscht, und zeitgleich der Faden gegen die verschlungene Maschen eigenen Gedankengarns, das zu Papier zu bringen war.

Eine gewisse Duplizität im Geschehen fällt durchaus auf: Denn auch dieses Garn entspann sich ideenreich aus den zu ordnenden Hirnwindungen heraus bis in die koordinierten Bewegungen der Fingerspitzen. Quasi analog zum Denken und Schreiben. Und auch das verbindet sich ja irgendwie mit der Stadtbücherei als Plöner Lesezentrum für Groß und Klein, die sich hier den in Bildern und Buchstaben ausgedrückten Geisteswelten der Literatur hingeben.

Vielleicht war diese Boomerleidenschaft (vorwiegend der Mädchen...) ein wesentlicher Grund für die Toleranz gegenüber dem sukzessiven Werden gestreift-bunter Schals, die parallel, vielleicht auch proportional zum schulplanmäßig angehäuften Wissen in laufenden Metern quer durch die Klassen täglich „Strecke“ machten.

Zudem würden Handarbeitsfreunde aus der Boomergeneration vermutlich unisono schwören, dass das Stricknadelklappern als Taktgeber im Klassenzimmer partiell entspanntes Wohlgefühl zu erzeugen im Stande ist. Wenn auch nicht bei jedem, wie ein beispielhafter „Fall“ aus den Boomerjahren aufzeigt: Man erinnere sich an die Geschworene Miss Marple (Margaret Rutherford), die im Gerichtssaal in „Murder Most Foul“ alias „Vier Frauen und ein Mord“ (Großbritannien 1964) die Nerven des Richters durch ihre Stricktätigkeit mächtig strapaziert.

„Ich kann mich dabei besser konzentrieren, Mylord“, begründet die Schöffin ihr handwerkliches Tun in dieser Filmszene. „Ja, ich mich aber nicht, Madam...“, erwidert säuerlich der Richter an der Stelle. Was folgt, ist ein vielsagender Blickkontakt. Das Strickzeug landet in der Tasche. Dann lässt die Geschworene den Fall planmäßig zur Farce werden. Und der Justizirrtum wird abgewendet.

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