Ein bemerkenswertes Jugendtreffen in der Gedenkstätte Ahrensbök:

„Wir sind verpflichtet, etwas für die Demokratie zu tun“

03.08.2026, 16:30 Uhr
Fehmarnsches Tageblatt, Heiligenhafener Post, der reporter Eutin/Malente, der reporter Oldenburg

Diesen Artikel teilen
Ministerin Dr. Dorit Stenke (Mitte), die stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins der Gedenkstätte Dr. Ingaburgh Klatt (vorne, 2.v.r.) und Hilmar Götze (rechts) freuen sich über das engagierte Eintreten der Jugendlichen für die Demokratie

Ministerin Dr. Dorit Stenke (Mitte), die stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins der Gedenkstätte Dr. Ingaburgh Klatt (vorne, 2.v.r.) und Hilmar Götze (rechts) freuen sich über das engagierte Eintreten der Jugendlichen für die Demokratie © Christian Burgdorf

"Seit 1999 veranstaltet die Gedenkstätte Ahrensbök internationale Jugendbegegnungen, in deren Mittelpunkt der Austausch über unterschiedliche historische Erfahrungen und Erinnerungskulturen sowie die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus steht“, erklärt die Leiterin der Gedenkstätte, Lisa Heller. Aktuell sind es 14 Jugendliche im Alter zwischen 17 und 23 Jahren aus Italien, Polen, Rumänien, Moldawien, der Türkei und Deutschland, die in Workshops, Exkursionen und kreativen Projekten eine lebendige und zukunftsorientierte Erinnerungskultur entwickeln wollen. Jetzt bekam die Aktion hohen Besuch: Schleswig-Holsteins Bildungs- und Kulturministerin Dr. Dorit Stenke schaute sich die Arbeit an.

„Wir haben gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Ziel, Brücken zwischen nationalen Ansichten auf die Vergangenheit zu bauen und gemeinsames Lernen, Verständigung und Verantwortungsbewusstsein in Europa zu stärken“, definiert Heller den Sinn des Treffens, das gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge durchgeführt wird. Ministerin Stenke wies während ihres Besuches darauf hin, wie wichtig Veranstaltungen wie diese sind. „Ich bin beeindruckt, mit welchen konstruktiven Fragestellungen die Jugendlichen das Thema Rechtsextremismus und seine Folgen angehen. Es macht Mut, diese Entschiedenheit in der Sache mitzubekommen. Und ich werde ganz sicher in Kiel darüber berichten“, resümiert die Ministerin ihre Begegnung mit den jungen Leuten. Beeindruckt war die Landespolitikerin auch vom Ort selber. „Ich bin zum ersten Mal in der Gedenkstätte. Doch auch wenn jetzt hier alles hergerichtet ist und die Blumen im Garten so schön blühen, so ist die Vergangenheit und Ernsthaftigkeit des Ortes doch sehr präsent.“

Bewegt von der heutigen politischen Situation im Lande und entschlossen, dagegen etwas zu tun, ist Clara. Sie nimmt zum ersten Mal an dem Jugendcamp in Ahrensbök teil. „Ich komme aus Potsdam, also aus Ostdeutschland und spüre die Stimmung bei uns“, teilt sie mit. Eingehend hat sie sich mit den Ereignissen in der Weimarer Republik und deren Konsequenzen beschäftigt und verweist auf die Parallelen zu heute. „Damals ging es dem Land wirtschaftlich gar nicht gut und die Nationalsozialisten machten den Menschen das Versprechen, alles ins Bessere zu kehren. Die Demokratie war nach dem Ersten Weltkrieg ja noch jung und die Leute vertrauten ihr nicht, da sie sich in den wenigen Jahren auch noch gar nicht in ihr zurechtfinden konnten. Auch heute hat unser Land Probleme und viele Menschen vertrauen den etablierten demokratischen Parteien nicht mehr. Das ist ein Nährboden für die AfD. Jetzt konnten die Menschen aber fast 80 Jahre erfahren, was Demokratie, jedenfalls in Westdeutschland, bedeutet. Sie müssten es eigentlich besser wissen und anders handeln als damals.“ Der Austausch mit den anderen Jugendlichen ist für Clara überaus wertvoll und ist sich sicher, dass „wir auch als junge Menschen verpflichtet sind, etwas für den Erhalt der Demokratie zu leisten“.

Über die Möglichkeiten, sich während des Treffens nicht nur inhaltlich, sondern auch körperlich mit dem Thema zu befassen, berichtete der pädagogische Mitarbeiter der Gedenkstätte, Hilmar Götze. „Neben den Workshops werden wir unter anderem Besuche in der Lübecker Synagoge, auf dem Kap-Arcona Ehrenfriedhof und in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme machen. An den Stelen, die entlang des Weges des Todesmarsches, der im April 1945 die KZ-Häftlinge aus Auschwitz und dem Lager Mittelbau-Dora auch durch Ostholstein über Lübeck bis nach Neustadt führte, werden Gestecke niedergelegt, die zuvor von den Jugendlichen hier gefertigt wurden.“

Die Begegnung der Jugendlichen, die durch die Förderung der Umweltlotterie „Bingo“, dem Kinder- und Jugendplan des Bundes, die Mitwirkung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und viele ehrenamtlichen Kräften unterstützt wurde, ist heutzutage unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ ein wichtiger Baustein zum Erhalt unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung und ruft dazu auf, sich aktiv gegen Antisemitismus, Rassismus und die Gefährdung der Demokratie zu stellen. Sicherlich eine Aufgabe, die nicht nur von jungen Menschen bearbeitet werden sollte.

Mehr Infos auf www.gedenkstaetteahrensboek.de

Autor: Christian Burgdorf

Die Gedenkstätte Ahrensbök befindet sich in der Flachsröste 16, direkt an der B 432.

Die Gedenkstätte Ahrensbök befindet sich in der Flachsröste 16, direkt an der B 432. © Volker Graap

Anzeige nordish Instagram

Meistgelesen

Schwerer Auffahrunfall bei Eutin: Fünf Verletzte, drei davon schwer Eutin

Schwerer Auffahrunfall bei Eutin: Fünf Verletzte, drei davon schwer

Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Fissau und Sibbersdorf sind am Samstagmorgen fünf Menschen verletzt worden,...

Annika Loewe
Person aus Öffentlichkeitsfahndung tot aufgefunden Eutin

Person aus Öffentlichkeitsfahndung tot aufgefunden

Der gemäß der Öffentlichkeitsfahndung vom 3. August 2026 gesuchte 32-jährige Eutiner konnte aufgefunden werden.

Lotta Schneider
Neue Majestäten proklamiert Ahrensbök

Neue Majestäten proklamiert

Nach drei Festtagen hat die Ahrensböker Gill beim Heimatfest ihre neuen Majestäten proklamiert. Den Höhepunkt...