So wird jeder Garten zum Rettungsort für Wildbienen

Wildbienen in Not

19.05.2026, 09:40 Uhr
der reporter Eutin/Malente, der reporter Plön/Preetz, PROBSTEER

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Die Rostrote Mauerbiene gehört zu den häufigen Wildbienen im Norden. Sie ist auf Streuobstwiesen und in Knicklandschaften zu finden, aber auch in Gebieten mit dichterer Bebauung.

Die Rostrote Mauerbiene gehört zu den häufigen Wildbienen im Norden. Sie ist auf Streuobstwiesen und in Knicklandschaften zu finden, aber auch in Gebieten mit dichterer Bebauung. © Mathias Lohr/ hfr

Sie summen leise durch unsere Gärten, bestäuben Obstbäume, Wildblumen und Gemüse – und doch gehören Wildbienen zu den am stärksten bedrohten Insekten Schleswig-Holsteins. Während Honigbienen als „Haustiere“ in Schleswig-Holstein von mehr als 3.000 Imker im Land gezüchtet, gehegt und gepflegt werden – und im Vergleich zu den Wildbienen auch relativ anspruchslos bei der Nektarsuche sind – bleiben ihre wilden Verwandten auf sich allein gestellt. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ruft deshalb dazu auf, Gärten, Balkone und Grünflächen wildbienenfreundlicher zu gestalten.

„Wildbienen sind die großen Sorgenkinder unter unseren Bestäubern“, sagt Wildbienen-Experte Detlef Kolligs von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Viele Arten sind hoch spezialisiert. Fehlen bestimmte Wildpflanzen, offene Bodenstellen oder Totholz, verschwinden sie – oft unwiederbringlich.“  

Rund 270 Wildbienenarten in Schleswig-Holstein  


In Schleswig-Holstein leben etwa 270 Wildbienenarten, darunter rund 30 Hummelarten. Viele davon stehen bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Anders als Honigbienen sammeln viele Wildbienen nur an bestimmten Pflanzenarten Pollen. Manche nisten im Boden, andere in hohlen Pflanzenstängeln oder alten Käfergängen im Totholz. Doch genau diese Lebensräume verschwinden zunehmen. Aufgeräumte Gärten, kurz gemähte Rasenflächen, Schottergärten und der Einsatz von Pestiziden machen es wilden Bestäubern schwer. Dabei braucht es oft nur kleine Veränderungen mit großer Wirkung. Besonders wichtig für Wildbienen sind heimische Blütenpflanzen vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Schon kleine Blühinseln mit regionalen Wildpflanzen helfen viele Arten beim Überleben. „Weniger Ordnung kann ein echter Gewinn für die Artenvielfalt sein“, erklärt Kolligs. „Abgestorbene Pflanzenstängel, offene Sandstellen oder ein kleiner Holzstapel sind für Wildbienen oft wertvoller als das perfekte Gartenbild.“  

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung  

Schon ein sonniger Balkon mit heimischen Blühpflanzen kann Nahrung bieten. Wer zusätzlich eine kleine Wasserstelle mit Steinen als Landehilfe aufstellt oder eine wilde Gartenecke zulässt, schafft wertvolle Rückzugsorte für Insekten. Auch Nisthilfen können helfen – wenn sie richtig gebaut sind. „Ein Insektenhotel allein rettet aber keine Wildbienen“, sagt Kolligs. Entscheidend seien vor allem Nahrung und Lebensräume. „Jeder Quadratmeter zählt“, sagt Kolligs. Wenn viele Menschen kleine Flächen naturnah gestalteten, entstünde ein riesiges Netzwerk aus Trittsteinen für Wildbienen und andere Insekten.“ Tipps und Anleitungen bietet eine neue Broschüre der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein: „Mein summender Garten – Praxis für Insektenvielfalt“. Sie ist auch online zu finden unter https://www.stiftungsland.de

Die gehörnte Mauerbiene ist noch recht neu in Schleswig-Holsteiner. Sie gilt als effiziente Bestäuberin im Obstgarten.

Die gehörnte Mauerbiene ist noch recht neu in Schleswig-Holsteiner. Sie gilt als effiziente Bestäuberin im Obstgarten. © Mathias Lohr/ hfr

  • Tipps für einen wildbienenfreundlichen Garten:
  • Teile des Rasens seltener mähen oder in eine Wildblumenwiese verwandeln
  • heimische Wildpflanzen statt exotischer Zierpflanzen setzen
  • Totholz, Laub und alte Pflanzenstängel über den Winter stehen lassen
  • offene Bodenstellen für bodennistende Wildbienen schaffen
  • konsequent auf Pestizide verzichten
  • Auch Nisthilfen können helfen – wenn sie richtig gebaut sind. „Ein Insektenhotel allein rettet keine Wildbienen“, sagt Kolligs. „Entscheidend sind vor allem Nahrung und Lebensräume.“

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