Fehmarn: Ulf Kämpfer und Niclas Dürbrook auf herbstlicher Sommertour
„Wer bestellt, muss auch bezahlen"
25.09.2026, 18:02 Uhr
Von:
Andreas Höppner
Fehmarnsches Tageblatt
Wer seine Sommertour auf den Herbst ausdehnt, kann auf einen Altweibersommer hoffen, muss aber auch Schietwetter einplanen – gerade auf Fehmarn. Ulf Kämpfer, SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im April 2027, und der ostholsteinische Landtagsabgeordnete Niclas Dürbrook hatten sich am Donnerstag für ihre Radtour, die sie in Großenbrode starteten, zwar auf mieses Wetter eingestellt, doch auf der Sundbrücke ging‘s nur noch schiebend und sehr langsam vorwärts. Passt ein wenig zum baulichen Zustand des Kleiderbügels, dessen Sanierung ein weiteres Mal in die Verlängerung geht und bis 2030 dauern soll.
Fehmarnsundquerung, Fehmarnbeltquerung und Fehmarnsundbrücke standen wenige Kilometer weiter in den Räumen des Wasserbeschaffungsverbandes in Strukkamp auch beim ersten Tourstopp hoch im Kurs, wo Bürgermeister Jörg Weber und Regionalmanagerin Daniela Borgstädt die Gesprächspartner waren. Ein guter Draht nach Kiel kann nie schaden, haben viele Entscheidungen, die in der Landeshauptstadt getroffen werden, oft unmittelbare Auswirkungen auf das Leben auf der Insel: in Echtzeit, aber auch in der Zukunft.
Amtsblatt von 1887 regelt Zuständigkeit
Erstes Problem, das Weber ansprach, war die vom Land festgestellte Zuständigkeit der Stadt Fehmarn für die Sicherstellung des Brandschutzes im Fehmarnsundtunnel. Das Land beruft sich auf ein Amtsblatt aus dem Jahr 1887, nach dem der Fehmarnsund komplett zu Fehmarn gehört. Aus Sicht von Niclas Dürbrook eine Absurdität. Auch der zukünftige Arbeitshafen auf der Festlandseite soll in die Zuständigkeit Fehmarns fallen, da die Stadt eine Hafenbehörde hat. Auch hier geht es um die Frage der Kostenübernahme durch das Land oder den Bund, da es sich um ein nationales Bauprojekt handelt.
Einig waren sich Kämpfer und Dürbrook, dass hier das Konnexitätsprinzip zu gelten habe – nach dem Motto „wer bestellt, muss auch bezahlen“. In der Theorie simpel, in der Praxis eher komplex. Die Stadt Fehmarn hat bereits ihre eigenen Erfahrungen gesammelt auf der anderen Inselseite – mit dem Fehmarnbelttunnel. Hier hat sie sich bei der Sicherstellung des Brandschutzes die Kostenübernahme durch das Land eingeklagt. Das Urteil wurde vor sechs Jahren gefällt. „Doch bis heute ist in Sachen Brandschutz nicht alles geklärt“, gibt es laut Jörg Weber weiterhin offene Fragen.
Ähnlich sieht es mit der vom Bund geplanten Übertragung der Straßenbaulast für die Sundbrücke auf den Kreis aus. Kämpfer wie auch Dürbrook sind sich einig, dass nach einer Herabstufung der Brücke die Unterhaltungskosten nicht beim Kreis hängen bleiben können. Hier müssten Land und Bund eine Lösung finden. Daniela Borgstädt erinnerte daran, dass die Sundbrücke auch nach Eröffnung des Sundtunnels ihre überregionale Bedeutung als Ausweichstrecke behalte.
Züge müssen jetzt bestellt werden
Wo das Land schon jetzt in die Hufe kommen muss, ist nach Auffassung von Weber und der Regionalmanagerin der zukünftige grenzüberschreitende Schienenpersonennahverkehr zwischen Fehmarn und Lolland. Niclas Dürbrook, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag, weiß, dass die landeseigene Gesellschaft NAH.SH die Zugbestellung zügig in Auftrag geben muss, denn aktuell dauere es sechs bis neun Jahre von der Bestellung bis zur Auslieferung, berichtet Dürbrook. „Im Grunde genommen muss der erste Regionalzug vor dem ersten Güterzug fahren, wenn die Region zusammenwachsen soll“, findet Daniela Borgstädt.
Weber: Anlaufpraxis soll wegfallen
Fehmarns Bürgermeister wies den Besuch aus Kiel noch auf ein anderes großes Problem hin, mit dem sich Kommunalpolitik und Verwaltung aktuell beschäftigten. Es ist die Gesundheitsversorgung auf der Insel. Weber erinnerte daran, dass man nach Intervention den Notarzt auf Fehmarn behalten habe, doch beim Krankenhauses, das Ameos in seiner bisherigen Ausgestaltung zum Jahresende schließen will, drohten einschneidende Kürzungen des Angebots. Geplant ist eine Poliklinik mit nur noch ambulanter Versorgung. So soll laut Weber auch die Anlaufpraxis zum Jahresende schließen.
Nach dem rund 60-minütigen Gespräch wusste Ulf Kämpfer, der familiäre Wurzeln auf Fehmarn hat, wo den Fehmaranern der Schuh am meisten drückt. Niclas Dürbrook hingegen kennt seinen Wahlkreis aus erster Hand. Anschließend ging es für sie gemeinsam mit der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Marianne Unger mit dem Rad weiter in Richtung Burg, wo nach einem Mittagessen noch ein Besuch der AWO Fehmarn und des Bürgerbusvereins im Haus im Stadtpark anstand.