Malenter Blumenkorso begeistert Besucher – trotz neuer Herausforderungen
Weniger Wagen, viele Fragen
03.08.2026, 12:52 Uhr
der reporter Eutin/Malente
Schon lange bevor die ersten Festwagen um die Ecke bogen, waren die Straßen in Malente gut gefüllt. Familien suchten sich die besten Plätze, Kinder hielten Tüten für Bonbons bereit und viele Urlauber zückten ihre Handys. Auf den ersten Blick schien alles wie in den vergangenen Jahren. Doch je länger der Blumenkorso dauerte, desto deutlicher wurde: Dieser Umzug ist anders.
Zwischen den bunt geschmückten Wagen entstanden immer wieder größere Lücken. Wo sich in den vergangenen Jahren rund 30 Vereine, Firmen und Gruppen am Korso beteiligten, waren es diesmal deutlich weniger. Während Tausende Besucher den Umzug feierten, war die Diskussion um seine Zukunft allgegenwärtig.
Der Hintergrund sind neue Sicherheitsauflagen der Gemeinde. Größere Fahrzeuge mussten erstmals von jeweils zwei sogenannten „Radengeln“ begleitet werden. Diese laufen neben den Hinterrädern der Wagen mit und sollen verhindern, dass Zuschauer in den Gefahrenbereich geraten. Für viele Vereine bedeutete das zusätzlichen Personalaufwand. Der Schützenverein hatte bereits vor dem Fest kritisiert, dass außerdem unklar geblieben sei, ab welcher Fahrzeuggröße die Regel gelte und welche Verantwortung die Begleitpersonen im Ernstfall tragen. Einige Gruppen verzichteten deshalb auf eine Teilnahme.
Von den Diskussionen hatten Harald Busch aus Ostfriesland und Michael Bartels aus dem brandenburgischen Havelland zunächst kaum etwas mitbekommen. Die beiden verbringen derzeit einen Reha-Aufenthalt in Malente und besuchten den Blumenkorso zum ersten Mal. Auf die Veranstaltung aufmerksam geworden waren sie durch einen Flyer. „Wir haben gesagt, wir gucken einfach mal, was das hier für ein Spektakel ist“, erzählt Harald Busch lachend. Große Erwartungen hätten sie bewusst nicht gehabt. „Einfach vorbeischauen und überraschen lassen.“ Genau diese Offenheit machte für die beiden den Reiz des Nachmittags aus. Statt gezielt wegen der Debatte um die Auflagen gekommen zu sein, wollten sie erleben, was den Blumenkorso für die Menschen in Malente so besonders macht. Schnell wurde ihnen klar, dass die Veranstaltung für viele weit mehr ist als nur ein Festumzug.
Das bestätigt auch Susanne Kroll aus Malente. Seit vielen Jahren verfolgt sie den Blumenkorso und verbindet mit ihm zahlreiche Erinnerungen. „Das Besondere sind auch Erinnerungen über die Kinder früher. Es macht immer wieder Spaß“, sagt sie. Gerade diese Mischung aus Tradition, Begegnung und Familienfest mache den besonderen Charakter des Umzugs aus. Umso größer ist ihre Sorge, dass diese Tradition eines Tages verschwinden könnte. „Das wäre schon schade. So viele Jahre gibt es das ja schon.“ Für die neuen Sicherheitsauflagen findet sie deutliche Worte: „Ich finde das bescheuert. Hier ist doch noch nie etwas passiert.“
Dass der Unmut nicht nur bei den Zuschauern vorhanden ist, zeigte sich auch während des Umzugs selbst. Mehrere Festwagen waren mit Plakaten versehen, die sich gegen die zunehmenden Auflagen richteten. Besonders auffällig war die Botschaft „Bürokratie bremst Party nicht“. Damit machten die Teilnehmer deutlich, dass sie den zusätzlichen Aufwand zwar kritisch sehen, sich die Freude am Blumenkorso aber nicht nehmen lassen wollen. Trotz der geringeren Zahl an Festwagen, welche bereits in den vergangenen Jahren zurückging, blieb die Stimmung entlang der Strecke ausgelassen. Immer wieder applaudierten die Zuschauer den vorbeiziehenden Gruppen, Kinder sammelten eifrig Süßigkeiten und Musikkapellen sorgten für Volksfeststimmung. Gerade dieser Kontrast machte den Nachmittag besonders: Auf der einen Seite die sichtbaren Folgen der neuen Auflagen, auf der anderen Seite die ungebrochene Begeisterung der Besucher und der teilnehmenden Wagen.
Wie es mit dem Blumenkorso weitergeht, ist derzeit offen. Nach dem Fest will der Schützenverein über die Zukunft der Traditionsveranstaltung beraten. Eines wurde an diesem Nachmittag jedoch deutlich: Die Wagen, die sich trotz der neuen Auflagen auf den Weg gemacht hatten, waren mit umso mehr Liebe zum Detail geschmückt. Kreative Dekorationen, gute Stimmung und engagierte Teilnehmer sorgten dafür, dass der Blumenkorso auch mit weniger Gespannen seinen besonderen Charme behielt. Vielleicht war genau das die wichtigste Botschaft dieses Tages: Die Begeisterung für diese Tradition ist nach wie vor groß.