Schulpreis-Jury lobt Unterricht, soziales Miteinander und die enge Vernetzung
Voßschule punktet mit „Eutiner Geist“
02.06.2026, 10:40 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Eutin/Malente
Jury und Schulleiterin mit zufriedenen Gesichtern nach vom „Schul-TÜV“ (v.l.): Andrea Preußker, Bettina Labahn, Helmut Klemm, Corinna Gottmann, Tanja Dietrich, Silvia-Iris Beutel, Ralph Müller-Eiselt und Nils von der Kall. © Volker Graap
Eutin - Dass die Johann-Heinrich-Voß-Schule in Eutin in der engeren Auswahl im Rennen um den Deutschen Schulpreis 2026 steht, ist an sich schon ein Riesenerfolg. Von 87 Bewerbern hat es das Gymnasium unter die Top 20 gebracht, die jetzt von einer Jury vor Ort noch einmal genauestens unter die Lupe genommen wurden. Zwischenergebnis: „Sie sind eine sehr, sehr gute Schule“, bescheinigte Jurysprecherin Andrea Preußker von der Robert-Bosch-Stiftung der Schulleiterin Tanja Dietrich nach der Stippvisite.
Ein siebenköpfiges Besuchsteam hatte die Voßschule vergangene Woche zwei Tage lang auf den Prüfstand gestellt. Dabei haben die Gäste nicht nur den Unterricht beobachtet, sie haben auch darüber hinaus mit Schülern, Lehrkräften, Eltern und außerschulischen Partnern gesprochen und sie eingehend befragt, um sich ein ganzheitliches Bild von der Arbeit am Gymnasium zu machen. „Wir haben alleine an 80 Sequenzen Unterricht teilgenommen, Projekte unmittelbar erlebt und so versucht, die Schule genauer kennenzulernen“, berichtet Andrea Preußker. „Wir haben quasi mit allen Menschen, die uns über den Weg gelaufen sind, gesprochen und sind am Ende so intensiv in das Schulleben eingetaucht, dass wir sicher sind, ein authentisches Bild erhalten zu haben.“
Die Jury ist multidisziplinär aufgestellt, mit Vertretern aus Bildungswissenschaft, Schulpraxis und Schulverwaltung. Sie blickten auf verschiedene Kriterien. „Wir beleuchten auch die Frage des Wohlbefindens und achten darauf, wie es den Schülern geht“, betonte Professorin Dr. Silvia-Iris Beutel von der TU Dortmund. „Das ist kein Add-on, sondern der richtige Weg, um die Leistung der Kinder und Jugendlichen zu stärken.“ Nils von der Kall, Vertreter der ZEIT-Verlagsgruppe, hat beeindruckt, wie sehr in Eutin auf individuelle Interessen und Kompetenzen eingegangen wird. „Das vermittelt den Schülern, dass sie gesehen werden.“
„Wir sind immer auf der Suche nach Dingen, die man abgucken kann“, sagte Dr. Bettina Labahn, Schulleiterin der Preisträgerschule 2012 aus Neuruppin. Ihr habe besonders die hohe Wertschätzung der Eltern gegenüber dem, was an der Schule geleistet werde, imponiert. Das sei in den Elterngesprächen deutlich geworden. Und Helmut Klemm, ein Schulleiter aus Bayern, hat das Atmosphärische an der Voßschule in den Bann gezogen – vom Hogwarts-artigen Erscheinungsbild bis zum reichhaltigen Schulleben mit vielen engagierten jungen Menschen.
Gepunktet hat das Gymnasium außerdem mit der Vernetzung in der Stadt – die Jurymitglieder sprechen von einem „Eutiner Geist“, den sie hier erleben durften –, dem offenen, bunten und zugewandten sozialen Leben an der Schule oder auch dem Projekt „Schüler helfen Senioren“. Die Begegnung der Generationen biete einen außergewöhnlichen Lerneffekt.
Wie geht es weiter? Bis Ende Juni will die insgesamt rund 50-köpfige Jury 15 Schulen für das Finale nominieren. Die feierliche Preisverleihung mit Bundeskanzler Merz findet am 29. September in Berlin statt. Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert, fünf weitere Preise mit jeweils 30.000 Euro. Das Wichtigste: Die Ergebnisse werden später zum Nachlesen für alle sichtbar über das deutsche Schulportal dargestellt. So können auch andere Lehranstalten profitieren und Tipps und Anregungen aus der Praxis ergattern. „Ziel ist es, einen positiven Einfluss auf das deutsche Bildungssystem zu nehmen. Auch das Beispiel Eutin zeigt, wir stehen nicht ratlos da, um exzellente Leistungen zu fördern“, so Andrea Preußker.