Bannig besünners, düsse Lachmöwen-Lüüd

Viel Theater in vier Jahrzehnten: Hut ab zum Jubiläum!

27.08.2026, 16:13 Uhr
Von:
der reporter Plön/Preetz, PROBSTEER

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Heidi Mahler und Jan Steffen sorgen derzeit in dem Stück „Brandstiftung“ als Witwe Facklamm und Paster Brand für heiße Theaterabende. Tipp: auch geeignet für Nicht-Plattschnacker.

Heidi Mahler und Jan Steffen sorgen derzeit in dem Stück „Brandstiftung“ als Witwe Facklamm und Paster Brand für heiße Theaterabende. Tipp: auch geeignet für Nicht-Plattschnacker. © Lotta Schneider

Mit viel Theater hat das Lachmöwen-Ensemble in vier Jahrzehnten seine Zuschauer beglückt, fast immer op Platt und stets mit hoch geschraubtem Anspruch an die Inszenierung, ob bei „Sluderee op de Trepp“ oder „De Nervbüdel“ oder – ganz aktuell - in „Brandstiftung“.

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Am 5. September hat das Ensemble seine große Feier mit geladenen Gästen, um gemeinsam auf vierzig Jahre Theaterkultur zurückzublicken und darauf die Gläser klingen zu lassen. Das Lachmöwenjubiläum ist mit Blick auf den ausgespielten Witz und die Kontinuität bühnenreifer Aufführungen mehr als ein guter Grund innezuhalten und würdevoll den Hut zu ziehen: „Herzlichen Glückwunsch, liebe Lachmöwen, zum Jubiläum“, sagen darum auch wir von der Probsteer-, der reporter sowie Nordish.News Redaktion. Wir greifen das Jubiläum auf, laden zum Lesen einer kleinen Revue ein und schließen uns den Gratulanten an.

„Erfolge fallt nich vun’n Heven“, wie wir alle wissen. Wir freuen uns, die Jubiläums-Grußworte präsentieren zu dürfen und laden unsere Leser zu einer kleinen Lachmöwen-Revue ein. Eines wird aus der Geschichte ganz deutlich: „Förwiss het dat veel Abeit maakt“. Und es ist aus unserer Sicht „bannig besünners, wat bi Tiden vun düsse Theaterlüüd al op de Been stellt worrn is“.

Wir verbinden sie darum mit einer Empfehlung: Gönnen Sie sich einfach mal einen tiefenentspannten Theaterabend in Laboe. Hören Sie sich ein in die plattdeutsche Sprache – sie ist famos und nicht schwierig zu verstehen. Kommen Sie dem Humor auf die Spur, der sich auf der Bühne mal feinsinnig-subtil, mal vordergründig durch die von der Regie pfiffig inszenierten Aufführungen zieht.

De lütte Lachmöwen-Revue

Wie war das eigentlich so mit der Theatergeschichte? Als immer noch spielendes Gründungsmitglied ist Jan Steffen „Dienstältester“ bei den Lachmöwen, die im Ursprung auf den AWO Ortsverein zurückgehen. 1986 bis 1996 gab es in Laboe noch die AWO Bühne, bei der Steffen 1992 mitzuspielen begann. „Dann haben wir uns mit dem Theater als Verein selbstständig gemacht“, blickt Jan Steffen auf die Anfänge zurück. Und dieser Schritt habe damals den gestalterischen Freiraum für die Weiterentwicklung des Theaters bedeutet.

Im Laufe der Zeit entwickelte das Lachmöwen-Team aus einem abgewickelten Kindergarten ihr Theater in der Straße Katzbek 4 immer weiter. Heute strahlt es weit in die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins und darüber hinaus aus. Un elkeen Johr schafft de Lachmöwen dat, ehr Theatergäst mit twee nedderdüütsche Kummedien in tominnst 80 Opföhrungen Füer in’t Hart to setten – so as in „Brandstiftung“. Un dat gifft gode Grünn, sik sülben dat aktuelle Stück in düssen Harvst noch antokeken.

Nicht ganz unbeteiligt an der Entwicklung und dem Faible für witzige Aufführungen ist auch die Freiwillige Feuerwehr, ganz unabhängig übrigens vom aktuellen Stück „Brandstiftung“. Denn zu den Feuerwehrgepflogenheiten zählte es damals, Kameradschaftsabende mit kreativem Klamauk zu gestalten. Selbstredend aus eigener Feder: „Der Wehrführer hatte damals gern Sketche geschrieben“, erzählt Jan Steffen. Er selbst war damals als Jugendlicher in das fröhlich agierende Feuerwehrensemble eingebunden, das dann zum Vergnügen der Kameraden gespielt hat. Die lustigen Spaßeinlagen erfüllten auch durchaus den ihren zugewiesenen Zweck: „Die Leute sollten nach dem Essen nicht so träge werden“, erzählt Steffen, „der Wehrführer wollte, dass Leben in die Bude kommt!“ Und so wer de Füerwehr, wo een löven kun, ernsthaftig un mit grotem Insatz an de Saak rangahn.

Ein Bild aus den ersten Jahren: Jan und seine Mutter Traute Steffen standen damals gemeinsam auf der Bühne.

Ein Bild aus den ersten Jahren: Jan und seine Mutter Traute Steffen standen damals gemeinsam auf der Bühne. © Jan Steffen

Seine Mutter Traute Steffen blieb indessen auf der AWO Bühne aktiv und hatte prompt ihren Sohn im Sinn, als 1992 einer der Schauspieler ausfiel, dessen Rolle also vakant wurde. Diese musste sich Jan Steffen dann im Turbogang aneignen. „Es war eine kleine Rolle und machbar“, sagt er bescheiden. Dabei trat er damals als Wachtmeister Schuldt auf, dessen Aufgabe in dem Stück „Frikadellen“ darin bestand, Klarheit in die Fragen um Ursachen und Schuldzuweisungen zu bringen. Passend zurechtgemacht trug Jan Steffen in seiner ersten Rolle eine grüne Polizeiuniform. Für inhaltliche Turbulenzen sorgten abgelaufene Fleischklopse und Rizinusöl als verlässliche Zutaten für implodierendes Innenleben zur Freude der Zuschauer. Die Spielstätte damals: Die Schulaula. Diese wurde 2003 jedoch abgerissen.

Zum Glück wurde aber in dieser Zeit auch der Kindergarten der Deutschen Inlandsmission im Katzbek 4 aufgelöst. Es passte: Die Eigentümerin der Immobilie – damals wie heute die Gemeinde Laboe – vermietete nun an die Lachmöwen. Man richtete sich neu ein, provisorisch zunächst und mit viel Eigeninitiative.

Auch in Sluderee op de Trepp wirkte Heidi Mahler vom Ohnsorg Theater bei den Lachmöwen mit. Das Stück kam 2023 auf die Bühne.

Auch in Sluderee op de Trepp wirkte Heidi Mahler vom Ohnsorg Theater bei den Lachmöwen mit. Das Stück kam 2023 auf die Bühne. © Lotta Schneider

Die Ehrenamtlichen schleppten und beförderten Bühne und Utensilien aus der alten Schule zur neuen Bleibe und freuten sich über Unterstützung: So stifteten die Freiwillige Feuerwehr und der DRK Ortsverein überzählige alte Stühle, die nicht mehr gebraucht wurden. Viele Freunde halfen mit, die sanitären Anlagen des ehemaligen Kindergartens auf Erwachsenenformat umzurüsten, erzählt Jan Steffen. „Alles zusammengeschusterte Sachen“, sagt er. „Dann wurden noch Podeste gekauft, damit die Leute höher sitzen konnten.“ Auch das war ein Provisorium.

Richtig schick wurden die Räumlichkeiten, als der Verein 2011 Gestühl aus dem Hamburger Ohnsorg Theater erhielt. Hintergrund: De Ümtog vun’t Ohnsorg-Theater in Hamborg hett dat mit sik bröcht, dat de Tokiekers in Laboe nu op de originaal Theaterstöhl vun dat bekannteste plattdüütsche Theater sitten könnt.

Schönes Gestühl für ein gutes Gefühl: Richtig schick wurde es bei den Lachmöwen durch das Ohnsorgmobiliar

Und nicht nur das: „2012 haben wir dann auch noch die Bühne von Ohnsorg bekommen“, berichtet Steffen. Die Umgestaltung war mit größeren Umbauten verbunden, aber seitdem atmet das Lachmöwentheater ein wenig Ohnsorg-Geschichte. Überhaupt lebt die Beziehung von einem gepflegten Kontaktnetz und gegenseitigen Gastauftritten. Dank finanzieller Förderung durch die AktivRegion konnten 2017/18 schließlich noch Küche und Toiletten bedarfsgerecht modernisiert werden.

Noch wichtiger wurden dann die „Neustart Kultur“-Bundesmittel, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bewilligt wurden. Im Zuge dieser speziellen Förderung in einer Notzeit habe der Verein das Haus Dorfstraße 8, die ehemalige Polizei, hinzunehmen können, unter anderem für Büro und Probenräume.

Trotz aller Hindernisse brachten es die kreativen Lachmöwen unter den extrem schwierigen Pandemiebedingungen, Hygieneauflagen und auf Abstand platziertem Publikum fertig, Ein- oder Zweipersonenstücke auf die Bühne zu bringen.

Während der Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen brachten die Lachmöwen einen sehenswerten Monolog auf die Bühne, in dem Christian Becker glänzte.

Während der Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen brachten die Lachmöwen einen sehenswerten Monolog auf die Bühne, in dem Christian Becker glänzte. © Lotta Schneider

Den Theaterbetrieb später wieder anfahren zu lassen und das Niveau der Auslastung „vor Corona“ zu erreichen, erwies sich nochmals als Herausforderung. Doch es gab Aufwind aus Richtung Elbe. Denn als prominente Ohnsorg-Schauspielerin trug Heidi Mahler zum Erfolg dieses Kraftaktes nach Corona bei. „Ein Zugpferd“, sagt Jan Steffen rückblickend, „die Leute kamen von Gott weiß woher.“ Auch nutzte aber umgekehrt das Ohnesorg-Theater die Bühne der Lachmöwen in der Corona-Zeit für seine eigenen Premieren. „Denn in Hamburg durften sie nicht so viel machen – und wir hatten unser Stück gerade durch gehabt.“ Nach wie vor werde zu Ohnesorg enger Kontakt gepflegt, wie das aktuelle Stück „Brandstiftung“ mit Heidi Mahler in der (doppelt besetzten) Hauptrolle zeigt. Un de Lachmöwen-Spelers kunnen övertügen. Dat Resultaat vun düsse Geschichte wiest tominst, üm dat mit Mark Twain sine Wöör to seggen: „Mit Kummer kann een alleen fardig warrn. Man sik ut vullen Harten frein, dat geiht blods, wenn een sien Freid mit anner Lüüd deelt.“

Als abgefahrenes "kummodiges" Stück mit einigen morbiden Zügen lockte De Nervbüdel viele Theaterfreunde zu den Lachmöwen.

Als abgefahrenes "kummodiges" Stück mit einigen morbiden Zügen lockte De Nervbüdel viele Theaterfreunde zu den Lachmöwen. © Lotta Schneider

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