Zeichnerische Spurensuche
Urban Sketchers zeichnen den Tischbein-Ofen in der ehemaligen Hofapotheke
22.06.2026, 10:05 Uhr
der reporter Eutin/Malente
Im Rahmen der Tischbein-Wochen führte Dr. Wolfdieter Schiecke am 9.6. die Urban Sketchers und viele Kunstinteressierte in die Themen und Techniken des Goethe-Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein ein.
Sowohl hinsichtlich seiner Maltechniken als auch hinsichtlich der Thematik seiner Bilder war Tischbein äußerst vielseitig. Sein bekanntestes Werk ist das Ölgemälde „Goethe in der Campagna“, das in Rom entstand und heute im Städel in Frankfurt hängt. Hierzu machte der Maler mehrere Skizzen: Feder- und Kreidezeichnungen, Aquarelle und Kupferstiche.
In Eutin schuf Tischbein zahlreiche weitere Portraits, zum Beispiel Ölgemälde des Homerübersetzers Johann Heinrich Voss. Weitere Themen waren Homers Gesänge, ideale Landschaften, Grazien und Nymphen. Außerdem gilt Tischbein als Meister der Tierdarstellungen. Auch hierfür verwendete er verschiedenste Techniken: Kreide- und Federzeichnungen, Radierungen, Aquarelle sowie Ölmalerei. Zu Goethes Reineke Fuchs schuf er zum Beispiel das große Ölbild „Der Rat der Tiere“, das im Landesmuseum für Kunst und Kultur in Oldenburg zu bewundern ist.
In Eutin hat Tischbein außerdem als Ofendesigner gearbeitet. Nach Motiven aus Pompei oder der griechischen Mythologie hat er wunderschöne Ofenfriese entworfen.
Am 8. Juni hatten die Urban Sketchers Gelegenheit den gut erhaltenen Tischbein-Ofen in der Alten Apotheke in Eutin zu zeichnen. Björn Lüth vom Vorstand der Sparkasse Holstein empfing die Zeichnerinnen und gab ihnen Informationen zu dem historischen Gebäude. Die Eutiner Hofapotheke wurde 1704 als zweigeschossiges Fachwerktraufenhaus gebaut und belieferte vorrangig den Hof. 1996 erwarb die Sparkasse Ostholstein das Gebäude. Es wurde denkmalgerecht saniert und durch einen Glasgang mit dem Neubau der Sparkasse verbunden.
Heute werden die Räumlichkeiten als Büroräume sowie für Besprechungen genutzt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Tischbein-Ofen, der um 1820 in der Eutiner Ofenfabrik von Jürgen Friedrich Niemann gebrannt wurde. Im Zuge der Sanierung der Hofapotheke wurde der Ofen funktionstüchtig wiederhergestellt.
Der Ofenfries wurde von Tischbein nach Motiven aus der griechischen Mythologie entworfen. Die braunroten Figuren auf schwarzem Hintergrund zeigen unter anderem die Szene „Klothis spinnt den Lebensfaden“. Klothis, die Spinnerin gehört zu den drei Schicksalsgöttinnen, den Moiren. Mit einer Spindel spinnt sie den Lebensfaden, der von Lachesis bemessen und von Atropos abgeschnitten wird.