Treffpunkt Backhaus: Bosau hält eine Tradition frisch
25.09.2026, 13:11 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente,
der reporter Plön/Preetz
Auch in dieser Saison wurde im Bosauer Backhaus an jedem letzten Sonnabend im Monat gebacken. Jetzt gehen die Ehrenamtlichen in die Winterpause.
An jedem letzten Samstag im Monat haben sich Klaus Schröder, Wolfgang Tietz und Ulrich Hahn seit April um 8 Uhr am Bosauer Backhaus getroffen. Einmal im Monat gibt es im Garten an der Dunkerschen Kate frischgebackenes Brot, wie man es nur hier bekommt. Wenn die drei Bäcker dafür einheizen, liegt über ihrem Dorf noch Wochenendstille. Das gut abgelagerte Holz brennt den Ofen sauber, bei 400 bis 450 Grad ist der Backraum bald rußfrei. Das braucht seine Zeit und eilig hat es hier niemand. Während das Backhaus auf Temperatur kommt, genießen die Männer die Ruhe: „Hier zu sitzen, ist dann einfach schön“, sagt Wolfgang Tietz. Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum er sich am Backtag den Wecker stellt: „Das Brot schmeckt besonders gut und wir wissen, was drin ist“, erklärt der Bosauer. Auch Ulrich Hahn hat der Spaß am Backen in die kleine Gruppe gebracht. Klaus Schröder ist seit 2018 dabei und Müdigkeitserscheinungen sind auch bei ihm nicht zu erkennen. Ist die Backkammer sauber gebrannt, wird ausgefegt, die entstandene Holzkohle sicher verwahrt. 30 Brote schieben die Männer ein, die Rohlinge bereitet eine Wöbser Biobäuerin für den Backsamstag vor.
„Die ursprüngliche Idee war, den Bosauern mit dem Backhaus die Gelegenheit zu geben, ihren eigenen Teig backen zu lassen, so wie es früher in den Dörfern üblich war“, erzählt Klaus Schäfer. 2009 packte Joachim Herrmann das Projekt Backhaus an und noch im selben Jahr konnte Einweihung gefeiert werden. Bei der Umsetzung hatte man sich an noch bestehenden Backhäusern in der Region orientiert. 2010 wurde ein Holzschauer gebaut, um das Feuerholz direkt am Backhaus lagern zu können. Dass Menschen mit eigenem Brot- oder Kuchenteig kommen, ist äußerst selten. Die 30 Biobrote aber sind immer schnell vergeben. Rund 45 Minuten brauchen die leckeren Laibe in der Hitze der Schamottsteine. Dann kommt es auf die Klopfprobe an: Klingt das Brot hohl, ist es fertig. Mit zügigen geübten Handgriffen werden die Brote aus dem Ofen geholt, nach kurzem Abkühlen eingetütet und mit Namen versehen.
Ohne Voranmeldung hat man keine Chance auf ein knusprig-frisches Frühstück. Genau darauf freuen sich Reinhard und Doris Meier, die zum Abholen gekommen sind: „Unsere Nachbarin organisiert die Vorbestellung“, berichten die beiden. Das frischgebackene Brot wird noch im Laufe des Tages verspeist: „Am liebsten mit Käse“, verrät Doris Meier noch, ehe es sie samt Brot in die heimische Küche zieht.
Ein kurzer Plausch wie dieser ist typisch für einen Backhausmorgen – und genau das hat Renate Brandt und Sarah Cohen angezogen. Auf dem Sommerfest kamen sie selbst am Backhaus ins Gespräch und bekundeten Interesse, sich mit Tat und Kraft einzubringen: „Es ist toll für die Dorfgemeinschaft“, befinden die Bosauerinnen. Und auch Sonja Will aus Plön hat Interesse am Bosauer Backhaus. Zu ihrer ersten „Schicht“ hat sie den denkbar besten Einstand mitgebracht und Brotteig vorbereitet, der sich in herrlich duftende Brote verwandelt und an Ort und Stelle verspeist wird: Kanten abschneiden, Butter darauf und dann krachen lassen! Ganz ohne guten Hintergedanken ist Sonja Will nicht dabei: „Der Plöner Pfadfinderstamm Seeschwalben hat auch ein Backhaus, das wir gern wieder beleben möchten“, erzählt sie. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass auch in Plön künftig ab und zu auf die ursprüngliche Weise gebacken wird. Sonja Wills Brot käme dort zweifellos bestens an.
In Bosau bleibt von Oktober bis einschließlich März das Backhaus kalt. Ab April aber wird an jedem letzten Samstag im Monat wieder der Duft von frischem Brot durch den Morgen wehen. Bis dahin muss man selbst zu Hause backen: „Dazu braucht man nicht viel: Wasser, Mehl und Hefe, ein paar Körner zum Draufstreuen und fertig“, raten die Backhaus-Ehrenamtlichen. Der eine oder die andere hat vielleicht auch vorgesorgt: „Man kann unser Brot nämlich bestens einfrieren, einfach in Scheiben schneiden und ab in die Tiefkühltruhe“, meint Ulrich Hahn. Ansonsten gilt: Der nächste Frühling kommt sicher – und damit auch die nächste Bosauer Brotzeit.