Bundesweite Protestaktion gegen Gesundheitspolitik: Kreideprotest auch an der Seebrücke
Heiligenhafener Therapeutinnen und Therapeuten schlagen Alarm
07.09.2026, 17:31 Uhr
Von:
Peter Foth
Heiligenhafener Post
Mit Straßenkreide haben Heiligenhafener Therapeutinnen und Therapeuten kürzlich gegen geplante Einschnitte im Gesundheitswesen protestiert. Vor der Seebrücke machten sie auf mögliche Folgen für Praxen und Patienten aufmerksam.
Mit Straßenkreide haben viele Angehörige der Therapieberufe aus Heiligenhafen am Sonnabend (5. September) ihren Protest gegen die aktuelle Gesundheitspolitik der schwarz-roten Bundesregierung auf das Pflaster vor der Seebrücke geschrieben. Die Therapeutinnen und Therapeuten protestieren damit gegen das Beitragssatzstabilisierungsgesetz und die geplante GKV-Strukturreform.
Kreideprotest gegen Folgen der Sparpolitik
„Kreide kann man wegwischen. Versorgungslücken nicht“, sagt Olav Gerlach, Pressesprecher und Koordinator der Aktion. „Wer heute bei Heilmitteln spart, verschärft morgen Fachkräftemangel, Wartezeiten und Folgekosten“, sagte Gerlach unserer Zeitung.
Das Bündnis kritisiert eine Sparpolitik, die pauschal in die Heilmittelversorgung eingreift und die Folgen für Praxen, Beschäftigte sowie Patientinnen und Patienten ausblendet. Schon 2018 hatten Therapeutinnen und Therapeuten mit Kreide gegen schlechte Vergütung und schwierige Arbeitsbedingungen protestiert. Nun drohe erneut ein Rückschritt mit dramatischen Folgen, stellte Olav Gerlach im HP-Gespräch fest.
Gerlach ist Physiotherapeut bei „baltic fit & physio“ in Heiligenhafen und Mitorganisator der Protestaktion, deren Kreideprotest am Sonnabend auch vor dem AOK-Gebäude in Oldenburg fortgesetzt wurde. Wie Gerlach gegenüber der HP betonte, laufen landes- und bundesweit zurzeit solche Proteste.
„Wir sind allerdings eher Kostenverhinderer in unserem Gesundheitssystem, als dass wir uns als Nutznießer bezeichnen lassen müssen“, sagte Gerlach und führte fort: „Wenn man bei den Therapieberufen nicht spart, wirkt sich das positiv auch im Pflegebereich, bei Krankschreibungen oder bei der Frühverrentung aus.“
Kritik übte der Therapeut auch an den Krankenkassen, die ihre Finanzen einfach nicht im Griff hätten, aber auch an der Bundesregierung, die sich keine Mühe gebe, mit den Menschen zu sprechen, die das System kennen.
Gerlach: Prävention statt Kürzungen
Was muss sich ändern, fragte die HP nach. Olav Gerlach: „Wir müssen sehen, dass wir die Töpfe umverteilen, wir müssen sehen, dass wir dort investieren, wo man tatsächlich Geld sparen kann. Durch Prävention spart man am Ende acht bis zehn Euro pro eingesetztem Euro im Gesundheitssystem, und das sind Dinge, wo wir sagen müssen: In jedem Fall investieren und umschichten.“
„Das nächste Gesetz, die große GKV-Strukturreform, steht aber schon vor der Tür. Da haben wir natürlich Angst, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in den Therapieberufen noch einmal benachteiligt werden. Das wäre ein großer Rückschlag für die Versorgung hier vor Ort mit Heilmitteln und gefährdet Arbeitsplätze“, stellte Gerlach fest.