„Es läuft gut – aber was ist in ein paar Jahren?“
Thema Inklusion: Eltern vermissen Sportgruppe ohne Leistungsdruck
26.05.2026, 09:28 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Carlotta knetet gern, mag Bücher, feuert als Cheerleaderin das Fußball-Team ihrer Schule an und ist ein echter Genussmensch. Jette liebt die Conni-Geschichten, hat Spaß beim Kunterbunten Kindermorgen der Kirchengemeinde und legt Wert auf einen gut organisierten Wochenablauf. Gemeinsam haben die Freundinnen zwei Leidenschaften: Eis und Musik.
Beim Kindertanzen der BSG Eutin sind sie mit ihrer Liebe für gute Songs genau richtig: „Die Gruppe ist sehr inklusiv und das ist für uns wertvoll. Wir sind dankbar, dass unsere Kinder dort mitmachen können“, sagt Carlottas Mutter Claudia Muuß und Bente Terbäk, die Mutter von Jette, nickt zustimmend. Sie können von vielen guten Erfahrungen, von wirklich gelebter Inklusion berichten. Ob beim Kinderturnen oder beim Schwimmen: „Wir sind überall mit offenen Armen empfangen worden“, erzählen die Mütter der Elfjährigen mit Trisomie 21. Aktuell fühlen sich ihre Töchter in der Gemeinschaft mit jüngeren Kindern wohl, sind gut in die Kindergruppe integriert, der Altersunterschied spielt keine Rolle: „Es passt prima – noch“, sagt Claudia Muuß.
Hinter dieser Situationsbeschreibung steht für die Eltern der Mädchen jedoch die Frage: Was passiert in ein paar Jahren? Wenn der Altersunterschied zu den anderen Mitgliedern in den Gruppen größer wird? „Für ältere Kinder und Jugendliche geht es gleich in den Leistungsbereich, das ist nichts für Jette und Carlotta“, schildert Bente Terbäk und stellt fest: „Es fehlen die Spaßgruppen!“ Wenn es darum geht, den Kindern ein Hobby zu bieten, sind die Eltern von Kindern mit Behinderung – wie sonst auch – mehr gefordert, wissen die Mütter. Dass es auch für die Vereine keine einfache Sache ist, zusätzliche Angebote zu schaffen, in denen Sport ohne den Blick auf Zeiten, Weiten und Platzierungen möglich ist, ist ihnen bewusst. Dennoch wollen sie das Thema ins Bewusstsein rücken: „Was brauchen die Vereine, um sich in diese Richtung breiter aufzustellen?“, fragen Claudia Muuß und Bente Terbäk. Im Sportverein erleben sie die grundsätzliche Offenheit für ein inklusives Miteinander als stärkend: „Das ist prima und wir sind dafür sehr dankbar“, betonen sie. Sport ist indes nicht das einzige Interesse der Mädchen: „Sie möchten auch Theater spielen, Musik machen oder etwas ganz anderes tun und natürlich wollen wir unseren Kindern das ermöglichen.“ Um diese Punkte kreisen die Gedanken der Eltern immer wieder, wenn sie an die Zukunft denken. Auch deshalb ist es ihnen wichtig, von ihren Kindern zu erzählen. Denn Inklusion ist für die Familien kein nettes Extra, sondern der Schlüssel zur Teilhabe für ihre Töchter. „In größeren Städten gibt es natürlich ganz andere Optionen zur Freizeitgestaltung“, sagt Bente Terbäk. Ihr Zuhause aber ist Eutin und hier fühlen sie sich wohl. Jette hat die Wochentermine von Logopädie, Turnen und Schwimmen gut sortiert, genießt das Zusammensein mit ihren beiden Geschwistern und spielt gern mit ihrer Freundin Carlotta. Die hat das Zeug für den großen Auftritt, weiß genau, was sie will, und es wundert wenig, dass „Oben gute Laune, unten gute Laune“ zu ihren Lieblingsliedern gehört. Die beiden bringen wie alle Kinder viel mit und es braucht eine Gesellschaft, die Bedingungen schafft, damit sie das Beste daraus machen können. Das wünschen sich Claudia Muuß und Bente Terbäk für ihre Töchter. Wie alle Eltern.