Vereinsauflösung beendet nicht die Tradition: Stadt Fehmarn übernimmt Gedenkveranstaltung
Stadt Fehmarn führt Niobe-Gedenken künftig fort
26.07.2026, 18:42 Uhr
Von:
Nicola Krüger
Fehmarnsches Tageblatt
Nach der Auflösung des Marinevereins der Insel Fehmarn übernimmt die Stadt künftig die Gedenkveranstaltung zum Untergang des Segelschulschiffes „Niobe“. Die Tradition der Erinnerung am Gammendorfer Strand wird damit fortgesetzt. Bei der jüngsten Gedenkfeier wurde an die 69 Todesopfer der Schiffskatastrophe von 1932 erinnert.
Immer mehr Traditionsvereine stehen vor der Herausforderung, neue Mitglieder und vor allem Nachfolger für Vorstandsämter zu finden. Auch der Marineverein der Insel ist davon betroffen und wird sich zum Jahresende auflösen (wir berichteten). Eine langjährige Tradition bleibt dennoch erhalten: Die Stadt Fehmarn wird künftig die Gedenkveranstaltung zum Untergang des Segelschulschiffes „Niobe“ am Gammendorfer Strand fortführen.
Noch vor kurzem war davon auszugehen, dass die gestern durchgeführte Gedenkveranstaltung anlässlich des Untergangs der „Niobe“ vor 94 Jahren die letzte ihrer Art sein würde. Doch dazu wird es nicht kommen.
Auflösung zum Jahresende
Der Marineverein der Insel Fehmarn löst sich zum 31. Dezember 2026 endgültig auf, nachdem sich kein neuer Vorstand finden ließ. Die Mitglieder hatten das Ende des Vereins in rechtswirksamen Beschlüssen bestätigt. Damit ist der Marineverein nicht mehr in der Lage, die traditionsreiche Gedenkveranstaltung künftig selbst auszurichten.
Bei der Gedenkfeier, an der erneut zahlreiche Abordnungen verschiedener Verbände und Organisationen teilnahmen, erklärte Bürgervorsteher Holger Micheel-Sprenger, dass die Stadt Fehmarn als Rechtsnachfolger die Aufgabe übernehmen werde, an den Untergang des Segelschulschiffes zu erinnern.
Der Bürgervorsteher dankte dem Marineverein dafür, über viele Jahre hinweg die Erinnerung an das Unglück im Fehmarnbelt wachgehalten zu haben. „Zukünftig wird das die Kommune übernehmen. Ich gehe davon aus, dass dementsprechende finanzielle Unterstützung von der neu gegründeten Bürgerstiftung Fehmarn kommen wird. Außerdem hoffe ich, dass die ehemaligen Mitglieder des Marinevereins bei der Ausrichtung unterstützend mitwirken werden“, sagte Holger Micheel-Sprenger.
An der rund halbstündigen Gedenkveranstaltung am Gammendorfer Strand nahmen unter anderem eine Abordnung der dänischen Marinekameradschaft sowie der Erste Stadtrat Dirk Frohberg teil.
Das Unglück der „Niobe“
Der Untergang der „Niobe“ ereignete sich am 26. Juli 1932 im Fehmarnbelt. Während das Segelschulschiff der Deutschen Reichsmarine den Fehmarnbelt in Höhe des Gammendorfer Strandes passierte, zog eine Gewitterfront auf. Gegen 14.30 Uhr traf eine plötzlich einsetzende Fallböe das Schiff und legte es um rund 50 Grad auf die Seite. Weil die Bullaugen nicht geschlossen waren, drangen große Wassermengen in das Innere des Schiffes. Innerhalb kürzester Zeit sank die 58 Meter lange „Niobe“. 69 Marineangehörige kamen ums Leben, 39 überlebten die Schiffskatastrophe.
Während der Gedenkveranstaltung schilderte der Vorsitzende des Marinevereins, Matthäus Voß, noch einmal den Ablauf des Unglücks. Die Veranstaltung dient zugleich dem Gedenken an alle Menschen, die in der Berufs- oder Seeschifffahrt ihr Leben verloren haben.