Seit 50 Jahren gemeinsam unterwegs
15.08.2026, 15:31 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
„Einer für alle und alle für einen“ – unter diesem Motto blicken Mitglieder des „Motorcycle Club Fissau“ auf 50 Jahre Gemeinschaft und Motorradleidenschaft zurück. Im MC sind Lebensfreundschaften entstanden, man ist stolz darauf, sich das Attribut „old school“ bewahrt zu haben. Eine feste Größe im Dorfleben ist der Club ohnehin.
Was im August 1976 seinen Anfang nahm, ist ein halbes Jahrhundert später längst zu einem festen Bestandteil des Dorflebens geworden. Seit 50 Jahren verbindet der „Motorcycle Club Fissau“ Menschen, die nicht nur die Leidenschaft für Motorräder teilen, sondern vor allem eines: Freundschaft, Gemeinschaft und den Willen, füreinander da zu sein. Zu den Männern der ersten Stunde gehören die Mitgründer Jonny und Peter. Damals waren die Maschinen noch andere, die Möglichkeiten kleiner und viele der Freundschaften, die den Club heute prägen, noch gar nicht entstanden. Doch aus einer Gruppe Motorradbegeisterter entwickelte sich über die Jahrzehnte eine Gemeinschaft, die weit über gemeinsame Touren hinausgeht.
Besonders stolz sind die Mitglieder auf ihre gemeinsamen Ausfahrten. Seit rund 45 Jahren gehört vor allem die Pfingsttour fest zum Clubleben. Zweimal jährlich geht es gemeinsam auf Reisen – und dabei sind keineswegs nur die Motorradfahrer unterwegs. Frauen, Kinder und Familien gehören dazu, teilweise kamen bei den Touren 45 bis 50 Menschen zusammen. „Wir sind zu einer großen Familie gewachsen“, beschreibt Jonny die Entwicklung. Und genau diese gemeinsame Zeit sei es, die den Zusammenhalt immer weiter gestärkt habe. Die Ziele wechselten im Laufe der Jahre. Es ging unter anderem nach Dänemark und in den Harz, später auch nach Schwerin, Usedom und Rügen. Doch wichtiger als das Ziel war immer die Gemeinschaft. Viele Kinder sind mit dem Club groß geworden. Einige waren schon im Alter von zwei oder drei Jahren bei den Fahrten dabei, sind inzwischen erwachsen – und kommen noch immer gerne mit.
Trotz aller Veränderungen ist sich der Club in vielen Dingen treu geblieben. „Wir sind zu 80 Prozent noch old school“, heißt es im Gespräch. Die Maschinen seien moderner geworden, der Charakter der Gemeinschaft dagegen kaum. Respekt und ein friedliches Miteinander spielen eine große Rolle. Gleichzeitig ist der Club fest in Fissau verwurzelt: Beim Aufstellen des Maibaums packen die Mitglieder seit Jahren mit an, sie beteiligen sich an Kinderfesten und unterstützen den Dorfverein. „Wir sind voll integriert hier“, sagt Jonny.
Natürlich gehören zu fünf Jahrzehnten auch Geschichten, die bis heute für Gesprächsstoff sorgen. Ein ganz besonderes Erlebnis war eine gemeinsame Fünf-Seen-Fahrt mit dem Schiff. „Das war ein Highlight“, erinnern sich die Mitglieder. Das sommerliche Panorama und die gemeinsame Zeit auf dem Wasser blieben besonders im Gedächtnis. Auch abseits der großen Ausfahrten wusste der Club immer zu feiern. Legendär waren unter anderem die Jagertee-Partys im Winter. Selbst Temperaturen von minus zehn Grad, Schnee und Kälte konnten die Gemeinschaft nicht davon abhalten, draußen am Lagerfeuer zusammenzukommen, zu grillen und gemeinsam einen Jagertee zu trinken. Solche Geschichten gehören inzwischen ebenso zur Clubhistorie wie die vielen Kilometer auf zwei Rädern.
Nun wurde die lange Geschichte am vergangenen Wochenende gebührend gefeiert. Mehr als ein halbes Jahr lang hatten die Mitglieder das 50-jährige Jubiläum vorbereitet. Befreundete Clubs und ehemalige Weggefährten aus ganz Deutschland kamen zusammen, zwei Bands sorgten für Live-Musik. Und auch ein alter Bekannter durfte nicht fehlen: DJ Kochi. Bereits beim 25-jährigen Jubiläum hatte er aufgelegt – 25 Jahre später stand er zum 50. Geburtstag erneut am Mischpult. Besonders groß war die Freude über das Wiedersehen mit ehemaligen Mitgliedern. Viele von ihnen waren der Einladung gefolgt und feierten gemeinsam mit alten und neuen Weggefährten. „Da freuen wir uns natürlich ganz besonders, dass die alten Weggefährten wieder dabei sind“, hieß es bereits im Vorfeld aus dem Club. So wurde das Jubiläum nicht nur zu einer großen Party, sondern vor allem zu einem Wiedersehen von Menschen, die über Jahrzehnte hinweg ein Stück der gemeinsamen Geschichte geschrieben haben.
Was die kommenden Jahre bringen, weiß niemand genau. Nachwuchs zu finden, ist schwieriger geworden. Trotzdem blickt die Gemeinschaft nach vorn. Die nächste Pfingstausfahrt ist bereits gesetzt – natürlich wieder gemeinsam mit „Kind und Kegel“. Warum der Club auch nach 50 Jahren noch zusammenhält, lässt sich vielleicht am besten mit den eigenen Worten der Mitglieder erklären. Auf die Frage, wie sich diese Gemeinschaft in nur drei Worten beschreiben lasse, kam die Antwort ohne großes Zögern: „Einer für alle.“ Und schließlich folgte die Ergänzung, die wohl noch besser zu einem halben Jahrhundert gemeinsamer Geschichte passt: „Einer für alle und alle für einen.“