Seenotretter aus Leidenschaft
10.06.2026, 09:22 Uhr
Von:
Andreas Höppner
Fehmarnsches Tageblatt
Lars Carstensen vor der zurzeit in Burgstaaken stationierten „Romy Frank“, die regulär in Puttgarden beheimatet ist. © Andreas Höppner
Der Fehmaraner Lars Carstensen gehört auch in den kommenden vier Jahren dem Vorstand der DGzRS an. Als stellvertretender Vorsitzender begleitet er wichtige Investitionen und die Modernisierung der Seenotretterflotte.
Fehmarn, Heiligenhafen, Großenbrode – das sind in der hiesigen Region die Standorte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Hier sind die Seenotrettungsboote beziehungsweise der -rettungskreuzer stationiert, um in der Hohwachter Bucht, rund um Fehmarn und in der Lübecker Bucht schnelle Hilfe auf See leisten zu können. Doch nicht nur auf dem Wasser gibt es für die Seenotretter viel zu tun, auch an Land, wo unter anderem der ehrenamtlich tätige Vorstand wichtige Entscheidungen zu treffen hat. In Hamburg wurde dieser nun neu gewählt. In seine zweite vierjährige Amtszeit als stellvertretender Vorsitzer geht mit Lars Carstensen (63) ein Fehmaraner. Neuer Vorsitzer ist Michael Ippich aus Schiffdorf bei Bremerhaven, weiterer stellvertretender Vorsitzer Andreas Niemeyer aus Bremen.
Carstensen ist in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied ein Exot, denn er ist der bislang einzige Nicht-Bremer, der in den Vorstand gewählt wurde. Und die DGzRS gibt es bereits seit 161 Jahren. „Ich musste mich in die Vorstandsarbeit reinarbeiten“, gestand der 63-Jährige gegenüber dem FT. Mit Erfolg, denn das beschlussfassende Gremium der DGzRS wählte ihn wieder.
Und Lars Carstensen ist mit Leib und Seele dabei. Sogar als Aktiver, denn der Ruheständler hat im vergangenen Jahr nicht nur Vorstandsarbeit geleistet, sondern sogar zehn Wochen aktiven Dienst auf verschiedenen Stationen getan. Auch in dieser Woche ist er wieder unterwegs: acht Tage auf dem Rettungskreuzer „Felix Sand“ in Grömitz. Auch die aktive Arbeit sei für ihn eine Herzensangelegenheit.
In Sachen Vorstandsarbeit stehen aus seiner Sicht drei Großprojekte auf der Tagesordnung der nächsten Jahre. Größtes Vorhaben sei der Neubau des Trainingszentrums in Neustadt, wo die Seenotretter ihre zentrale Aus- und Fortbildung für die rund 870 Freiwilligen und 180 Festangestellten durchführen. Carstensen schätzt, dass der Bau rund drei Jahre in Anspruch nehmen wird. „2029 könnte es vielleicht fertig sein“, so die leise Hoffnung des 63-Jährigen.
Neuer Prototyp für Freiwilligenstationen
Zweites Großprojekt, das der Vorstand begleitet, ist die sukzessive Einführung einer neuen Bootsklasse für die Freiwilligenstationen, auf denen derzeit noch die 10,1-Meter-Klasse Standard ist. Zurzeit werde ein 12,7 Meter langer Prototyp auf Werften in Finnland und Estland entwickelt und gebaut, berichtet Carstensen. Der Neubau wird aus glas- und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Zwei 425-PS-Motoren beschleunigen das Boot auf bis zu 34 Knoten. Die aktuelle Generation der 10,1-Meter-Klasse bringt es gerade mal auf 18 Knoten. Da liegen Welten dazwischen. „Auf See hast du keine Zeit“, kommt es laut Carstensen bei Rettungseinsätzen immer auf Schnelligkeit an. Noch in diesem Jahr soll der Prototyp ausgeliefert und auf mehreren Sationen in Nord- und Ostsee getestet werden.
Doch nicht nur bei den Freiwilligenbooten steht ein Austausch bevor, auch für die Rettungskreuzer, die mit einer Stammbesatzung fahren, steht der Bau einer neuen Schiffsgeneration auf der Agenda – das dritte Großprojekt. „Er wird komplett aus Alu gebaut, die SET Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde hat ein wettbewerbsfähiges Angebot gemacht, demnächst findet die Kiellegung statt“, so Carstensen. Zur Ausstattung gehört unter anderem ein großes Hospital. Das Tochterboot bekommt zwei Jetantriebe, die eine Geschwindigkeit von 32 Knoten ermöglichen. Carstensen rechnet beim Seenotrettungskreuzer mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren.
Carstensen: Sehr gutes Team auf Fehmarn
Von Borkum im Westen bis Ueckermünde im Osten verfügt die DGzRS über ein engmaschiges Netz von 53 Stationen. Rettungskreuzer mit einer Stammbesatzung sollen laut Carstensen fünf Minuten nach Alarmierung auslaufen, die Freiwilligenbesatzungen mit den Rettungsbooten nach 15. Auf Fehmarn mit den beiden Standorten in Puttgarden („Romy Frank“) und Burgstaaken („Helene“) funktioniere sehr gut. Vormann Arne Fröse habe mit rund 30 Freiwilligen ein sehr gutes Team zusammen, lobt Carstensen.
Welche Stationen zuerst auf die neuen Schiffsgenerationen umgestellt werden, steht noch nicht fest. Allerdings kann sich der stellvertretende Vorsitzer gut vorstellen, dass die Station Heiligenhafen recht früh ein neues 12,7-Meter-Boot erhält, da die Station Lippe bei Hohwacht weggefallen ist, da der dortige Privathafen geschlossen wurde und so eine Lücke in der Hohwachter Bucht entstanden ist, die mit den wesentlich schnelleren neuen Rettungsbooten besser geschlossen werden kann.
Doch das ist noch Zukunftsmusik, die Lars Carstensen mit viel Enthusiasmus mitgestalten möchte. „Es gibt viele Herausforderungen in einer spannenden Zeit“, so der 63-Jährige, für den es absolut „keine Last“ sei, an jedem ersten Montag im Monat zur Vorstandssitzung nach Bremen zu reisen. „Ich habe bislang keine Sitzung verpasst“, berichtet Carstensen, der zu seiner Vorstandstätigkeit weiter sagt: „Ich freue mich auf die nächsten vier Jahre.“