Peter Klint führt Familienbetrieb weiter und lädt zum Jubiläumswochenende ein

Schuhhaus Klint feiert 250. Geburtstag

18.06.2026, 18:57 Uhr
Von: Volker Graap
der reporter Plön/Preetz

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Vor noch nicht einmal einem Jahr hat Peter Klint die Leitung des Schuhhauses übernommen.

Vor noch nicht einmal einem Jahr hat Peter Klint die Leitung des Schuhhauses übernommen. © Volker Graap

In der Schusterstadt gibt es wohl kein zweites Unternehmen, das auf eine so lange Tradition zurückblicken kann: Das Schuhhaus Klint begeht 2026 sein 250-jähriges Jubiläum. Am Freitag und Sonnabend, 19. und 20. Juni, wird dieser außergewöhnliche Geburtstag ganz groß gefeiert. „Am Freitag bleibt unser Geschäft in der Kirchenstraße länger geöffnet – und viele Kollegen in der Einkaufsstraße schließen sich an“, berichtet Inhaber Peter Klint. Am Tag darauf will man etwas in der Vergangenheit schwelgen und auch ein Kinderprogramm anbieten. „Am 19. Juni starten wir außerdem eine Rabattaktion: 25 Prozent auf alles!“, kündigt Klint an.

Vor noch nicht einmal einem Jahr hat der 20-Jährige ungeplant und unter tragischen Umständen die Firma übernommen. „Am 2. Juli starb mein Vater sehr überraschend. Er hat mir zwar wenige Wochen vor seinem Tod noch einige Dinge im Schuhhaus gezeigt, aber ich bin hier quasi ohne Erfahrung eingestiegen. Das Meiste habe ich mir selber beigebracht und dabei große Unterstützung erhalten – etwa durch unsere Buchhalterin oder den Berater unserer Einkaufsgemeinschaft“, berichtet der junge Unternehmer. Ein nach dem Abitur 2024 angefangenes BWL-Studium brach er ab. „Das hätte auf Dauer keinen Sinn gemacht, dafür erfordern unsere beiden Läden in Preetz und Plön zu viel Arbeit.“ Die Entscheidung, den Familienbetrieb weiterzuführen, sieht er als eine Chance, die sich wohl kein zweites Mal bietet. „Kaum ein anderer erhält die Möglichkeit, so früh Erfahrungen zu sammeln. Und ich habe in den zurückliegenden Monaten sehr viel gelernt – über Einkauf, Messefahrten, Warenwirtschaft, Kundengespräche oder das Organisatorische im Hintergrund.“

Dazu gilt es, aktuelle Herausforderungen zu meistern. „Einfach ist das Geschäft zurzeit wirklich nicht. Unsere Branche und der ganze Einzelhandel spürt die Wirtschaftskrise und die Konkurrenz durch den Internethandel“, sagt Peter Klint. Aber auch hier sind die ersten Schritte gemacht: Auf www.schuhhaus-klint.de kann die Kundschaft Schuhe auch bequem online kaufen. In den Geschäften setzt Klint auf Marken und Mode, aber verzichtet auf Fast Fashion. Das Sortiment reicht von der Sandale bis zum Sneaker. Die Ware stammt von so renommierten Herstellern wie Gabor, Rieker, Adidas, Puma, Nike, Reebok, Legero, Remonte, Waldläufer oder ganz neu Koel – die erste Marke, die Peter Klint ins Programm geholt hat. Er knüpft damit an die Aussage seines Großvaters Jens Klint an, der zum 225. Firmengeburtstag hervorhob: „Mit Qualität, Service und Handwerk haben wir uns stets durchsetzen können.“ Für den jungen Chef ist das Verpflichtung: „250 Jahre – das ist eine krasse Zahl. Wenn man bedenkt, was in dieser Zeit geschichtlich alles passiert ist! Dieses Erbe war für mich der ausschlaggebende Grund, weiterzumachen“, betont Peter Klint.

Die beiden Jubiläumstage werden im Stammgeschäft in der Preetzer Kirchenstraße 7 gefeiert. Am Freitag, 19. Juni, ist um 17 Uhr die offizielle Eröffnung. Livemusik, Sektempfang und die eine oder andere leckere Kleinigkeit sollen bis in den späten Abend zum Verweilen einladen. Die halbe Kirchenstraße öffnet dann zum Late-Night-Shopping ihre Türen. Am Sonnabend, 20. Juni, wird von 10 bis 16 Uhr Programm geboten mit Glücksrad und Aktionen für Kinder. „Dann können auch die älteren Preetzer mit uns in die Vergangenheit eintauchen. Wir bereiten eine Ausstellung mit historischen Zeitungsberichten und nostalgischen Werbeartikeln vor“, kündigt Peter Klint an.

Ein Vierteljahrtausend in Familienhand

Was für eine Geschichte: Früher fuhren die Vorfahren der Klints noch mit Pferd und Wagen über die Märkte Norddeutschlands. Während des Dreißigjährigen Krieges hat es sie aus der Stargarder Gegend nach Holstein verschlagen. Urkundlich belegt ist, dass sich die Schuhmacherfamilie spätestens 1776 mit einem Handwerksbetrieb in der Preetz niederließ. Viele Schuhmacher kamen damals in ihren Wanderjahren von weither in die Schusterstadt, um ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu vertiefen. Das Hauptgeschäft in der Klosterstraße 23 bestand über 130 Jahre: 1871 richtete der Schuhmachermeister Johann Peter Heinrich Klint in dem Haus, in dem sich auch die Werkstatt für Maß- und Fertigschuhe befand, einen Raum als Laden her. Die Stiefel, vor allem Halbstiefel und Dreiviertelstiefel, hingen in Reih und Glied von der Decke. „Heinrich Klint, Schuhwarenhandlung“ stand auf einem kleinen weißen Schild an der Hauswand.  1891 wurde das alte Fachwerkhaus abgerissen und durch einen Neubau mit kleinem Laden und einem ersten richtigen Schaufenster ersetzt.

Trotz der zunehmenden Konkurrenz durch fabrikmäßig gefertigte Schuhe behauptete sich die Firma und stellte bis in die 1930er-Jahre noch handgearbeitete Stiefel her. Danach konzentrierte man sich auf den Schuhhandel und die Reparatur. Nach dem Zweiten Weltkrieg legte Urgroßvater Theodor Klint mit dem Beitritt zur Einkaufsgenossenschaft „Nord-West-Ring“ den Grundstein zum weiteren wirtschaftlichen Erfolg. Peters Großvater Jens Klint eröffnete dann 1969 eine Filiale am Markt 5, die sich später auf Sportschuhe und -bekleidung fokussierte. 1976 wurde das Schuhhaus in der Klosterstraße erweitert und modernisiert – mancher wird sich noch an das Karussell in der Kinderecke des Ladens erinnern. 2004 eröffnete die Familie den heutigen Standort in der Kirchenstraße 7. Am Markt in Plön gibt es noch eine Zweigstelle. Das Schuhhaus Klint steht heute für gute Beratung und ein qualitätsvolles, vielfältiges Angebot, das man – wenn gewünscht – in Teilen auch online erwerben kann.

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