Sommertour: Umweltminister Tobias Goldschmidt in Puttgarden
Scandlines auf Wettbewerb mit Tunnel vorbereitet
14.08.2026, 09:54 Uhr
Von:
Andreas Höppner
Fehmarnsches Tageblatt
Für Energiewende- und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) klang die letzte Woche der parlamentarischen Sommerpause gestern mit einem Fehmarnbesuch aus. Nach einem kurzen Halt am Aussichtspunkt an der Tunnelbaustelle ging es zur Reederei Scandlines, die im Frühjahr auf der Route Puttgarden – Rødbyhavn die erste E-Frachtfähre auf der Ostsee in Dienst gestellt hat und dabei ist, den Rest der Flotte auf elektrischen Betrieb umzustellen. Unternehmensziel ist es, bis 2040 emissionsfrei zu werden. Für einen Energiewendeminister ergibt sich ein Scandlines-Besuch damit fast schon zwangsläufig, wenn Fehmarn das Reiseziel ist.
In Verbindung mit dem Stopp an der am Fährhafen angrenzenden Tunnelbaustelle ist der Spannungsbogen schnell aufgebaut, wenn es um Wettbewerbsbedingungen geht: auf der eine Seite der Tunnel, auf der anderen Seite der Fährverkehr. Die klare Aussage von Heiko Kähler, Geschäftsführer Scandlines Deutschland: „Wir sind schon jetzt vorbereitet.“ Auch Eric Grégorie, CEO Scandlines, war in seinem Optimismus kaum zu bremsen, auch nach der Eröffnung des Tunnels genug Verkehre anziehen zu können, um profitabel am Markt zu bleiben.
Über 500 Beschäftigte in Puttgarden
Auch aus arbeitsmaktpolitischer Sicht ist das bedeutend. Schließlich sei Scandlines am Standort Puttgarden mit mehr als 500 Beschäftigten weiterhin der größte Arbeitgeber der Insel, erläuterte Kähler. Und auch die Beförderungszahlen sprechen für sich. So transportierte Scandlines im vergangenen Jahr zwischen Puttgarden und Rødbyhavn 1,2 Millionen Pkw, 530000 Lkw und 20000 Busse bei 100 Abfahrten täglich mit fünf Fähren. Hinzu kamen 396000 Pkw, 163000 Lkw sowie 8000 Busse auf der Linie Rostock – Gedser, wo mit zwei Fähren 20 Abfahrten täglich bewältigt werden.
In diesem Jahr deuten aktuelle Zahlen für die ersten sieben Monate, die Kähler ebenfalls vorlegte, mindestens auf eine Auslastung der Fähren in ähnlicher Größenordnung hin. Tendenz: leichte Steigerung. So wurden in Puttgarden bis einschließlich Juli 706000 Pkw, 323000 Lkw, 11000 Busse und 2,79 Millionen Personen befördert.
Stärkstes Juliwochenende seit Jahren
Scandlines gab jetzt zudem bekannt, dass das dritte Juliwochenende (18. und 19. Juli) mit insgesamt knapp 110000 Passagieren auf beiden Routen „das größte Juliwochenende seit Jahren“ gewesen sei. Mit knapp 62000 beförderten Personen sei der 18. Juli der verkehrsreichste des Jahres gewesen. „Wir müssen bis in die Zeit vor Corona zurückgehen, um einen Tag mit so vielen Passagieren zu finden, sagte Lars Kyrø, Head of Passengers bei Scandlines. Am verkehrsreichsten Tag 2025, am 12. Juli, reisten hingegen nur knapp 56000 Passagiere mit Scandlines. Eine Steigerung um mehr als zehn Prozent, so Kyrø, der in seiner Begründung den Einsatz der neuen E-Frachtfähre heranzieht. „Dank unserer neuen Frachtfähre ,The Baltic Whale‘ die auf unseren übrigen Fähren zusätzliche Kapazitäten freigesetzt hat, stand uns in diesem Sommer besonders viel Platz für Passagiere zur Verfügung. Dadurch konnten wir die gestiegene Nachfrage bewältigen und alle Reisenden an Bord bringen.“ Dies sei unter anderem durch den Einsatz der Hängedecks auf mehreren Überfahrten auf der Route Puttgarden – Rødbyhavn gelungen. Für die dreimonatige Hochsaison, die noch bis Ende August dauert, erwartet Scandlines insgesamt 2,5 Millionen Passagiere.
Zurück zum Goldschmidt-Besuch. Obwohl das Umweltministerium nicht der erste Ansprechpartner ist, wenn es um die verkehrliche Anbindung des Fährhafens geht, machte Kähler noch einmal deutlich, dass die neue Zufahrt zum Fährhafen mit zwei Ampelschaltungen einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Fehmarnbelt- tunnel darstellt. Dennoch glaubt Eric Grégorie, dass es auch nach der Eröffnung des Tunnels durch den prognostizierten Zuwachs des Verkehrs ausreichend Potenzial für Scandlines geben wird. Lkw-Fahrer müssten unter anderem ihre Ruhezeiten einhalten, viele Passagiere nutzten die Fährüberfahrt als Erlebnis. Zudem arbeite Scandlines weiter daran, die verschiedenen Standorte zu attraktivieren für Shopping oder auch als Logistik-Hub.
Keine neuen Routen
Die Frage Goldschmidts, ob für Scandlines auch die Eröffnung neuer Routen eine Option sei, verneinte der Scandlines-CEO hingegen strikt. Puttgarden – Klaipeda, Puttgarden – Ystad oder Puttgarden – Tallin wird es also nicht geben.
„Es ist toll, wenn ein Unternehmen so in den Wettbewerb geht“, zeigte sich der Minister angetan von den Bestrebungen der Reederei, auch nach der Tunnelöffnung weiterfahren zu wollen. Gleichwohl sei der Fehmarnbelttunnel etwas Gutes für das Land und für Europa, so Goldschmidt.