Fehmarn-Open-Air lockte mit neun Acts nach Strukkamp / Spektakulärer Festivalabschluss

Regen, Rock und Hendrix-Magie

07.09.2026, 13:01 Uhr
Von:
Fehmarnsches Tageblatt

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Sieht Hendrix verblüffend ähnlich: Asep Stone aus Zürich. Wie beim Original wurde die Gitarre von Stone zeitweise mit den Zähnen gespielt.

Sieht Hendrix verblüffend ähnlich: Asep Stone aus Zürich. Wie beim Original wurde die Gitarre von Stone zeitweise mit den Zähnen gespielt. © Eckhard Kretschmer

Zwei Tage, neun Bands und Projekte und jede Menge Hendrix-Magie: Das Fehmarn-Open-Air in Strukkamp lockte mit seiner 26. Auflage zahlreiche Fans der Veranstaltung auf die Festwiese, um das musikalische Erbe des Ausnahmegitarristen zu ehren und den Geist seines letzten Live-Auftritts lebendig zu halten.

Die 26. Auflage des Jimi-Hendrix-Revival-Festivals in Strukkamp blieb vom Regen nicht verschont. Doch wer am Freitag und Sonnabend zum Fehmarn-Open-Air auf die Festivalwiese kam, ließ sich die Stimmung vom norddeutschen Wetter nicht verderben. Neun Bands und Projekte sorgten an zwei Tagen für Rock, Blues und handgemachte Livemusik – und am Ende für einen Auftritt, der dem Namen des Festivals besonders gerecht wurde.

Die Musiker von Static Break wollen irgendwann von ihrer Musik leben.

Die Musiker von Static Break wollen irgendwann von ihrer Musik leben. © Eckhard Kretschmer

Den Auftakt machte am Freitagabend Static Break. Für die Band war der Auftritt mehr als nur ein weiterer Termin. Die auf Fehmarn gegründete Band, die ursprünglich unter dem Namen No Name startete, hat bekanntlich nach personellen Veränderungen eine neue Phase begonnen (wir berichteten). Mirja Rümker (Gesang und Rhythmusgitarre), Niilo Brockmann an der Gitarre, Jason Rust am Schlagzeug und Amelie Roas am Bass präsentierten einen Sound, der Einflüsse aus Metal, Punk, Grunge, Rock und Rap verbindet. Dabei wurde deutlich, dass aus dem einstigen Nachwuchsprojekt eine Band mit eigenen Ambitionen geworden ist. Die Musiker wollen nach eigenen Angaben irgendwann von ihrer Musik leben. Besonders Rümker suchte mit Gestik, Mimik und Bewegung den direkten Kontakt zum Publikum. Jason Rust sorgte am Schlagzeug für einen druckvollen Unterbau, während Amelie Roas den Bass zurückhaltend, aber wirkungsvoll einsetzte. Niilo Brockmann wechselte zwischen intensivem Blickkontakt mit dem Publikum und völligem Aufgehen in der Musik.

Mit eineinhalb Stunden Partypower von Gun Called Britney ging der Vorabend des Fehmarn-Open-Air zu Ende.

Mit eineinhalb Stunden Partypower von Gun Called Britney ging der Vorabend des Fehmarn-Open-Air zu Ende. © Eckhard Kretschmer

Werner Feldmann von der Fehmarn-Festival-Group hatte sich anschließend mit Gun Called Britney einen persönlichen Wunsch erfüllt. Die Hamburger Sleaze-Rock-Band war bereits einmal beim Fehmarn-Open-Air zu Gast und überzeugte diesmal mit einem ausgesprochen publikumsnahen Auftritt. Die Musiker waren mit Freunden, Familienmitgliedern und dem Sohn des Frontmanns angereist. Auf der Bühne ging es dagegen deutlich wilder zu. Eineinhalb Stunden lang wurde das Publikum zum Mitsingen und Tanzen animiert. Rockklassiker wechselten mit Stücken aus dem eigenen Repertoire, dazu kamen Showelemente und eine sichtbare Spielfreude.

Die ungewöhnlichen Klangwelten von Greif Tech Brody waren für manche faszinierend, andere mussten sich erst darauf einlassen.

Die ungewöhnlichen Klangwelten von Greif Tech Brody waren für manche faszinierend, andere mussten sich erst darauf einlassen. © Eckhard Kretschmer

Am Sonnabend begann das Hauptprogramm bereits am Vormittag. Greif Tech Brody eröffnete den Festivaltag mit einem ungewöhnlichen Auftritt. Der gebürtige Fehmaraner verbindet Rockgitarre mit klassischer Musik, Neoklassik, Space- und Punkrock sowie Metal. Vor ihm stand ein umfangreiches technisches Setup, das teilweise mit einer Rettungsdecke vor dem Regen geschützt wurde. Der Auftritt bewegte sich zwischen elektronischen und technischen Geräuschen, verzerrten Gitarren und Einspielungen. Für manche Besucher war das faszinierend, andere mussten sich erst auf die ungewöhnliche Klangwelt einlassen.

Five-Connected spielten anfangs bei prasselndem Regen. Unter Zelten, Vordächern und Regenschirmen  brachten sich Tontechniker und Publikum vorübergehend in Sicherheit.

Five-Connected spielten anfangs bei prasselndem Regen. Unter Zelten, Vordächern und Regenschirmen brachten sich Tontechniker und Publikum vorübergehend in Sicherheit. © Eckhard Kretschmer

Danach wurde aus dem Konzert zunehmend eine Party. Five-Connected ließen sich auch von einem kräftigen Regenguss nicht beeindrucken. Während es zeitweise geradezu herunterprasselte, wuchs die Zahl der Besucher. Unter Zelten, Vordächern und Regenschirmen warteten die Menschen zunächst ab, bevor sie sich wieder vor die Bühne wagten.

Schietwetter.

Schietwetter. © Eckhard Kretschmer

Cockroach knüpften anschließend nahtlos daran an. Die fünfköpfige Rockformation spielte sich mit viel Energie durch mehrere Jahrzehnte Rockgeschichte. Zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug sorgten für einen druckvollen Sound. Die Musiker ließen dabei kaum Zweifel daran, dass Coverrock vor allem eines sein darf: unterhaltsam. Auf der Bühne wurde gespielt, was das Publikum kennt – und mit viel Power und sichtbarer Freude interpretiert.

Cockroach spielte sich mit viel Energie durch mehrere Jahrzehnte Rockgeschichte.

Cockroach spielte sich mit viel Energie durch mehrere Jahrzehnte Rockgeschichte. © Eckhard Kretschmer

Mit Jay The Bird kam anschließend eine vierköpfige Blues-Rock-Band aus Hamburg auf die Bühne. Die Gruppe verbindet Blues und Rock mit Elementen aus Pop und Funk und hat mit ihrer EP „It Might Get Loud“ inzwischen eigenes Material vorzuweisen. Allerdings musste die Band kurzfristig improvisieren: Schlagzeuger Daniel Rothe fiel aus. Für ihn sprang Stefano Colomo aus Italien ein. Der Ersatzmann fügte sich nicht nur routiniert in die Formation ein, sondern spielte temperamentvoll und souverän. So wurde aus einer ungeplanten Umbesetzung ein bemerkenswerter Teil des Auftritts.

Mit Jay Bird kam eine vierköpfige Blues-Rock-Band aus Hamburg auf die Bühne.

Mit Jay Bird kam eine vierköpfige Blues-Rock-Band aus Hamburg auf die Bühne. © Eckhard Kretschmer

Danach übernahmen T.H. & The Boneshakerz das Kommando. Die Band um Tim Husung steht für Southern Rock, Blues und Rock ’n’ Roll. Husung, der früher selbst als professioneller Schlagzeuger unterwegs war und unter anderem im Umfeld von Alice Cooper und Doro Pesch spielte, tritt heute als Sänger, Gitarrist und Bluesharp-Spieler auf. Zusammen mit Robin Brieseck am Bass, Daniel Geist an der Hammond-Orgel, Torben Strassburger an der Rhythmusgitarre und Volker Britz am Schlagzeug entstand genau jene handgemachte Rockatmosphäre, für die das Fehmarn-Open-Air (FOA) seit Jahren steht.

T.H. & The Boneshakerz schufen jene handgemachte Rockatmosphäre, für die das Fehmarn-Open-Air seit Jahren steht.

T.H. & The Boneshakerz schufen jene handgemachte Rockatmosphäre, für die das Fehmarn-Open-Air seit Jahren steht. © Eckhard Kretschmer

Eine besondere Stimmung lag über dem Auftritt von #ARRESTED aus Lübeck. Die Band kündigte an, in diesem Monat ihre letzten beiden Konzerte zu spielen und das gemeinsame Projekt nach zehn Jahren zu beenden. Grund ist vor allem der Abschied von Sängerin Josi, Josephine Zietz. Die übrigen Musiker wollen anschließend mit einem neuen Konzept und neuer Musik weitermachen. Die Geschichte von #ARRESTED begann im Rahmen eines Band-

coachings der RockPop-Schule Lübeck. 2017 ging es unter dem Motto „Raus aus dem Proberaum und rauf auf die Bühne“ richtig los. Ein Jahr später gewann die Formation den Hamburg-Bandcontest. In Strukkamp war deshalb neben der Musik auch ein Stück Abschiedsstimmung zu spüren.

Einer der letzten Auftritte von #ARRESTED aus Lübeck. Sängerin Josephine Zietz (rechts vorne) hatte ihren Abschied angekündigt

Einer der letzten Auftritte von #ARRESTED aus Lübeck. Sängerin Josephine Zietz (rechts vorne) hatte ihren Abschied angekündigt © Eckhard Kretschmer

Den krönenden Abschluss des Festivals bildete die Asep Stone Experience. Bereits am Tag über war Asep Stone in Burg aufgefallen. Mehr als ein Passant fragte sich beim Anblick des Gitarristen, ob da nicht tatsächlich Jimi Hendrix durch die Straßen gehe. Die Ähnlichkeit mit dem Namensgeber des Festivals ist verblüffend. Auf der Bühne wurde daraus schließlich ein musikalisches Spektakel. Stone, 1968 in Bandung in Indonesien geboren und heute in Zürich lebend, widmet sich seit Jahren der Musik von Jimi Hendrix. Er spielte die Gitarre mit den Zähnen, hinter dem Rücken und im Liegen, wechselte zwischen kontrollierter Virtuosität und scheinbar völliger Versenkung in die Musik. Dabei war es nicht nur die Technik, die den Auftritt prägte. Stone suchte ständig den Kontakt zum Publikum, provozierte Reaktionen, lächelte, spielte mit Mimik und Gestik – und verschwand im nächsten Moment mit geschlossenen Augen wieder ganz in seiner Musik.

Seine Verbindung zur Hendrix-Geschichte ist dabei nicht nur optischer Natur. Stone trat bei einer Hendrix-bezogenen Veranstaltung gemeinsam mit Noel Redding auf, dem Bassisten der ursprünglichen Jimi Hendrix Experience. Redding soll Stone dabei als „the closest thing to Hendrix“ bezeichnet haben. In Strukkamp wurde schließlich deutlich, weshalb Asep Stone zum Abschluss des Festivals eingeladen worden war. Mit Hendrix-Klassikern wie „Purple Haze“, „Foxy Lady“, „Hey Joe“, „Voodoo Child“ und „Little Wing“ brachte er das musikalische Erbe des Festivals unmittelbar auf die Bühne.

So sähe Jimi wohl heute aus.

So sähe Jimi wohl heute aus. © Eckhard Kretschmer

Die diesjährige Auflage des Festivals hat gezeigt: Das FOA lebt nicht ausschließlich von der Erinnerung. Neben etablierten Rockmusikern standen junge Bands und Musiker aus der Region auf der Bühne. Regen, technische Experimente, Coverrock, Blues, Southern Rock und Nachwuchsmusik gehörten ebenso dazu wie der große Hendrix-Moment zum Schluss. Nach dem letzten Ton bleiben allerdings zwei Fragen offen. Die erste betrifft die Führung des Vereins: Werner Feldmann kündigte an, sich bei den anstehenden Wahlen nicht erneut um den Vorsitz bewerben zu wollen. Er sprach davon, die Verantwortung gern in jüngere Hände zu geben. Die zweite Frage ist noch größer: Wird es 2027 ein 27. Fehmarn-Open-Air geben?

Wird sich bei den anstehenden Wahlen nicht erneut um den Vorsitz bewerben: Werner Feldmann. Wird es 2027 überhaupt ein 27. Fehmarn-Open-Air geben?

Wird sich bei den anstehenden Wahlen nicht erneut um den Vorsitz bewerben: Werner Feldmann. Wird es 2027 überhaupt ein 27. Fehmarn-Open-Air geben? © Eckhard Kretschmer

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