„Projekt Perfekt“: Klimaaktion auf dem Alten Friedhof

12.06.2026, 09:16 Uhr
Von: Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz

Diesen Artikel teilen
Für die gemeinsame Klimaschutzaktion mit den Schülern haben sich Torsten Bieler, Leiter der Friedhofsverwaltung, und Mitarbeiterin Heike Kunde (v. r.), Klassenlehrerin Fenya Danger von der Rodomstorschule sowie die beiden Ehrenamtler Elisabeth Zastrow (am Steuer) und Umweltbeauftragter Ludwig Askemper eingesetzt.

Für die gemeinsame Klimaschutzaktion mit den Schülern haben sich Torsten Bieler, Leiter der Friedhofsverwaltung, und Mitarbeiterin Heike Kunde (v. r.), Klassenlehrerin Fenya Danger von der Rodomstorschule sowie die beiden Ehrenamtler Elisabeth Zastrow (am Steuer) und Umweltbeauftragter Ludwig Askemper eingesetzt. © Lotta Schneider

Die Klasse 3c von der Plöner Rodomstorschule hat ihren grünen Daumen auf den Prüfstand gestellt. Mit Erfolg. Denn inzwischen sprießt es längst auf den zahlreichen von den Kindern beackerten Flächen. Ihr Tatort: Der Hauptweg durch den Alten Friedhof. Hier profitieren nun Boden und Baumbestand von extra tiefer angelegten, mit Stauden bepflanzten Mulden.

Deren Zweck ist es, inbesondere bei Starkregen abfließende Wassermengen zisternenartig aufzufangen. Dadurch ist der wertvollen Nässe die nötige Zeit zum allmählichen Versickern gegeben.

„Wir hatten das Thema Wasser bereits im Sachkundeunterricht“, erzählt Klassenlehrerin Fenya Danger. Und so passte das Klimaprojekt in Kooperation mit der Friedhofsverwaltung perfekt, um das dazu erlernte Sachwissen mit einer praktischen Aktion zu verbinden.

Angeschoben hatten es die Ehrenamtler Ludwig Askemper, Umweltbeauftrager der Stadt Plön, und Elisabeth Zastrow, die früher selbst an der Rodomstorschule unterrichtet hat. Vorbereitende Arbeiten leistete bei dieser die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde einbindenden Kooperation das Team der Plöner Friedhofsgärtner.

Inzwischen streben in den Mulden nach Empfehlung des NABU Geißbart und Gilbweiderich ihrer Blütezeit entgegen. Die ebenso heimischen Schwert- und Tüpfelfarne sind gewachsen und bilden das dekorative i-Tüpfelchen der Beete. „Es besteht ja auch der Anspruch, vielen Friedhofsbesuchern durch eine schöne Optik gerecht zu werden“, erklärt Friedhofsverwalter Torsten Bieler. Gleichzeitig werde das wichtige Ziel verfolgt, mit den Blühstauden gezielt für Wildbienen etwas zu tun.

Deutlich wird der ganzheitliche Blick auf ein umfassend existenzielles Problem. Es geht eben nicht nur um das Klima und damit zusammenhängend den Wasserhaushalt der Böden einschließlich ihrer Mikrolebewesen. Auch der Rückgang der Arten ist davon berührt, ob Pflanze, ob Tier. Insekten als unverzichtbare Akteure in der Blütenbestäubung - und ebenso unverzichtbar in der Nahrungskette – eingeschlossen. Fehlt ihnen Lebensgrundlage, baden auch andere die negativen Folgen in einer Art formvollendeter Kettenreaktion aus. Exitus. Ob Feldstiefmütterchen, Falter oder Feldlerche.

Und so wird der Alte Friedhof zum Ort, der in komplexer Art und Weise Leben fördert. Die sich in den Mulden sammelnde Nässe werde nach und nach dem Boden zugeführt, erklärt Torsten Bieler. Diese Idee, spezielle Flächen für die Versickerung zu schaffen, sei vom Konzept der „Schwammstadt“ (englisch: sponge city) abgeleitet.

Ohne diese seitliche Ablenkung vom mittig leicht erhöhtem Weg entstehen Sturzbäche. Diese würden lediglich den nächsten Gully überlaufen lassen und die Kanalisation strapazieren, aber nicht das Problem einer bereits tief ausgedörrten Erde beheben.

Denn ausgetrocknete und daher meist verdichtete Böden können das in kurzer Zeit abgeregnete Wasser gar nicht aufnehmen. Es gelangt daher nicht in die Erde, sondern fließt oberflächlich ab.

Für die Natur ist so ein Guss verloren. Bäume, die bereits unter dem Stress durch jahrelang geringe Niederschlagsmengen leiden, haben von einem heftigen Sommerregen kaum einen Nutzen, weil sie mit ihrem Wurzelsystem buchstäblich längst auf dem Trockenen sitzen.

Könnten Baum- und Strauchwurzeln SOS funken, würden sie wohl auch auf ihre Ernährungsnotlage hinweisen: Fehlt Feuchtigkeit im Boden, können auch keine im Wasser gelösten Nährstoffe aufgenommen werden. Erst durch die Transpiration des Laubes, die in den Leitungsbahnen hinter der Rinde eine Art Sog bewirkt, kommt der Transport der Nährstoffe über die Wurzelspitzen bis ins Oberstübchen der Krone überhaupt in Fahrt.

Aber erst die Transpiration des Wassers über die Blätter der Pflanzen, auch der Krautschicht, bewirkt das spürbar frische Waldklima mit dem geschätzten kühlendem Effekt.

Ein Kühleffekt wird jedoch nicht nur dort, sondern insbesondere in bebauten Bereichen immer bedeutender. Denn das Kleinklima zwischen Gebäuden lässt Temperaturen weiter ansteigen.

Die Plöner Grundschulkinder verstehen bereits, was das alles global zu bedeuten hat. Fragt sich nur, ob und wann auch andere mit ihnen auf Augenhöhe mitzudenken und den grünen Handlungsfaden zu Gunsten ihrer Zukunft aufzunehmen bereit sein werden.

Umweltbeauftragter Ludwig Askemper hat mit seiner Gruppe eine tiefe Mulde ausgehoben, in der sich bei heftigen Güssen Regenwasser sammelt.

Umweltbeauftragter Ludwig Askemper hat mit seiner Gruppe eine tiefe Mulde ausgehoben, in der sich bei heftigen Güssen Regenwasser sammelt. © Lotta Schneider

Meistgelesen

„Ja, ich bin auch Deutscher, aber ich bin nicht weiß …“ Plön

„Ja, ich bin auch Deutscher, aber ich bin nicht weiß …“

„Ausländer raus!“. „Deutschland den Deutschen!“. Ausdrücke von Hass, Hetze und Gewalt. Das Gymnasium Schloss Plön...

Lotta Schneider
Unser neues Nachrichtenportal startet am 1. Juli Kreis Ostholstein

Unser neues Nachrichtenportal startet am 1. Juli

Was passiert heute in meiner Nachbarschaft? Wo ist die Feuerwehr im Einsatz? Welches Fest findet...

Plaudern über Plön auf Kaliforniens Deichwiesen Kreis Plön

Plaudern über Plön auf Kaliforniens Deichwiesen

Das ARD Morgenmagazin MOMA sendet derzeit aus Kalifornien. Seit Montag steht für die Life-Schalten an...

Lotta Schneider