Preetzer Papiertheaterfestival: Wenn Papierfiguren Gänsehaut machen

07.09.2026, 09:09 Uhr
Von:
der reporter Plön/Preetz, PROBSTEER

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Lehrerin Miriam Klein (m.) erklärt Maya (l.) und Marie den Ablauf des Bühnenstücks „Der Marienkäfer im Wald.“

Lehrerin Miriam Klein (m.) erklärt Maya (l.) und Marie den Ablauf des Bühnenstücks „Der Marienkäfer im Wald.“ © Markus Münch

Diffuses Licht, eine Hauswand, aus dem Nichts klingt eine Stimme. Jemand pocht an die Tür, die sich wie von Geisterhand mit lautem Knarzen öffnet. Eine schwarze Gestalt tritt herein. Dahinter zucken Gewitterblitze. Eine Szene wie aus einem Gruselfilm.

Tatsächlich spielen Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule mit Papierfiguren und Kulissen auf kleinstem Raum. Die Dialoge kommen aus dem Off, Geräusche und Licht müssen genau dazu passen. Marie sitzt an einem kleinen Tisch, ein wenig abseits der Papierbühne. Vor sich hat sie ein Ipad und eine spezielle Tastatur. Auf den Tasten kleben kleine Zettel. Ein kurzer Klick und die passende Klangkulisse für das Bühnenstück wird über eine Bluetooth-Box zu Gehör gebracht.

Händels „Hallelujah“ erklingt, eine Turmuhr schlägt Mitternacht, Holz knarzt und jemand pocht an die Tür. „Alles eine Frage des richtigen Timings“, sagt Miriam Klein.

Die Lehrerin für Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel achtet auf jeden Einsatz. Während Marie aufmerksam auf die Regieanweisungen ihrer Lehrerin hört, wird an den Tischen gebastelt und diskutiert. Im Probenraum der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule herrscht an diesem Morgen das, was Klein „das übliche bunte Chaos vorher“ nennt. Die Lehrerin wirkt dabei tiefenentspannt, auch wenn während der Probe manche Schüler nicht ganz bei der Sache zu sein scheinen. „Wenn es drauf ankommt, liefern alle ab. Die kriegen das hin“, dessen ist sich Klein sicher.

Weiter geht es mit einem Stück über Fischerei. Die Lehrerin gibt kurze, klare Anweisungen: „Jetzt das blaue Licht.“ Kurz darauf folgt das nächste Kommando: „Passt auf, dass der Vorhang nicht runterrutscht.“ Amina steht links, Mila in der Mitte, Laura rechts. Figuren tauchen auf, Kulissen werden bewegt, das Licht wechselt. Klein führt akribisch Regie. Auf der kleinen Bühne muss jedes Detail sitzen. Während einige Schüler im Nebenraum Textpassagen proben, haben sich Carolin, Linea, Ambar, Mila und Kahlan auf dem Linoleumboden in einen Kreis gesetzt. Sie „stabilisieren Figuren“. Das bedeutet: Stöcke ankleben und die zierlichen Kunstwerke so gut befestigen, dass sie auch einen Sturz überstehen. Denn beim Spielen kann schon einmal eine Figur herunterfallen. Kaputtgehen soll sie dabei nicht.

Entstanden sind die Stücke bereits im vergangenen Schuljahr. Während einer Klassenfahrt entwickelte die damalige 7c Geschichten rund um Veränderung und Verwandlung. Ausgangspunkt waren sogenannte „Körperlandschaften“, in denen die Schüler verschiedene Überschriften sammelten. Jeder suchte sich eine Überschrift aus einer fremden Körperlandschaft aus und schrieb dazu eine kurze Geschichte. An weiteren Projekttagen wurden daraus kleine Papiertheaterstücke. Zuvor hatte die Klasse das Papiertheatermuseum in Preetz besucht. Dort sahen die Schüler, wie Figuren, Bilder und Kulissen auf den kleinen Bühnen bewegt werden.

Danach wurde geschrieben, gebaut, geprobt. Unterstützt wurden die Schüler dabei von den Kulturvermittlerinnen Anne Wittmiß und Julia Kaergel sowie von Lehrerin Miriam Klein. Am Ende präsentierte die Klasse ihre Stücke und sammelte erste Erfahrungen mit Papiertheater vor Publikum.

Nun sollen die Stücke beim Papiertheaterfestival auch außerhalb der Schule gezeigt werden, eine neue Herausforderung. Denn inzwischen ist aus der damaligen 7c die 8c geworden. Einige Schüler gehören nicht mehr zur Klasse. „Deshalb mussten Rollen neu verteilt und Abläufe verändert werden“, erzählt Klein. Da müsse noch einiges geprobt werden.

Dass ausgerechnet die C-Klasse am Papiertheaterfestival beteiligt ist, hat einen Grund. Die heutige 8c war die erste sogenannte „Kreativklasse“ der Schule. In den Jahrgängen fünf und sechs erhalten die Kreativklassen zwei Wochenstunden Darstellendes Spiel. Das Papiertheater soll an der Schule weiter eine Rolle spielen. Schon jetzt ist klar: Auch die neue 7c soll bei Projekttagen eigene Ideen für das Papiertheaterfestival entwickeln.

Doch bevor es so weit ist, müssen bei der 8c erst einmal die Geräusche im richtigen Augenblick kommen, die Dialoge müssen sitzen, Figuren dürfen nicht umkippen und der Vorhang muss oben bleiben. Miriam Klein freut sich bereits auf die öffentlichen Auftritte: „Zu erleben, wie das Miteinander-Agieren klappt, das ist ein Moment für echtes Gänsehautfeeling“, sagt sie.

Jonah (l.) und Sam (r.) proben für das Bühnenstück „Der Vertrag beim Basketball“.

Jonah (l.) und Sam (r.) proben für das Bühnenstück „Der Vertrag beim Basketball“. © Markus Münch

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