Vergrämung bedeutet lokale Ausrottung aller Vogelarten

Plöner Debatte um die Seenplatte

24.09.2026, 16:01 Uhr
Von:
der reporter Plön/Preetz

Diesen Artikel teilen
Kormorane auf der Plöner Insel Sterin.

Kormorane auf der Plöner Insel Sterin. © Lotta Schneider

Gerupfte Äste, verkotete Bäume – seit vielen Jahren nutzen Kormorane die Insel Sterin in der Plöner Stadtbucht als Schlaf- und Brutplatz. Jetzt sind erste Nester auf einer Nachbarinsel aufgetaucht. Zwei Plöner Parteien fordern nun eine Vergrämung der Vögel.

Ein Antrag der FWG und die Petition der CDU lösten im städtischen Umweltausschuss eine kontroverse Diskussion aus. Angesichts der „bereits eingetretenen und sich fortsetzenden Beeinträchtigung beziehungsweise Zerstörung ökologisch wertvoller Insel- und Uferlebensräume“ beantragte die FWG, dass sich die Stadt Plön gegenüber dem Land für ein „wirksames Kormoranmanagement“ einsetzt.

Norbert Boeck begründet den Antrag der FWG. Die Inseln Sterin und Hankenburg würden durch die Vögel „stark geschädigt“. Boeck hob den „Fraßdruck“ durch die Tiere sowie die „chemische Keule“ deren Kots hervor. Dies beeinträchtige auch andere Tier- und Pflanzenarten. Und in der dänischen Studie (Protect Fish) an der Ostsee sei festgestellt worden, dass vor allem die mit Transpondern präparieren (ausgeschiedenen) Fische in den Brutnestern nachgewiesen wurden. Ein weiterer Aspekt seien die Bedeutung der Inseln für das „prägende Landschaftsbild der Plöner Seenplatte“. In diesem Zusammenhang brachte Ingo Buth (FWG) auch den Tourismus ins Spiel. Dieser werbe mit intakter Natur der Seen und Wälder. André Jagusch (CDU) betonte, die Insel Hankenburg habe sich in diesem Sommer „dramatisch“ verändert. Er sei besorgt um Inselpflanzen wie „Efeu und Mistel“. Es seien wegen der nistenden Vögel Bäume abgestorben, was in den vergangenen Monaten „Unmut“ entstehen lassen habe, deutete André Jagusch den möglichen Verlust von Erosionsschutz durch die Pflanzendecke an. Auch „Zier- und andere Pflanzen“ würden geschädigt.

Zudem macht sich Jagusch Sorgen um die Insel Olsborg. Dort befinde sich der „historische Stadtkern“, mahnte er. „Das hat eine besondere Bedeutung.“ Es sei daher besonders entscheidend, „dass da keine Schäden entstehen“, so Jagusch. Man müsse „präventiv auch auf diese Inseln gucken“. Valentin Görg (Grüne) konnte den Konflikt nicht nachvollziehen. Die Kormorane seien seit über 30 Jahren in Plön dokumentiert. Zudem sei das Gebiet als Flora Fauna Habitat der Europäischen Union ausgewiesen. Ziel dieser EU-Richtlinie ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Bedrohte Arten und besondere Lebensräume sind streng geschützt.

Manfred Rose (SPD) bedankte sich bei FWG und CDU „ausdrücklich“, er stimme dem Antrag in allen Punkten zu, erklärte er. Hinsichtlich des Kormorans sei es nicht so, „dass wir uns nicht für den Umweltschutz interessieren“, betonte er. „Wir haben nur eine andere Abwägung, welche schützenswerten Güter oder der einen oder anderen Population für uns wichtig sind.“ Eine andere Position vertrat Florian Kuhlenbeck (SPD): „Ich finde es kritisch, dass wir Gedanken formulieren, wie wir den Kormoran vertreiben oder gar bejagen“, sagte er. Denn der Mensch nehme bereits viel Einfluss auf die Natur. „Wir können als Plöner in Sachen Umwelt auch ein Statement setzen und sagen, wir lassen Umwelt Umwelt sein.“ Würden die Vögel den Fisch reduzieren, werde dies „automatisch dazu führen, dass sie weiterziehen“.

Kuhlenbecks Ansatz deckt sich mit der Expertise des Kreisnaturschutzbeauftragten Bernd Koop. Koop ist Wissenschaftler, der den Plöner See wie kein anderer kennt: Als Plöner. Als studierter Diplom-Biologe (Schwerpunkt Vogelkunde). Als Avifaunistischer Leiter der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein und Hamburg. Als Koordinator für die Zugvogelerfassung. Zu den Kormoranbeständen hatte Bernd Koop einen Vortrag gehalten. Demnach ist ihr Bestand deutlich rückläufig. Zählte die Kolonie 2006 noch 675 besetzte Nester, seien „heute weniger als die Hälfte“, so Koop. Eine langfristige Gefahr sehe er nicht. Als Beispiel nannte er die Inseln im Selenter See, die von 1985 bis 2005 als Brutplätze genutzt worden seien. „Diese Inseln waren richtig kaputt“, sagte er, „doch nach nur zwei Jahren kamen schon die ersten Bäume wieder hoch. Alles ist wieder sehr grün.“ Die Natur habe sich verjüngt. Nach zwanzig Jahren sei ein vitaler Wald entstanden. „Die Inseln erholen sich sehr schnell.“

Einer Vergrämung der Kormorane erteilte er eine klare Absage. „Das ist eine lokale Ausrottung“,  sagt er. Und die damit verbundenen Maßnahmen wie Böllerschüsse, Lautsprecherbeschallung oder sogar Abschuss – hätten Einfluss auf alle Tiere, insbesondere alle Wasservögel einschließlich der Seeadler. Sinnvoller sei es, auch hier der Natur ihren Lauf zu lassen. „Der Seeadler ist der hauptbegrenzende Faktor der Kormoranpopulationen“, so Koop. Der Antrag ist angenommen worden mit sechs „Ja“, drei „Nein“-Stimmen bei einer Enthaltung.

Ein Kormoran in der Nahaufnahme

Ein Kormoran in der Nahaufnahme © Bernd Koop

Anzeige Hefa Fahl Kiel Rolläden Garagentor Markisen Terrassenüberdachung Jalousien Vordach

Meistgelesen

Plön: Verein Stadtmarketing startet mit zweiter Ladies Night neu durch Plön

Plön: Verein Stadtmarketing startet mit zweiter Ladies Night neu durch

Es geht weiter: Im Verein Stadtmarketing Plön am See hat sich ein neuer Vorstand zusammengefunden....

Lotta Schneider
Einbruch in das Preetzer Rathaus Preetz

Einbruch in das Preetzer Rathaus

Am Wochenende kam es in Preetz zu einem Einbruch in ein Rathaus. Dabei entstanden diverse...

Volker Graap
Ausstellung und Konzert zum Jubiläum Plön

Ausstellung und Konzert zum Jubiläum

Manchmal schlagen sie sanfte Töne an, manchmal geht es bei ihren Proben rhythmisch-spannungsvoll zur Sache.

Lotta Schneider