Rettungsdienst wird ausgebaut und modernisiert / Fehmarn könnte von Rettungshubschrauber und REF profitieren
Notarztstandort auf Fehmarn bleibt erhalten
24.08.2026, 23:39 Uhr
Von:
Nicole Rochell
Fehmarnsches Tageblatt
Der Notarztstandort auf der Insel bleibt erhalten. Das teilten der Kreis Ostholstein und der Rettungsdienst Holstein AöR (rdh) gestern mit.
Gute Nachrichten für Fehmarn: Der Notarztstandort auf der Insel bleibt erhalten. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervor, die der Kreis Ostholstein und der Rettungsdienst Holstein AöR (rdh) gestern vorlegten.
Das hätte auch anders ausgehen können: Im Zuge einer geplanten Umorganisation und Standortanalyse zum Rettungsdienst im Kreis Ostholstein hatte der rdh im April ein Gutachten präsentiert, in dem eine Variante gewesen wäre, den Notarztstandort von Fehmarn abzuziehen und in Heiligenhafen als Stützpunkt, zuständig für Oldenburg bis Fehmarn, zu etablieren.
Ein gemeinschaftlich erarbeiteter Fragenkatalog war das Ergebnis einer starken Initiative von Fehmarns Politik, die sich für den Erhalt des Standorts stark machte. Beleuchtet wurden in der Fragensammlung Aspekte wie die besondere Situation, dass Fehmarn eine Urlaubsdestination ist, die zu Hochzeiten bis zu 100000 Gäste aufweist sowie die Baustellensituation im Zuge der Festen Fehmarnbeltquerung.
Die Zusammenstellung gekoppelt mit der Forderung, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, notfalls auch ein zweites unabhängiges Gutachten zu erstellen, hatte Holger Micheel-Sprenger in den Sozialausschuss des Kreises Ostholstein getragen. Landrat Timo Gaarz übergab entsprechende Unterlagen an den rdh.
Gestern dann der Termin zur Beantwortung der Fragen, an dem neben dem rdh und dem Landrat auch Bürgermeister Jörg Weber und Bürgervorsteher Holger Micheel-Sprenger teilgenommen hatten. Das Gespräch habe gezeigt, dass die Fragen von Fehmarn ernst genommen worden und entsprechend behandelt worden seien. Der rdh habe sich intern noch einmal neu Gedanken gemacht, die Sachlage neu bewertet, so Holger Micheel-Sprenger, der vor allem in Fehmarns starker Initiative der Politik den Schlüssel zum Erfolg sieht.
Der Kreis Ostholstein stärkt seine rettungsdienstliche Versorgung. Infolge der sich aktuell verändernden bundespolitischen Rahmenbedingungen ist der Druck auf den kommunalen Rettungsdienst in den vergangenen Wochen weiter gestiegen, geht aus der Pressemitteilung hervor. Der Verwaltungsrat der Rettungsdienst Holstein AöR unter dem Vorsitz von Landrat Timo Gaarz und dem rdh-Vorstand Christian Kraft haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, die bisherigen Planungen erneut gemeinsam fachlich zu bewerten und weiterzuentwickeln. Die aktuelle rettungsdienstliche Bedarfsbemessung schaffe dafür die Grundlage: zusätzliche Rettungsmittel, neue Standorte, die telemedizinische Unterstützung und ein noch gezielterer Einsatz hochqualifizierter Fachkräfte. Berücksichtigt wurden die Entwicklung des Einsatzgeschehens, demografische und gesellschaftliche Veränderungen sowie die aktuell absehbaren bundesrechtlichen Rahmenbedingungen.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeute das: In einem medizinischen Notfall steht auch künftig schnell die Hilfe bereit, die in der jeweiligen Situation benötigt wird – durch qualifizierte Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, durch Notärztinnen und Notärzte oder im abgestimmten Zusammenspiel beider Professionen, heißt es. Der vorgesehene Ausbau der rettungsdienstlichen Infrastruktur durch zusätzliche Rettungswachen, unter anderem an den Standorten Süsel, Stockelsdorf und Fargemiel sowie ergänzende organisatorische Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass die Menschen im Kreis auch künftig schnell und verlässlich versorgt werden, heißt es weiter. Neben drei Notarztstandorten auf dem Festland bleibt der Standort auf Fehmarn erhalten. „Wir investieren gezielt in eine starke und moderne Notfallversorgung. Mehr Rettungsmittel, neue Standorte und die Vernetzung unterschiedlicher medizinischer Kompetenzen erhöhen die Verfügbarkeit und schaffen ein belastbares System für die kommenden Jahre“, erklären Gaarz und Kraft. „Die Planung beruht auf umfangreichen Fachgutachten und wissenschaftlichen Analysen sowie auf der engen Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienst Holstein, externen Expertinnen und Experten und dem Verwaltungsrat.“
„Mit dieser Entscheidung wird insbesondere den Anforderungen der Insellage Rechnung getragen. Zugleich steht der Kreis durch den Bau der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung und weiteren Baumaßnahmen vor besonderen verkehrlichen Herausforderungen.
Die vergangenen Wochen haben erneut gezeigt, welch sensibles Nadelöhr die Verbindung zwischen Fehmarn und dem Festland darstellt. Eine schnelle medizinische Hilfe unmittelbar auf der Insel ist deshalb unverzichtbar“, so der Landrat. „Wir behalten die Daseinsvorsorge in ganz Ostholstein fest im Blick und stellen den Rettungsdienst mit zusätzlichen Rettungswachen, organisatorischen Maßnahmen und vier Notarztstandorten zukunftsfest auf. Der ländliche Raum muss bei allen Entscheidungen über die künftige Gesundheits- und Notfallversorgung konsequent mitgedacht werden. Das ist unser klares Signal nach Kiel und Berlin.“ Darüber hinaus setzt sich Landrat Gaarz für eine Stärkung der Luftrettung ein und unterstützt die Überlegungen der Gesundheitsministerin zur Stationierung eines zweiten Rettungshubschraubers im Kreis Ostholstein. „Ein zweiter und dazu nachtflugfähiger Rettungshubschrauber ist für Ostholstein notwendig. Er würde insbesondere den Norden des Kreises und die Insel Fehmarn besser absichern, zugleich aber die Notfallversorgung in der gesamten Region stärken“, erklärt Gaarz, der mit Nachdruck dafür wirbt, „das Vorhaben konsequent weiterzuentwickeln und schnellstmöglich umzusetzen.“
Im Zuge der Neuplanung werden zusätzliche Rettungswagen (RTW) und Krankentransportwagen (KTW) in Dienst gestellt. Sie erhöhen die Verfügbarkeit im Kreisgebiet und ermöglichen es, die wachsende Zahl und die zunehmende Vielfalt der Einsätze noch passgenauer abzudecken, heißt es. Darüber hinaus plan der rdh weitere Rettungsdienststandorte. Zusätzliche Stationierungen von Rettungswagen in den Gemeinden Fargemiel und Stockelsdorf werden derzeit geprüft. Kürzere Wege und eine bessere räumliche Verteilung der Rettungsmittel sollen die Versorgung in diesen Regionen weiter stärken.
Notfallsanitäterinnen und -sanitäter – eine tragende Säule der modernen Notfallversorgung. Ihre umfassende Ausbildung ermöglichten es, viele Patienten bereits am Einsatzort eigenständig und auf hohem fachlichem Niveau zu versorgen. Damit stehe für unterschiedliche Notfallbilder gezielt die jeweils erforderliche Kompetenz zur Verfügung. Notärztinnen und -ärzte könnten sich auf zeitkritische, komplexe und besonders schwere Einsätze konzentrieren, während Notfallsanitäterinnen und -sanitäter ihre Kompetenzen konsequent einbringen, heißt es. Ergänzt wird die Versorgung durch moderne Telemedizin. Künftig kann die Besatzung jedes Rettungswagens im Kreis bei Bedarf einen Telenotarzt hinzuziehen. Die Telenotärzte unterstützen bei Diagnostik, Therapieentscheidungen und heilkundlichen Maßnahmen. Bei Einsätzen, die eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort erfordern, wird weiterhin die boden- oder luftgebundene Notfallmedizin eingesetzt. „Unser Ziel ist ein Rettungsdienst, der nicht nur auf heutige Anforderungen reagiert, sondern auch für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet ist. Die jetzt vorgestellten Maßnahmen verbinden mehr Kapazität mit neuen Versorgungsmöglichkeiten und einer starken medizinischen Vernetzung“, erklärt Michael Mallé, Leiter Rettungsdienst der rdh.
Die notärztliche Versorgung bleibe ein fester Bestandteil des Systems. Wer aufgrund eines schweren oder komplexen Notfalls ärztliche Hilfe am Einsatzort benötigt, erhalte diese auch künftig. Die Bedarfsplanung sieht dafür vier bodengebundene Notarztstandorte in Süsel, Bad Schwartau, Oldenburg und Burg vor. Ergänzt werde das bodengebundene System durch den Rettungshubschrauber Christoph 12 in Siblin. Er ist insbesondere bei zeitkritischen Einsätzen und größeren Entfernungen ein wichtiger Bestandteil der Versorgung, heißt es weiter. „Die geplanten Weiterentwicklungen der Notfallversorgung und des Krankentransportes in Ostholstein tragen den sich verändernden Bedarfen und finanziellen Rahmenbedingungen Rechnung, denn neue Herausforderungen bedürfen neuer Lösungsansätze“, so Dirk Sohn, Präsident des DRK-Kreisverbandes Ostholstein-Plön. Mit speziell ausgestatteten Akut-Krankenwagen (A-KTW) und Rettungseinsatzfahrzeugen (REF) möchte der rdh zukünftig sein Einsatzspektrum erweitern. Die A-KTW sollen mit speziell ausgebildeten und erfahrenen Rettungssanitätern besetzt werden. Sie kommen vor allem bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Hilfeersuchen zum Einsatz. So bleiben Rettungswagen gezielt für schwere und lebensbedrohliche Notfälle verfügbar, während auch andere Hilfesuchende schnell und bedarfsgerecht versorgt werden.
Die REF sollen mit speziell geschulten Notfallsanitätern besetzt und insbesondere bei lebensbedrohlichen Notfällen zusätzlich zum Rettungswagen (RTW) alarmiert werden. Sie unterstützen die Besatzungen der RTW oder beginnen bereits mit der Versorgung, bis das nächstgelegene Rettungsmittel eintrifft. Ab dem 1. Januar 2027 ist vorgesehen, die medizinische Führung im Kreis Ostholstein weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang wird die Einführung hauptamtlicher Leitender Notärztinnen und Notärzte geprüft. Diese könnten künftig rund um die Uhr das Notarzteinsatzfahrzeug im Dual-Use-System in Oldenburg besetzen und bei Bedarf für größere Schadenslagen, besondere Einsatzsituationen sowie komplexe medizinische Führungsaufgaben zur Verfügung stehen. Zusätzliche Rettungsmittel, neue Standorte, qualifizierte Notfallsanitäter, eine verlässlich verfügbare notärztliche Versorgung und innovative Einsatzkonzepte greifen künftig noch enger ineinander. So wird die Notfallversorgung in Ostholstein leistungsfähig, flexibel und nachhaltig für die Zukunft aufgestellt, heißt es.
Aus Sicht des Berufsverbandes sind insbesondere die stärkere Nutzung der Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, die telemedizinische Unterstützung und der bedarfsgerechte Einsatz notärztlicher Ressourcen wichtige Bausteine eines zukunftsfähigen Rettungsdienstes.
Ein großer Schritt für die Bevölkerung zur medizinischen Notfallversorgung durch die gemeinsame politische Initiative von allen Fraktionen, bilanziert Holger Micheel-Sprenger. Und am Ende bekomme Fehmarn eine bessere Notfallversorgung als zuvor, spielt Sprenger auf Hubschrauber und zusätzliches Fahrzeug an. „Jetzt kämpfen wir weiter um den Krankenhausstandort, um die Vor-Ort-Versorgung auf Fehmarn.“ Für nächste Woche sei ein weiterer runder Tisch geplant.