Dänischer Botschafter betont Wichtigkeit des Belttunnels

„Nicht nur mit Beton und Stahl“

03.07.2026, 08:41 Uhr
Von: Lasse Lindner
Fehmarnsches Tageblatt

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Thomas Østrup Møller, der dänischer Botschafter.

Thomas Østrup Møller, der dänischer Botschafter. © Lasse Lindner

Der Fehmarnbelttunnel wächst sichtbar weiter: Beim Sommerempfang der Femern A/S präsentierten die Verantwortlichen den aktuellen Baufortschritt am Tunnelportal, sprachen über die nächsten Bauabschnitte und erläuterten, wie die Großbaustelle trotz der angespannten Sicherheitslage im Fehmarnbelt geschützt wird.

Am 1. Juli lud Tunnelbauer Femern A/S zum alljährlichen Sommerempfang auf der Tunnelbaustelle am Fehmarnbelt ein. Viel hat sich getan im Laufe der letzten Monate, besonders im Bereich der Verkehrsführung rund um die Baustelle und den Fährhafen Puttgarden. Doch auch das Tunnelportal nimmt Gestalt an.

Während der Besichtigung mit dem Reisebus bekam man schnell einen bleibenden Eindruck der Maßstäbe, mit denen hier gearbeitet wird. Tiefe Gräben für die künftige Bahntrasse, ein hoher, breiter Wall, der sich langsam Richtung Ostsee, Richtung Tunnelöffnung, absenkt. Hier sollen in wenigen Jahren die Autos über die E47 rollen. Langsam aber sicher fällt es immer einfacher, sich das auch bildlich vorzustellen.

Es gehe mit großen Schritten voran, sowohl an Land als auch zu Wasser, so berichtet Gregory Formichella, Bauleiter Femern A/S, während der Führung über die Baustelle. Seit dem ersten Spatenstich im Herbst 2021 ist noch die ein oder andere Schaufel voll Erde dazugekommen: Allein vom Meeresgrund wurden über 15 Millionen Kubikmeter Boden ausgehoben, erzählt Femern A/S-Pressesprecherin Denise Juchem.

Alles Material findet nun Verwendung beim Ausbau der Tunnelportale sowie den Straßen- und Schienenanbindungen – bis der Berg im Norden Fehmarns wieder verschwunden ist. Voraussichtlich Ende des Jahres, so Bauleiter Formichella, soll der Rohbau des Tunnelportals vollendet sein.

Der Belttunnel ist ein Projekt mit Prestige und internationaler Bedeutung, und so war auch der Botschafter Dänemarks, Thomas Østrup Møller, als Redner beim Sommerempfang der Femern A/S zu Gast.

„Ein Tunnel von internationalem Maßstab, ein Meisterwerk der Ingenieurskunst“, so Botschafter Møller in seiner Rede. „Solche Projekte baut man nicht allein mit Beton und Stahl, man baut sie mit politischem Willen, mit Geduld und mit der Fähigkeit, über Jahrzehnte hinweg gemeinsam an einer Idee festzuhalten.“

Er betonte dabei besonders die europäische, grenzübergreifende Perspektive auf das Projekt der Festen Fehmarnbeltquerung.

„Europa entsteht dort, wo Menschen sich über Grenzen begegnen, wo Studierende einfacher reisen, wo Unternehmen schneller zusammenarbeiten, wo Familien sich häufiger besuchen. Wo man spontan sagt: ‚Komm doch vorbei!‘ Die Feste Fehmarnbeltquerung macht genau das möglich.“

Besonders der Aspekt der zeitlichen Ausdehnung des Projektes – die Jahrzehnte, die Botschafter Møller selbst anspricht – ist beachtenswert.

Sie schießen nur so aus dem Boden, die Kräne auf der Beltbaustelle. Hier der Blick über das Tunnelportal.

Sie schießen nur so aus dem Boden, die Kräne auf der Beltbaustelle. Hier der Blick über das Tunnelportal. © Lasse Lindner

„Verbindungen sind stärker als Grenzen“

Seit der Unterzeichnung des Staatsvertrages über den Bau einer festen Querung sind fast 18 Jahre vergangen. In dieser Zeit waren in Deutschland und Dänemark unterschiedlichste Parteien in politischer Verantwortung und trotzdem bestand der Wille, das Projekt zu realisieren, fort.

„Die Feste Fehmarnbeltquerung ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt: Sie ist ein Zeichen von Partnerschaft und von dem besten Glauben daran, dass Verbindungen stärker sind als Grenzen“, schließt Møller seine Rede auf dem Empfang.

Während die eine Seite des Kontinents Verbindungen schließen möchte, werden auf der anderen Seite Grenzen gezogen. Infrastrukturprojekte wie der Belttunnel sind besonders Akteuren wie der russischen Regierung ein Dorn im Auge. Gerade im Fehmarnbelt, einem Nadelöhr der Weltwirtschaft, spielen Sicherheitsaspekte eine Rolle.

Der Blick Richtung Land zeigt die ersten Bodenarbeiten für die Bahntrasse am Tunnelportal.

Der Blick Richtung Land zeigt die ersten Bodenarbeiten für die Bahntrasse am Tunnelportal. © Lasse Lindner

Keine Langeweile am Belt

Der Begriff der Schattenflotte ist mittlerweile fast jedem geläufig – es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Tankschiff den Belt passiert, das Sicherheitsbehörden als Teil dieser Flotte betrachten.

Finnland etwa hat schon mehrere Male Schiffe beschlagnahmt, die unter Verdacht standen, im Dienste Russlands Öl zu transportieren oder sogar Sabotageakte am Meeresgrund durchzuführen. Auch die Deutsche Marine und die Küstenwache der Bundespolizei bewachen mit Argusaugen die deutschen Seegebiete.

Erst vor wenigen Tagen kam es vor Fehmarn zu einem Aufeinandertreffen einer russischen Korvette und dem Patrouillenboot BP 25 „Bayreuth“ der Bundespolizei See. Greenpeace-Aktivisten näherten sich auf Schlauchbooten einem Öltanker der Schattenflotte, woraufhin die russische Korvette den Versuch unternahm, die Boote abzudrängen. Die „Bayreuth“ setzte sich dazwischen. Ein hochbrisantes Aufeinandertreffen – all das wenige Seemeilen von der Beltbaustelle entfernt.

Auf Anfrage bestätigte Femern A/S den ständigen Austausch und Kontakt mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Auch die „Bayreuth“ befand sich am 1. Juli weiter auf Position vor Fehmarn.

Unter Berücksichtigung der Umstände im Belt – der engen Zusammenarbeit zwischen deutschem und dänischem Grenzschutz sowie der Überwachung durch die Marine – ist willkürliche Sabotage nicht das wahrscheinlichste Szenario. Die unvorhergesehene Havarie eines Schiffes im Fehmarnbelt, wo Tanker, Fährschiffe, Containerriesen und Baustellenschiffe die Wege kreuzen, ist hingegen etwas, mit dem zu jeder Zeit gerechnet werden muss.

Nach Fertigstellung des Tunnels soll nicht nur die Konstruktion selbst Schutz vor Havarien bieten – eine mehrere Meter dicke Schicht aus Felsen verhindert dann, dass Schäden durch mögliche Havaristen entstehen können.

Zurück aber zu sonnigeren Themen: Auf dem Sommerempfang der Femern A/S war die Zuversicht die vorherrschende Stimmung. Matthias Laubenstein, Projektdirektor für den Bau der Portale und Rampen, gab einen ausführlichen Überblick über geschaffte und bevorstehende Schritte beim Ausbau der Tunneleinfahrt und dem Absenken der Tunnelelemente. Die ersten zwei Elemente liegen bereits am Meeresboden und sind erfolgreich an das dänische Tunnelportal angeschlossen.

„Wir waren da sehr, sehr stolz, nachdem wir das erste Element abgesenkt hatten – dass das auch alles so funktioniert hat, wie wir uns das am Schreibtisch überlegt hatten“, berichtet Laubenstein über die Vorhaben der letzten Wochen.

Jetzt fehlen nur noch die übrigen 87 Elemente. Die Taktung werde sich aber erhöhen, so Bauleiter Formichella. Je routinierter die Arbeitsschritte, desto zügiger gehe es voran. Besonders bei den ersten Elementen wurde sich bewusst Zeit für die Abläufe genommen.

Das Projekt nehme Gestalt an – schon Ende des Jahres rechnet Laubenstein damit, dass die Bahngleise des Tunnelportals an die der Deutschen Bahn angeschlossen werden können. Bei all den Baumaschinen und Kränen, dem riesigen Betonwerk – die Zuversicht der Femern A/S ist durchaus nachvollziehbar.

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