Technische Ausstattung und Notfallstrukturen stehen bereit
Neukirchen bereitet sich auf Krisenfälle vor
08.07.2026, 16:56 Uhr
Von:
Annalena Kristof
Heiligenhafener Post
Nach mehreren Stromausfällen in der Region und Deutschland rückt die Frage nach der Krisenvorsorge immer stärker in den Fokus. Die Gemeinde Neukirchen hat darauf reagiert und ihr Konzept für mögliche Notlagen fertiggestellt.
Stromausfälle in Neustadt, Berlin und zuletzt auch in Eutin haben gezeigt, wie schnell wichtige Infrastruktur ausfallen kann. Was passiert, wenn Licht, Telefon, Internet, Heizung oder Einkaufsmöglichkeiten über längere Zeit nicht verfügbar sind? Die Gemeinde Neukirchen hat sich frühzeitig mit solchen Szenarien beschäftigt und ist beim Thema Bevölkerungsschutz inzwischen weit vorangeschritten: Das Krisenkonzept ist fertiggestellt, die notwendigen Strukturen sind aufgebaut und die technische Ausstattung angeschafft.
Arbeitskreis entwickelt umfassendes Krisenkonzept
Die Gemeindevertretung hatte bereits am 5. Oktober 2023 die Bildung eines Arbeitskreises Bevölkerungsschutz beschlossen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Feuerwehr, Bauhof und Verwaltung arbeiteten anschließend gemeinsam an einem Krisenkonzept, das neben einem möglichen Blackout auch andere Szenarien wie schwere Unwetter, Hochwasser, größere Brände oder andere Gefahrenlagen berücksichtigt. Eine wichtige Rolle bei dessen Entwicklung spielte auch Gemeindevertreter Jörg Brandt (SPD), der durch seine Tätigkeit beim ASB über umfangreiche Erfahrungen im Bereich Katastrophenschutz verfügt und regelmäßig bei Vorträgen über Blackout-Szenarien und private Vorsorge informiert.
Vier Notfallinfopunkte eingerichtet
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts sind vier Notfallinfopunkte in der Gemeinde. Der Hauptstandort befindet sich im „Haus des Gastes“, wo auch der Krisenstab seinen Sitz hat. Diesem gehören unter anderem der Bürgermeister, sein Stellvertreter sowie Mitarbeitende des Bauhofs und der Feuerwehr an. Weitere Punkte wurden an den DLRG-Stationen in Kraksdorf sowie in Ostermade und Sütel eingerichtet. „Die Notfallinfopunkte sind keine Ausgabestellen für Lebensmittel oder Ähnliches, sondern dienen vor allem der Information und Kommunikation im Krisenfall“, erklärt Jörg Brandt, der berichtet, dass sich zudem bereits 16 freiwillige Helferinnen und Helfer aus der Gemeinde gemeldet haben, um den Krisenstab zu unterstützen.
Notstromversorgung und medizinische Hilfe gesichert
Auch die technische Vorbereitung ist abgeschlossen. Da eine komplette Notstromversorgung innerhalb der Gemeinde nicht möglich ist, verfügen nur zentrale Punkte, wie das „Haus des Gastes“, das Feuerwehrgerätehaus und die Sporthalle über eine Notstromversorgung durch Generatoren. Im „Haus des Gastes“ ist zudem ein- bis zweimal in der Woche eine ärztliche Versorgung für Notfälle geplant.
Betriebsfunk soll Kommunikation sicherstellen
Ein weiterer Schwerpunkt war der Aufbau einer zuverlässigen und autarken Kommunikationsmöglichkeit im Krisenfall. Eine zivile Funklösung erwies sich aufgrund der Höhenunterschiede in der Gemeinde als nicht ausreichend. Behördenfunk könne das Gebiet nicht abdecken, weshalb nun auf Betriebsfunk gesetzt werde, der zusätzlich Vorteile im Bereich des Datenschutzes biete, so Brandt.
Erste Übungen bestätigen Einsatzbereitschaft
Für Ausstattung und Technik hat die Gemeinde nach Angaben von Brandt rund 50 000 Euro investiert. Darin enthalten sind unter anderem Funkgeräte, die Ausstattung von Notfallkisten für die Infopunkte und die Anschaffung der drei Notstromgeneratoren.
Eine erste interne Übung im September 2024 zeigte dann: Nach der Alarmierung um 8 Uhr konnte der Krisenstab um 10 Uhr seine Einsatzbereitschaft melden. Auch eine Funkübung im Mai verlief erfolgreich.
Bürgerinnen und Bürger sollen eigene Vorsorge treffen
Mit dem fertigen Konzept endet die Arbeit allerdings nicht. Neben einer weiteren internen und einer kreisweiten Übung sind nun vor allem Informationsveranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger geplant. Denn auch die beste Vorbereitung der Gemeinde ersetzt nicht die eigene Vorsorge zu Hause. „Jeder Haushalt sollte sich selbst darauf vorbereiten, für einige Tage unabhängig zu sein“, betont Brandt. Empfohlen wird eine Vorsorge für mindestens drei, besser zehn Tage.
Weitere Informationen für Interessierte bietet unter anderem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unter www.bbk.bund.de. Die Gemeinde Neukirchen hat zudem eine Einwohnerversammlung für den morgigen Donnerstag (9. Juli) anberaumt, auf der Brandt das aktuelle Konzept vorstellen wird.