Runder Tisch für Demokratie in Malente traf sich zum zweiten Mal
Netzwerke schaffen und aktiv werden
25.07.2026, 10:04 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Eutin/Malente
Seit knapp einem Jahr gibt es in Malente ein Wahlkreisbüro der AfD – und genauso lange gibt es vor Ort Proteste dagegen. Daran beteiligt ist auch der Runde Tisch für Demokratie in Malente. Dieser traf sich kürzlich auf Einladung des „AktionBündnisses weltoffenes und vielfältiges Ostholstein“ in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte. Zu den 17 Teilnehmenden zählten Mitglieder von Omas gegen Rechts, vom Kinokollektiv OH, von der Initiative „Bunte Bänder“, den Grünen Malente, der FDP, der Linken, der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte sowie Einzelpersonen.
Als inhaltlichen Einstieg gab es ein kurzes Referat über ein Stück Malenter Zeitgeschichte: Mehr als 20 Jahre lang fanden hier jährlich Kameradschaftstreffen „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS“ (HIAG) statt. Ziel des Vereins war es unter anderem, die Angehörigen der Waffen-SS zu rehabilitieren und ihre, im Grunde genommen immer noch vorhandene nationalsozialistische Ideologie aufrechtzuerhalten und zu propagieren. Mitte der 70er-Jahre organisierten sich antifaschistische Gegenproteste. Demonstrationen und Blockadeaktionen führten dann dazu, dass diese Treffen nicht mehr stattfanden. Viele in der Runde hatten bis dahin keine Kenntnisse über diesen Teil Malenter Geschichte.
„Das zeigt doch auch, wie erfolgreich eine aktiv werdende Zivilgesellschaft sein kann, sie konnten wiedererstarkende antidemokratische, faschistische Kräfte zurückdrängen“, meinte einer der Teilnehmer.
Im Anschluss stellte sich die Initiative „Bunte Bänder“ vor, von der bald mehr zu hören sein werde, so die Initiatoren. In der weiteren Überlegung ist die Durchführung eines Demokratiefestivals, zu dessen Vorbereitung sich eine Kleingruppe zusammenfand. Als Projekt wurde außerdem das Format „Sprechen und Zuhören“, entwickelt von der Organisation „Demokratie e.V.“ vorgestellt. Es geht dabei darum, zu einem vorgegebenen Thema mit unterschiedlichen Menschen in einen moderierten Dialog zu treten. Damit soll demokratische Verständigung gestärkt werden.
Ebenso will man das Angebot des Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig-Holstein zur Stärkung lokaler Initiativen der Zivilgesellschaft, die sich für Demokratie einsetzen, aufgreifen. Teil davon ist der Online-Workshop „radikal höflich“. Das vom Verein „Tadel verpflichtet!“ entwickelte Projekt unterstützt Menschen darin, sich diskriminierenden Aussagen klar entgegenzustellen und für eine solidarische Gesellschaft zu streiten. Voraussichtlich findet diese Veranstaltung am 14. November statt.
Für die Zukunft und als Schwerpunkt für das nächste Treffen des Runden Tisches in Malente Anfang September soll der gezielte Austausch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesucht werden. Die anwesenden Frauen der Omas gegen Rechts berichten von ihren Erfahrungen in Schulen, in denen sie Gesprächsformate anbieten. Sie erzählen von zum Teil sehr herausfordernden Situationen und begrüßen diese Idee besonders.
Kontakt zum „Aktionsbündnis weltoffenes vielfältiges Ostholstein“ gibt es per E-Mail an aktionbuendnisostholstein@posteo.de