SPD begrüßt Kurswechsel des Landes – übt aber scharfe Kritik

„Natürlich muss Bäderbahn bleiben“

04.07.2026, 11:08 Uhr
Von: Nicole Rochell
Fehmarnsches Tageblatt

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Daniela Borgstädt und Thomas Keller (l.) biem Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung: Das Land Schleswig-Holstein spricht sich überraschend für den Erhalt der Bäderbahn aus.

Daniela Borgstädt und Thomas Keller (l.) biem Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung: Das Land Schleswig-Holstein spricht sich überraschend für den Erhalt der Bäderbahn aus. © Andreas Höppner

Nach der überraschenden Ankündigung des Landes zum möglichen Erhalt der Bäderbahn melden sich nun die Fraktionen im Kieler Landtag zu Wort. Während SPD und Grüne das Signal grundsätzlich begrüßen, gibt es deutliche Kritik am bisherigen Vorgehen der Landesregierung.

Das Land spricht sich nun doch für den Erhalt der Bäderbahn aus. Im jüngsten Dialogforum in Oldenburg überraschte Staatssekretärin Susanne Henckel mit der Nachricht (wir berichteten).

Die Landes-SPD reagiert auf die Ankündigung mit Zustimmung, aber auch deutlicher Skepsis. SPD-Landesvorsitzender Ulf Kämpfer begrüßte die Signale aus der Landesregierung, übte aber scharfe Kritik an deren bisherigem Kurs. „Selbstverständlich muss die Bäderbahn bleiben. Niemand außer der schwarz-grünen Landesregierung hielt es in den vergangenen Jahren noch für eine gute Idee, die immer stärker genutzte Strecke abzuwickeln.“

Tausende Pendlerinnen und Pendler sowie die Tourismusregion an der Lübecker Bucht seien auf die Bäderbahn angewiesen. Nachdem klar geworden sei, dass die Strecke an die neue Hinterlandanbindung angeschlossen werden soll, habe die Landesregierung dennoch lange an einem Ende des Schienenverkehrs auf der Trasse festgehalten. Erst durch Hinweise von Eisenbahnbundesamt, Bund und Deutscher Bahn zeichne sich nun ein Umdenken ab.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Niclas Dürbrook, reagiert skeptisch: „Niemand hindert die Landesregierung daran, jetzt sofort eine klare Ansage zu machen: Auf der Bäderbahntrasse wird vom Land auch nach Fertigstellung der Hinterlandanbindung Zugverkehr bestellt. Statt dieser klaren Ansage gibt es vom Land aber einmal mehr nur die Ankündigung einer Prüfung.“

Bereits 2023 habe es einen ähnlichen Prüfauftrag gegeben, der ein halbes Jahr später wieder verworfen worden sei. Er befürchte, dass auch die jetzige Kehrtwende vor allem ein taktisches Manöver im aufziehenden Landtagswahlkampf sei.

Dürbrook erinnerte zudem daran, dass seit vergangenem Sommer feststehe, dass der Zeitplan für die Hinterlandanbindung nicht eingehalten werde. Die Landesregierung habe es versäumt, den dadurch entstandenen Spielraum für eine zukunftssichere Umplanung der Bäderbahnanbindung zu nutzen – während Kommunen weiter an teuren neuen Bahnhöfen planten und Betroffene über die künftige Anbindung im Unklaren blieben.

Kritik übte er auch an der Kommunikation. Der jüngste Plan sei beiläufig in einem Grußwort der zuständigen Staatssekretärin verkündet worden, ohne vorherige Abstimmung mit den Kommunen. Selbst die Deutsche Bahn sei erst einen Tag zuvor informiert worden – für Dürbrook „ein neuer Tiefpunkt“.

Die mobilitätspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Nelly Waldeck, begrüßt die jüngsten Aussagen von Staatssekretärin Susanne Henckel zum Erhalt der Bäderbahn. Ihre Fraktion setze sich seit Jahren für den Erhalt der Strecke ein, so Waldeck. Die Äußerungen der Staatssekretärin seien ein wichtiges Signal für die Region und alle, die sich für Erhalt und Reaktivierung einsetzten.

Eine endgültige Entscheidung stehe jedoch noch aus, betonte Waldeck. Diese müsse nun möglichst schnell fallen – insbesondere die Deutsche Bahn stehe hier in der Verantwortung. Es gelte, am Ball zu bleiben und sich nicht verfrüht zu freuen. Die Region müsse seit Jahren mit der Unklarheit über die Zukunft der Strecke leben; umso wichtiger sei es jetzt, Fakten zu schaffen.

Die Bäderbahn ergebe aus mehreren Gründen Sinn, so Waldeck: Sie verfüge über ein hohes Fahrgastpotenzial, sei wichtig für den ländlichen Raum und biete dem Tourismus eine direkte Nahverkehrsanbindung in die Bäderorte. Zudem verschaffe sie dem bestehenden Schienennetz eine zusätzliche Ausweichoption.

Das aktive Engagement des Landes für den Erhalt sei nach der verhinderten Entwidmung der Strecke ein zweiter wichtiger Erfolg. Endgültig gesichert sei die Strecke aber erst, wenn alle Beteiligten zugestimmt hätten.

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