Kastenkontrolle mit Erfolgsbilanz: Zahlreiche Arten haben sich eingenistet
NABU Plön sorgt für boomende Fledermaus-WGs
14.08.2026, 15:39 Uhr
Von:
Lotta Schneider
Wer mit Inge Unbehauen mit den im Fledermausschutz des NABU aktiven Ehrenamtlichen in und um Plön unterwegs ist, kann sich auf spannende Überraschungen einstellen.
Kastenkontrolle in den Wäldern zwischen den Seen von Plön. Jetzt im Spätsommer erhoffen sich die Experten Aufschluss über die Belegung der extra in die Bäume gehängten WG-Zimmer mit Einflugloch - und, wenn ja, über die sie bewohnende Art von Fledermäusen. Mit Handschuhen, Werkzeug, Schriftzeug und einer Leiter machen sie sich auf den Weg in den Wald.
Niemand wäre begeistert, wenn er unfreiwillig gepackt, die Flünken abgespreizt, vermessen und, die Bauchseite nach oben gewendet, die Genitalien begutachtet würden. Die kleine Fledermaus glaubt sich durchaus begründet in einer Situation, die im Gefressenwerden enden muss. Das nur walnussgroße Tier protestiert lautstark, ein Geräusch irgendwo zwischen Quietschen und Zirpen. Und das klingt angesichts seiner Winzigkeit beeindruckend. Ultraschalllaute, die Fledermäusen im Flug der Orientierung dienen, würden angesichts eines Riesentrampels (ihrer Sicht), der sie in gewaltigen behandschuhten Pfoten hält, zudem nichts nützen. Und sie gibt stimmlich vollen Einsatz. Eine klitzekleine Zahnreihe wird in dem geöffnetem Mäulchen sichtbar. Alles an ihr drückt Abwehr aus. Stress pur. Zum Glück passiert ihr nichts. Aber woher soll sie das wissen?
„Eine Mückenfledermaus“, so das Ergebnis der Untersuchung. Inzwischen wird auch ihr Kasten gereinigt. Viel Kot ist darin, aber auch ein kleines Nest. Offenbar war an Familie Meise zwischenzeitlich untervermietet worden. Deutlich wird daran aber auch die allgemeine Wohnungsnot unter den Tierarten – und ohne geeignetes Quartier kein Nachwuchs.
Der Bewohner der Singlewohnung ist auch ohne Lupe unverkennbar ein Männchen, das sich hier zum Schlafen gemütlich aufgehängt hatte. Denn so halten es diese Tiere tagsüber: Kopfunter wird geruht, dafür ist abends ordentlich Action. Dann fliegen die Fledermäuse aus. Außer bei Unwetter.
Die Ausflüge sind das Wichtigste im Spätsommer. Wenig Zeit bleibt ihnen jetzt noch, um viel zu fressen und Fett zu speichern, zumal den Jungtieren, die jetzt gerade ausgewachsen sind. Jede Mücke, jede Motte, die sie sich während der anstrengenden Flüge einverleiben können, sichert ihr Überleben während der langen Wintermonate. Erst im kommenden Mai wird es wieder Insekten zu fangen geben, so lange müssen sie durchhalten. Und das gelingt nur mit einer dicken Fettreserve und einem gut geeigneten Quartier zum gemeinschaftlichen Abhängen ab Oktober.
Schon die ersten 20 Fledermauskästen sind eine Erfolgsgeschichte, sagt Inge Unbehauen. Finanziert von der Stadt Plön, begann deren Aufhängung 2019 im Stadtwäldchen. Bereits im folgenden Corona-Jahr zeigte sich eine Belegung bei 19 davon.
2025 gab es 27 Kästen, die sämtlich genutzt wurden. Und nicht nur von Fledermäusen. Kohl- und Blaumeisen, Kleiber, Bachstelzen und Trauerschnäpper, eine sehr stark gefährdete Vogelart, fanden das Waldwohnungsangebot ebenso attraktiv wie Gelbhals- und Haselmäuse. Die Singvögel hatten sich als Untermieter offenbar mit den im Oberstübchen abhängenden Fledermäusen von Anfang an gut arrangiert, sodass das begehrte Kastenquartier doppelt genutzt wurde.
Die beliebte Unterkunft suchten zudem Ohrenkneifer, Hornissen, Wespen, Wachsmotten und kleine Gehäuseschnecken auf, die zum Schlafen den Schutz des Kasteninneren zu schätzen wissen.
Angespornt von diesem Erfolg, hängte die Gruppe Ehrenamtler daraufhin bis zum Herbst 20 Kästen am Kieler Kamp auf, weitere neun am Düvelsbrook. 78 Kästen sind auch am Höftsee und im Ölmühlenwald aufgehängt und kontrolliert worden. Festzustellen war: „Fast alle Kästen sind in jedem Jahr belegt gewesen“, berichtet Inge Unbehauen. Sogar neun Schellenten und Gänsesäger hatten sich 2025 dort eingenistet und ihre Küken großgezogen.
Bei den Kontrollen hat der emsige NABU-Trupp um Inge Unbehauen verschiedene Spezies der Fledermäuse identifizieren können. Nicht nur die Zwerg- und die noch kleineren Mückenfledermäuse wurden bei den Kontrollgängen entdeckt, sondern auch die größeren Rauhaut- und Wasserfledermäuse sowie der Große Abendsegler. Mit „teilweise mit großen Wochenstuben“, berichtet Inge Unbehauen, die in manchen Kästen Weibchen und Junge vorfand.
Im Frühjahr werden schon beizeiten diese Wochenstuben gebildet, zu denen sich die trächtigen Tiere zusammenschließen. Jetzt ist die Zeit, in der sie sich auflösen, weil die groß gewordenen Jungtiere selbstständig werden.
Auch bei der Kontrolle Anfang August in einigen Kästen ist noch Betrieb, als NABU-Mitglied Jens Gutzmann auf der Leiter das Schlafdomizil kurz öffnet. Schreck in der Mittagsstunde: Die Weibchen und ihr Nachwuchs ergreifen die Flucht. Doch sind sie so verschlafen, dass sie zwischen den Füßen der Zweibeiner auf dem Waldboden gleich zu Boden gehen. Jetzt bloß keinen Schritt mehr machen, lautet die Devise, denn man sieht sie kaum.
Der unplanmäßige Abgang hat seinen Grund: Für die zum Flug nötige Betriebstemperatur müssen sich die kleinen Mückenjäger nämlich erst einmal warmzittern. Sonst gelingt ihnen das Fliegen ebenso wenig, wie dem Leistungssportler der Kaltstart beim Wettkampf.
Vorsichtig werden sie von den behandschuhten Ehrenamtlern aus der Laubschicht aufgenommen. Eins nach dem anderen halten sie vor das Einflugloch. Ein kurzer Blick zur Orientierung, ein bisschen Schnuppern und Ohrenwackeln – ja, das ist das richtige Haus - und im nächsten Augenblick verschwindet der Fledermaus-Mors im Spalt. Einer nach dem anderen folgt. Der Mittagsschlaf kann fortgesetzt werden. Und Tschüss, kleine Fledermäuse