Aufsteigender Rauch beim Plöner Gildefest:
Morgendliche Marschdynamik kommt mit Smoke On The Water mächtig in Schwung
10.07.2026, 15:32 Uhr
Von:
Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz
Morgens um 8 Uhr vor der Johanniskirche formiert sich ein früh aufgewecktes Trüppchen. Es ist der Tag des Gildefestes. Der letzte Tag des amtierenden Königspaars, Dorit und Sven Hansen. Und es ist der Tag der neuen Majestäten, die abends ausgerufen werden sollen. Vorausgesetzt, das vorgelagerte Vogelschießen bringt ein eindeutiges Ergebnis. Es ist der Tag dieses einen Moments, mit dem ein neues Gildejahr beginnt.
„Stillgestanden!“. „Rrrührt euuch!“. „Augeen – gradeaus!“ --- „Stillgestanden!“. Unter schwarzen Zylindern folgen reihenweise Augenpaare Bernd Potrecks strengen Anweisungen. Der Adjutant der Plöner Schützengilde hat alle Hände voll zu tun, um seine Kompanien per Disziplin zu einem würdigen Aufmarsch zu bewegen. Trotzdem wird hier und da verhalten gelacht. Die Laune ist einfach zu gut an diesem zweiten Freitag im Juli, dem traditionellen Gildefesttag.
Alle sind schick im schwarzen „Schapp-Tüüch“ unterwegs, so heißt der gute Sonntagsanzug op Platt. Wer ein besonderes Amt bekleidet, ist wie der Adjutant an Schärpe und Stoffkappe gleich zu erkennen. „Prääsentiiert daas – Gewehr!“, verlangt Potreck. Alle nehmen Haltung an.
Sie mussten früh hoch, also nur nicht in der Aufmerksamkeit nachlassen... Unter den Marschrhythmen nach Smoke On The Water hat das rund dreißigköpfige Abholkomittee sich in aller Herrgottsfrühe zum Königsweckruf in die Seestraße begeben, um die Majestäten anschließend im zünftigen Umzug zum Museumsplatz zu begleiten.
Das Förde Blasorchester Kiel hat es halt „drauf“, wie man so sagt, alle bei dem frühen Einsatz mit guter Musik mächtig auf Trab zu bringen. Dreißig Musiker spielen ihr vielseitiges Reperoire launig und mit vollem Einsatz herunter. Alle Zuhörenden haben ihren Spaß daran, nicht nur die Gilde.
Doch dann wird es ernst. Denn dort, bei der Johanniskirche, befindet sich auch der Gildestein. Und dieser Treffpunkt ist stets auch ein programmatischer Meilenstein für die Gildebrüder. So gilt es, hier gemeinsam den im vergangenen Jahr Verstorbenen ein Weilchen zu gedenken, die sonst immer dabei gewesen sind und dazugehört haben.
Nächste Station: das Rathaus. Das Königspaar wird sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Draußen reicht Bürgermeisterin Mira Radünzel den Bürgermeisterschnaps, wie es Tradition ist. Bernd Pottreck hat für die Reihenfolge von Aufmarsch und Aufstellung genaue Anweisungen gegeben und so präsentieren sich die Fahnenzüge wohlgeordnet vor der Rathaustreppe. Es ist der Moment und der Ort, das Gildekönigspaar noch einmal hochleben zu lassen und sich einen gelingenden Festverlauf zu wünschen. Es herrscht aufgeräumte Stimmung. Auch von der Lütjenburger Schützengilde sind Gäste dabei und feiern mit. Und schon winkt der Aufbruch, denn heute steht viel auf dem Programm.
Der Weg zum Festplatz am Düvelsbrook ist lang-, mit der guten Musik jedoch nicht -weilig, wie die Zuschauer, die auf dem Wochenmarkt arbeiten oder einkaufen, gleich feststellen dürfen. Und sie marschieren hindurch, die Gildebrüder, spürbar stolz auf ihre gepflegte Tradition, spürbar erwartungsfroh, was sich beim Vogelschießen am Nachmittag nun ergeben wird. Denn wie immer steht am Ende dieses Tages die Frage: Wer wird wohl der nächste Gildekönig 2026 sein?