Nein zu „krakenartigen Umarmungen und schlabberschleimigen Ochsenfroschküssen“
Mit Theater gegen Grenzverletzungen: „Pfoten weg“ begeistert Grundschulkinder
30.06.2026, 15:58 Uhr
der reporter Eutin/Malente
Dunkel ist es in der Pausenhalle der Gustav-Peters-Schule an der Blauen Lehmkuhle. Wer genau hinsieht, erkennt eine Bühne und in den vollbesetzten Stuhlreihen davor scharren Erstklässler*innen mit den Füßen und wispern aufgeregt.
Schulleiter Oliver Martins tritt vor das Publikum: „Ihr seid hier heute nicht an der Schule, sondern in einem Theatersaal“, sagt er und übergibt das Wort an Dörte Monheim. Die Präsidentin des Rotary Clubs Eutin weist auf das Symbol des Serviceclubs: „Wenn ihr dieses gelbe Rad seht, zeigt das an, dass der Rotary Club dabei ist. Und die Menschen beim Rotary Club machen ganz viel für Kinder und Jugendliche“, erklärt sie.
Ein Beispiel für „ganz viel“ ist das Projekt „Pfoten weg“. Kinder stark zu machen, sie zu ermutigen, sich vor Übergriffen zu schützen, hat für Dörte Monheim einen hohen Stellenwert. Das „Pfoten weg“-Konzept überzeugt sie, weil es auf verschiedenen Ebenen ansetzt: Die Kinder werden unter anderem mit einem passenden Bilderbuch und einem Lied an das Thema herangeführt, für die Eltern wird ein Informationsabend angeboten und am Ende zeigt das Theaterstück, wie es genau aussehen kann, wenn Erwachsene unangenehm werden – und was man schon als sehr junges Kind dagegen tun kann.
Auf der Bühne lernen die Kinder eine Katzenfamilie kennen. Drei Geschwister, Vater und Mutter, außerdem schauen immer mal ein paar Freunde vorbei. Mit viel Können und Einfallsreichtum haucht Irmi Wette den Figuren Leben ein, zeigt einen Alltag, der den meisten Kindern vertraut ist. Als sich Onkel und Tante ankündigen, liegt Anspannung in der Luft. Die bringen zwar Geschenke mit, aber auch „krakenartige Umarmungen und schlabberschleimige Ochsenfroschküsse“. Dass damit eine Grenze überschritten wird, wollen nicht einmal die Eltern so recht glauben. Mit Zusammenhalt, Offenheit und einem entschlossenen „Nein!“ werden die übergriffigen Erwachsenen schließlich in ihre Schranken gewiesen. Irmi Wette bezieht ihr Publikum während der Geschichte immer wieder ein, stellt Fragen, macht die Kinder damit zu Handelnden und transportiert wie nebenbei das Bewusstsein, dass ihre Meinung, ihre Erfahrungen zählen. Und sie nimmt die Lehrkräfte in Verantwortung: „Setzen Sie sich bitte so hin, dass Sie die Gesichter der Kinder sehen können“, meint sie eingangs. „Glaubt den Kindern, die erfinden so was nicht und sie sind auch niemals schuld“, lautet ein Schlüsselsatz der Aufführung.
Wohin man gehen kann, wenn ein schlechtes Geheimnis drückt, wissen die Mädchen und Jungen: „Zum Freund, zur Polizei, zur Lehrerin!“ rufen sie. Dass sie die Entschlossenheit, sich Hilfe zu suchen, sich zur Wehr zu setzen, mitnehmen in ihren Alltag, ist Dörte Monheim ein Herzensanliegen: „Es gibt nichts Wichtigeres, als Kinder sicher aufwachsen zu lassen“, betont sie. Deshalb hat sie „Pfoten weg“ zu ihrem Präsidentschaftsprojekt gemacht: „Das Thema gehört in die Öffentlichkeit, denn wir alle stehen in der Verantwortung“, sagt sie nachdrücklich. Im Hintergrund singen die Kinder beim Hinausgehen noch das „Pfoten weg“-Lied zur Melodie von „Hänschen klein“: „Ich sag nein, ich ruf nein, ich brüll ganz laut Nein!“.
Ausführliche Informationen zu „Pfoten weg“ gibt es auf der Internetseite www.pfoten-weg.de.