Tobias Michelsens Wassersportprojekte in Großenbrode erhalten internationale Anerkennung
Mit Inklusion auf Erfolgskurs
04.09.2026, 17:25 Uhr
Von:
Annalena Kristof
Fehmarnsches Tageblatt,
Heiligenhafener Post
In Großenbrode dreht sich weiter viel um inklusiven Wassersport: Tobias Michelsen erhält Rückenwind aus der internationalen Segelwelt und hat mit einem neuen Katamaran-Projekt bereits das nächste Vorhaben im Blick.
Unbekannt sind Tobias Michelsen und seine Wassersportschule am Kai in Großenbrode längst nicht mehr. Immer wieder entstehen dort neue Ideen und Projekte rund um inklusiven Wassersport. Erst vor wenigen Wochen war die Schule von Sozialministerin Aminata Touré besucht worden. Außerdem will Michelsen Menschen für die Para-Wingfoil-Weltmeisterschaft fit machen. Nun sorgt das Engagement erneut für internationale Aufmerksamkeit – gleich auf mehreren Ebenen.
Großenbrode auf der Zero-Project-Shortlist
Das Projekt Para Wingfoil Europe hat es auf die Shortlist des Zero Project Awards 2027 geschafft. Aus 615 Nominierungen aus 94 Ländern wurde das inklusive Wassersportprojekt von internationalen Fachleuten aus dem Bereich Inklusion ausgewählt. Die Auszeichnung gilt als eine der bedeutendsten internationalen Anerkennungen für Projekte, die Barrieren abbauen. Im Dezember erfolgt die Bekanntgabe der Preisträger. Im Februar 2027 werden die Shortlist-Projekte zudem zur Zero Project Conference ins UN-Büro nach Wien eingeladen.
Auch vom internationalen Segelverband World Sailing gibt es Rückenwind. In einem offiziellen Empfehlungsschreiben würdigt Hannah Stodel, Para World Sailing Managerin, die Arbeit von Sail United und Watersports4all. Das Projekt leiste einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des inklusiven Segelsports und des sitzenden Wingfoilens. „Durch Innovation, Training und die Einbindung der Gemeinschaft schaffen sie neue Möglichkeiten für Seglerinnen und Segler mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und zeigen, welches Potenzial inklusive Wassersportangebote haben, um Menschen weltweit zur Teilnahme zu inspirieren“, so Stodel. Ursprünglich wollte World Sailing in dieser Saison sogar ein internationales Ausbildungsprogramm für inklusive Wassersporttrainerinnen und -trainer in Großenbrode veranstalten. Das sogenannte Inclusive Development Programme wurde zwar auf die kommende Saison verschoben, die Unterstützung für den Standort aber ausdrücklich bestätigt.
Und Michelsen arbeitet schon an der nächsten Idee: Accessible Oceans. Für das Projekt soll ein barrierefreier Offshore-Katamaran entstehen, auf dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam als Crew unterwegs sein können. Das 21 Meter lange Boot ist von Beginn an barrierefrei geplant und soll unter anderem über ein stufenloses Deck, eine höhenverstellbare Gangway, einen Treppenlift und einen barrierefreien Zugang zum Wasser verfügen. Auch Nachhaltigkeit soll beim Bau eine zentrale Rolle spielen. Gebaut werden soll der Katamaran in Lübeck. Die Konstruktion entsteht in Zusammenarbeit mit David Devilliers vom De Villiers Marine Design Team, das auf die Entwicklung von Aluminium-Katamaranen spezialisiert ist.
Mit dem Katamaran-Projekt hat sich Michelsen zudem für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft 2026 beworben und bereits die Endrunde erreicht. Die Entscheidung über die sechs Nominierten fällt Anfang September. Für Michelsen ist es nicht die erste Erfahrung mit dem Wettbewerb: Bereits 2016 gewann er den Preis für das inklusive Konzept der Wassersportschule in Großenbrode.