Mit Hein Lüth auf Erkundungstour durch Lütjenburg

06.07.2026, 15:09 Uhr
Von: Corinna Mielke
der reporter Oldenburg, KURIER

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Die meisten Gäste aber auch Einheimischen entdecken doch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Hein Lüth auf dem Brunnen und Hein Lüth davor.

Die meisten Gäste aber auch Einheimischen entdecken doch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Hein Lüth auf dem Brunnen und Hein Lüth davor. © Corinna Mielke

Wer Interesse hat, einmal mehr über die kleinste Stadt im Kreis Plön, nämlich Lütjenburg, zu erfahren, der sollte es nicht versäumen, einen Stadtrundgang mit Hein Lüth zu unternehmen. Eigentlich gehört Jochen Sauvant, so sein richtiger Name, mit seiner blauen Uniform mit goldenen Knöpfen und der Pickelhaube genauso so zum Stadtbild wie die zahlreichen roten Backsteinhäuser oder der Bismarckturm.

Nicht selten sprechen Urlauber:innen ihn an, wenn sie ihn zufällig erblicken: „Sie sind doch der Hein Lüth, oder?! Und bereitwillig steht er natürlich immer für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. Rund 1 ½ Stunden dauert der Rundgang durch Lütjenburg, inklusive diversen Stopps an historischen Orten. Begonnen wird jeden Dienstag um 11.00 Uhr bei der Tourist Info am Markt, bei der dieses Angebot auch gebucht werden kann. Als erstes dürfen die Gäste schätzen, welches wohl das älteste Haus dort am Markt ist. Tatsächlich ist es die Apotheke, die auch seit 1704 ununterbrochen als Apotheke am Markt in Betrieb ist. Etwas jünger ist das Haus, in dem die Tourist Info heutzutage untergebracht ist, ursprünglich beherbergte es eine Schmiede. Unter dem Gebimmel der Glocke, die Hein Lüth in der Hand trägt, geht es weiter auf den Parkplatz auf dem Markt. Er geht übrigens immer voran und es bedarf keiner Zebrastreifen oder Ampeln, wenn Hein Lüth mit seinen Gruppen die Straßen quert, halten alle an, ob Privatpersonen oder Busfahrer. Wo heute Autos parken, befand sich bis 1860 das Rathaus, letztlich wurde es abgerissen, weil es so baufällig war, damals gab es den passenden Spruch zu diesem Haus: In Lütjenburg, da machen sie Korn. Zu Bett gehen sie um sieben, am anderen Tag stehen sie auf um acht und auf den Kopf fällt das Rathausdach. Dann geht es weiter zur St. Michaelis Kirche. Von hier geht der Blick auf ein Geschäft, das in der Niederstraße liegt. „In Lütjenburg sind schon zahlreiche Filme gedreht worden, unter anderem auch Tod eines Mädchens mit Barbara Auer und Heino Ferch. In dem Film war das Geschäft ein Buchladen und das Drehteam fragte dann tatsächlich beim Bürgermeister an, ob die Rosen gegenüber entfernt werden können, weil das leuchtende Rot beim Dreh störte.  Der Bürgermeister verwies an mich, da ich seinerzeit den Bauhof geleitet hatte und als ehemaliger Gärtner kam es für mich überhaupt nicht in Frage, auch nur einen Rosenstiel zu köpfen. Ich schlug vor, die Rosen während des Drehs mit künstlichem Efeu zu verhängen und so wurde es dann auch letztlich gemacht“ erinnert sich Jochen Sauvant schmunzelnd.

Nach einer kleinen Führung durch die Kirche, in der als Besonderheit unter anderem die Gutslogen den Besuchern ins Auge fielen, geht es zum nächsten Stopp: die ehemalige Schnapsfabrik der Familie Hinrich Boll. 1824 wurde begonnen, hier Schnaps zu brennen und das bis zum Jahr 1994. 120.000 Liter waren es im Jahr, an den beiden Tagen, an denen gebrannt wurde, lag immer eine dichte Wolke über der Stadt. Heutzutage wird die berühmte Lütje Minze am Stadtrand gefertigt, gebrannt wird nicht mehr vor Ort, aber nasch Familienrezept verfeinert. Nach einem Besuch im Rathaus geht es weiter zu der Stätte, wo bis 1976 der Kaisersaal war, der leider einer Brandstiftung zum Opfer fiel, hier wurden alle Feste gefeiert und zugleich war er Herberge für Wandergesellen, die Zunftschilder, die kein Raub der Flammen wurden, hängen heute außen an der Gaststätte. Über den Amakermarkt geht es weiter zum Posthof. Damals war es eine Postkutschenstation, von hier ging es beispielsweise nach Oldenburg oder Kiel. Danach hatte ein Viehhändler dort seinen Standort, heutzutage trifft sich in der ehemals guten Stube der Familie Schellhorn in den Wintermonaten der Seniorenbeirat der Stadt. Vom Stadtteich aus kann man den besten Blick auf den Bismarckturm erhaschen, der umfangreich renoviert wurde und 2021 originalgetreu wieder eröffnet wurde.

Das Färberhaus von 1576, nebst Wohnung ist hier auch das beliebte Standesamt, das Heiratswillige aus ganz Deutschland anlockt.

Das Färberhaus von 1576, nebst Wohnung ist hier auch das beliebte Standesamt, das Heiratswillige aus ganz Deutschland anlockt. © Corinna Mielke

Die letzte Station, wie könnte es anders sein, ist das Färberhaus mit dem Brunnen davor, auf dem Hein Lüth zu sehen ist. Dieser wurde 1850 in Lütjenburg geboren und wurde 1890 Nachrichtenverkünder und sorgte auch als Polizeisergeant für Recht und Ordnung. Dieses Amt übte er bis 1911 aus. Das Färberhaus ist von 1576 und das älteste Haus der Stadt, hier ist auch das Standesamt zu Hause. Rund 150 Trauungen gibt es jährlich, der größte Prozentsatz fällt auf Trauungen von Auswärtigen, die sich in das zauberhafte Städtchen und die Umgebung verliebt haben, oder wer weiß, vielleicht auch im Urlaub an der Ostsee in den Partner, so daß es nur folgerichtig ist, hier auch zu heiraten. Ein Stadtrundgang mit Hein Lüth ist eine Führung mit sehr viel Herz und Heimatliebe, gratis dazu gibt es so manch guten Tipp, wo man zum Essen einkehren kann oder wo es noch ein Ausflugsziel ganz in der Nähe gibt. Und wer sich zuvor nicht schon heimlich in die pittoreske Kleinstadt verliebt hat, ist es spätestens nach dem Stadtrundgang!

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