Auf Probstenwarder und Appelwarder betätigen sich die Tiere als Naturschützer auf vier Beinen
Mit dem Floß zur Insel: Neuland für 14 Jungrinder
04.06.2026, 10:52 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Plön/Preetz
14 gut ein Jahr alte Robustrinder haben am vergangenen Sonnabend im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betreten: Die Jungtiere, eine Kreuzung aus Highland und Angus, wurden mit einem Floß auf zwei Inseln im Lanker See verschifft. Sie werden dort als Landschaftspfleger auf vier Beinen eingesetzt. Die Tiere halten die Vegetation dort kurz, denn sonst würde das Terrain verbuschen und den Vögeln in diesem Naturschutzgebiet den Platz zum Nisten nehmen.
Auch ein Kamerateam vom ZDF verfolgte das Schauspiel, das sich seit Jahren jeweils im Frühsommer und im Herbst am Strandbad Lanker See abspielt: Dann werden die Jungrinder auf das Floß verladen und zu den Inseln übergesetzt bzw. wieder abgeholt.
Acht Tiere wurden auf die Insel Probstenwerder und sechs auf Appelwarder gebracht. Die beiden nahe beieinander liegenden Inseln gehören zu unterschiedlichen Schutzgebieten – das EU-Vogelschutzgebiet „Lanker See und Kührener Teich“ bzw. das Naturschutzgebiet „Halbinseln und Buchten im Lanker See“ – und werden vom NABU Preetz-Probstei betreut. Eigentümer sind das Adelige Kloster zu Preetz bzw. die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
„Die Tiere sind mit dem Nahrungsangebot auf den Inseln zufrieden. Sie haben dort alles, was sie brauchen – auch Ruhe. An den Ufern sind verschiedene Trinkstellen“, erläutert Fiene Hartmann, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jan Nitz den Biohof Nitz in Behrensdorf leitet. „Manchmal sieht man sie im Wasser stehen, aber sie schwimmen nicht weg.“ Auch Schutzmöglichkeiten findet das Vieh auf der Insel. „Es gibt Bäume und Büsche, wo es sich in den Schatten legen kann“, meint Fiene Hartmann. Der Betrieb hat viele Flächen insbesondere von Stiftung Naturschutz für die Beweidung gepachtet. „Das ist für alle eine Win-Win-Situation – unsere Tiere grasen auf schönen Weiden und erledigen damit Naturschutzaufgaben.“
Dabei sei die Nutzung der Inseln natürlich etwas aufwendiger als auf dem flachen Land: So müssen die Jungtiere zunächst führig gemacht, also an Führungszügel gewöhnt werden, damit man sie auf dem Boot vernünftig anbinden kann. Und zur regelmäßigen Kontrolle muss ein vom NABU zur Verfügung gestelltes Ruderboot genutzt werden. Auch der Einsatz des NABU-eigenen Transportfloßes muss genau geplant werden. Dabei arbeitet man mit der Freiwilligen Feuerwehr Preetz zusammen, die ihr Motorboot als Zugmaschine einsetzt. Die Wehr nutzt die Aktion für die Ausbildung und das Training ihrer Bootsführer.
Wie NABU-Referent Manfred Bach erläutert, beherbergte die Insel Probstenwerder noch vor 20 Jahren eine große Lachmöwenkolonie. „Wegen stärkerem Bewuchs und später Einwandern von Fuchs und Marderhund sowie Prädation durch Seeadler und Uhu besiedelten die Möwen die Insel immer weniger. Inzwischen spielt die Insel als Mausergebiet für Graugänse und Nistplatz für Kiebitze eine Rolle und bietet Raum für eine bunte Vegetation von Wiesen und Sumpfpflanzen“, so Bach. Seit einigen Jahren bieten auch zwei Nistflösse vor Appelwarder etwa 40 Paaren Lachmöwen und Flussseeschwalben eine Heimat. Auf Appelwarder weiden die Rinder Gras und andere Pflanzen ab, damit die niedrigen Primelpflanzen genügend Licht abbekommen. Auf der Insel gibt es einen bedeutenden, schützenswerten Bestand von Wiesenschlüsselblumen. Auch viele weitere besondere Pflanzen – von den Knabenkraut-Orchideen bis zur Natternzunge – werden auf diese Weise bewahrt. „Für Bienen und Hummeln, Schmetterlinge, Grillen und Käfer in zahlreichen Arten bieten die Inseln ein Refugium ohne Biozide“, so Manfred Bach. So tragen die Vierbeiner dazu bei, wichtige Lebensräume für Pflanzen, Vögel und Insekten zu erhalten.
Wer den Rinderauftrieb am Lanker See noch einmal in bewegten Bildern sehen möchte, findet auf www.zdfheute.de den Clip „Almauftrieb in Schleswig-Holstein“.