Flo‘s kleine Welt wird am Wendtorfer Bottsand zum Treffpunkt
Mehr als Café und Campingladen
11.06.2026, 16:00 Uhr
Von:
Markus Münch
PROBSTEER
Flo Binninger in seiner „kleinen Welt“. © Markus Münch
Seit Beginn der Saison betreibt Florian Binninger „Flos kleine Welt“ beim Campingplatz Regenbogen in Wendtorf. Zwischen Versorgung, Café und Stammtisch ist ein Ort entstanden, an dem viele gern länger bleiben.
Hier an der Ostsee, direkt hinterm Deich, ist es noch ruhig während der Vorsaison. Graue Wolken ziehen über den Himmel, nur selten passiert ein Auto die Schranke des Campingplatzes. Ein paar Schritte weiter, vor dem weiß gestrichenen Haus von Flos kleiner Welt, sitzen Männer und Frauen an einem großen Holztisch, trinken Bier oder Kaffee, würfeln, reden und lachen. Aus einem Radio dudelt Musik.
Drinnen hält Florian Binninger Laden und Café am Laufen. Ein Mann in kurzer Hose steckt den Kopf zur Tür herein. „Machst du mir einen Cappuccino?“, ruft er. „Was nimmst du heute dazu?“, antwortet Binninger lachend und verschwindet kurz im Nebenraum. Der Mann ist einer von zahlreichen Stammgästen. Man ist perdu. Dann kommen ein Mann und eine Frau mit Fahrradhelmen in der Hand herein. Vor der Tour wollen sie noch Getränke mitnehmen. Sie gehen an den Regalen entlang, schauen sich um, vergleichen. Schließlich haben sie das Passende gefunden. Derweil serviert Binninger den Cappuccino und plaudert locker, doch zugewandt, schon mit den nächsten Kunden.
Camping ist das Topthema, doch längst nicht das einzige, über das geklönt und geschnackt wird. © Markus Münch
Dass Binninger mit Leuten kann, ist kein Zufall. Er ist als Schaustellerkind großgeworden, zwischen Schießbuden und Fahrgeschäften. Später machte er eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann und arbeitete als Marktbeschicker. Auf Märkten, sagt er, müsse man auf Menschen zugehen können. Mit Flos kleiner Welt hat Binninger gefunden, was ihm immer vorschwebte: „Es ist das, wovon ich schon als Jugendlicher geträumt habe.“ In Wendtorf fühlt er sich am richtigen Ort. „Ich liebe den Norden, weil die Leute so herzlich sind. Mit der Mentalität hier komme ich am besten klar,“ sagt der 43-Jährige. So locker der Ton im Laden ist, der Tag dahinter ist lang. Damit morgens die Brötchen fertig sind, klingelt um vier Uhr der Wecker. Um sieben macht er auf. Offiziell schließt er um 17 Uhr, bei gutem Wetter später. Laden und Café stemmt er bis Ende Oktober allein.
Hat stets einen flotten Spruch auf den Lippen: Florian Binninger. © Markus Münch
Viel Platz bleibt in Flos kleiner Welt nicht. Getränke stehen dicht an dicht, dazu Campingzubehör, nützlicher Kleinkram und allerlei für den täglichen Bedarf. Der Laden wirkt voll bis unter die Decke, aber nicht überladen. Wer auf dem Platz noch etwas braucht, muss oft nicht mehr weitersuchen. Was fehlt, wird kurzfristig besorgt. Kein Problem für Binninger, der selbst Camper ist.
Zum Laden gehört auch ein Café. Es gibt Kaffee, Kuchen und Gebäck. Dazu ein „Brotzeit-Brettl“ mit Wurst, Käse, Ei und selbstgemachter Marmelade. Die Auswahl kennt er aus Niederbayern. Nun hat er sie an die Ostsee mitgebracht. „Die Platte ist der Renner“, sagt der Mann aus Regensburg. Inzwischen findet montags bis freitags von 14 bis 15 Uhr ein Stammtisch statt. Die Idee dazu hatte Binninger, der hier mehr will als bloß Ware über den Tresen zu reichen. „Ich möchte, dass Leute zufrieden und mit einem Lächeln aus dem Laden gehen, auch wenn sie nichts kaufen“, sagt er. Unterdessen stehen drei Kinder vor dem Regal mit Süßigkeiten, eine Frau fragt nach Mineralwasser, und wieder entspinnt sich ein kurzer Schnack. Vor der Tür wird weiter gewürfelt. Trotz trüben Wetters. Viele bleiben gern ein wenig länger.