Zirkusprojekt an der Eutiner Wisserschule zeigt Schüler*innen in neuem Licht

Manege frei für neue Erfahrungen

17.07.2026, 17:01 Uhr
Von: Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente

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Lilly Traber (6.v.li.) leitete dabei erstmals eine eigene Gruppe, die mit einem modernen Tüchertanz begeisterte.

Lilly Traber (6.v.li.) leitete dabei erstmals eine eigene Gruppe, die mit einem modernen Tüchertanz begeisterte. © Astrid Jabs

Für die fünften und sechsten Klassen der Eutiner Wilhelm Wisser-Gemeinschaftsschule endete das Schuljahr mit einem großen Auftritt: Mit der renommierten Zirkusfamilie Traber bereiteten sie ein buntes Zirkusprogramm vor und zeigten sich in ganz neuem Licht.

Der Perspektivwechsel könnte kaum konsequenter ausfallen: Schülerinnen und Schüler, die sonst in Schulbänken über Mathe und Deutsch brüten, präsentierten sich in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien in der Manege eines echten Zirkuszeltes als Fakire, Jongleurinnen, tanzend und Feuer spuckend, als Clowns, am Trapez oder mit Zauberkräften einem begeisterten Publikum. Das Zirkusprojekt mit der namhaften Traber-Familie hat Tradition an der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule. Die Artisten und Artistinnen haben sich im Bereich Zirkuspädagogik weitergebildet und konzentrieren sich darauf, Kindern und Jugendlichen eine besondere Erfahrung zu ermöglichen: „Unser Schwerpunkt liegt auf der Arbeit in Grundschulen, hier in der Wisserschule stellen wir mit fünften und sechsten Klassen ein Programm auf die Beine“, berichtet Pascal Traber, während sich im Hintergrund eine Gruppe für den Tüchertanz Aufstellung nimmt.

Die älteren Kinder bräuchten ein bisschen Extra-Motivation: „Aber wenn sie dann einmal in der Manege stehen, fangen sie alle Feuer“, schildert der Artist. Zirkus ist bei den Trabers Familiensache: Schwester, Cousine, die Brüder – alle sind dabei. „Und in diesem Jahr leitet meine Tochter Lilly zum ersten Mal eine eigene Gruppe an“, sagt der Vater voller Anerkennung. Die 16-Jährige, die gerade den Mittleren Schulabschluss gewuppt hat, hat mit ihren Schützlingen einen Tanz einstudiert, den die meisten von TikTok kennen. Nun steht die Generalprobe an und mit sicherem Blick ordnet sie die Formation, ehe sie Ablauf, Schrittfolgen und Bewegungen noch einmal konzentriert durchgeht. Ihre freundliche Geduld fällt auf und sie vermittelt den Jungen und Mädchen ganz offenbar Sicherheit: „Es macht einfach Spaß“, sagt die junge Anleiterin und erklärt auch, warum: „Alle haben super mitgemacht!“ Noch ehe es ins Scheinwerferlicht geht, lobt sie ihre Truppe: „Ich bin richtig stolz auf euch!“ Auch zur Generalprobe sind die Zuschauerbänke vollbesetzt: Klassen der Grundschule am Kleinen See, wo auch die fünften und sechsten Klassen der Gemeinschaftsschule untergebracht sind, freuen sich über die tolle Show und sparen nicht mit Applaus: „Das ist viel besser als Unterricht“, versichert ein Erstklässler.

Auch Lehrerin Ulrike Awe genießt die Abwechslung. Die erfahrene Pädagogin ist für den Standort am See zuständig und weiß, was die Zirkustage für die jungen Menschen bedeuten: „Es gibt so viele tolle Momente: wenn sich Schüler, die erst ganz skeptisch waren, dann doch auf das Projekt einlassen und zeigen, was sie können, zum Beispiel.“ Die freundliche Resonanz des gleichaltrigen Publikums freut sie besonders: „Die haben während der ersten Probe ganz herzlich Beispiel gespendet!“ Und noch etwas ist ihr aufgefallen: „Schön ist, dass es nicht mehr die vermeintlich typischen Verteilungen gibt“, sagt sie und fährt fort: „Jungen turnen am Trapez und tanzen, Mädchen sind als Fakire dabei. Das macht die Familie Traber ganz toll!“

Das Erlebnis, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, beginnt schon beim Aufbau des Zeltes am Sonntag vor der Projektwoche. Gut 25 Lehrkräfte und Elternteile waren in diesem Jahr gekommen, um anzupacken, damit 160 Kinder ganz neue Seiten an sich entdecken konnten. „Sich in den Gruppen zu mischen, auch mit Kindern in Kontakt zu kommen, die sonst nicht zum Freundeskreis gehören, und sich am Ende etwas zu trauen, was man sich zuvor nicht getraut hat, ist ein Erfolgserlebnis, das die Kinder stark macht“, weiß Pascal Traber. Die Kinder bestätigen diese Einschätzung: „Ich dachte, ich verhaue das, aber es hat gut geklappt“, berichtet Luca vom Tüchertanz. Aufregung sei dabei, gibt Lea unumwunden zu: „Mir hilft, dass meine Eltern kommen und zusehen!“ Die Reaktion der Kinder beantwortet dann auch die Frage, ob das Zirkusprojekt noch zeitgemäß ist: „Was wir jetzt am Ende der Woche sehen, bestätigt uns: Das ist genau der richtige Weg und passt zu unserem Profil, als Schule Projekte nah an der Lebenswirklichkeit anzubieten und den Schülerinnen und Schülern die Erfahrung der Selbstwirksamkeit zu ermöglichen“, resümiert Ulrike Awe.

Für die nächste Saison gibt es noch einige freie Termine im Kalender des Kinderzirkus Traber. Alle Infos finden Interessierte auf www.kinderzirkus-oh.de.

Spektakulär wurde es nicht nur beim Feuerspucken.

Spektakulär wurde es nicht nur beim Feuerspucken. © hfr

In der Manege lernten die Kinder neue Seiten an sich kennen.

In der Manege lernten die Kinder neue Seiten an sich kennen. © hfr

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