Protest gegen Krischansbarg-Pläne
Leise Demo, klare Botschaft
01.09.2026, 14:20 Uhr
Von:
Markus Münch
PROBSTEER
Zwei Polizisten stehen vor der Mensa der Offenen Ganztagsschule. Zu tun haben sie an diesem Montagabend, 31. August, nichts. Keine lauten Parolen, keine hitzigen Wortgefechte, keine Empörungsreden. Rund 60 Menschen sind gekommen, um gegen die bisherige Planung für das Wohngebiet Krischansbarg zu protestieren. Es ist auffallend still. Nur vereinzelt stehen Demonstranten zusammen und unterhalten sich leise. Über der Versammlung liegt eine beinahe gedrückte Stimmung.
Umso deutlicher sprechen die zahlreichen Plakate. Die meisten sind aus Pappkarton selbst gebastelt. „Stop den Flächenfraß“ ist zu lesen. Oder: „Sozialer Wohnungsbau ist kein Schimpfwort“. Auf einem anderen steht: „Wir fordern seniorengerechten Wohnraum mit Pflegeeinrichtung“. Auf einem großen weißen Stoffbanner steht: „Transparenz, Bürgerbeteiligung und städtebaulicher Vertrag öffentlich“.
Polizei und Veranstalter sprechen übereinstimmend von etwa 60 Teilnehmern. Die Organisatoren zeigten sich damit zufrieden. Angesichts des schlechten Wetters und der recht spontanen Vorbereitung sei die Beteiligung erfreulich. Unter dem Motto „Wohnungsbau ja, aber ökologisch und bezahlbar“ hatten das Aktionsforum für Nachhaltigkeit, die Bürgerstiftung Fördeufer und der Runde Tisch Demokratie Schrevenborn zu dem Protest aufgerufen. Demonstrationen gehören in Heikendorf nicht gerade zum Alltag. Doch der Streit um den Krischansbarg treibt an diesem Abend rund 60 Menschen vor die Mensa.
Der Unmut richtet sich gegen die bisherigen Pläne für das neue Wohnquartier. „Wir wollen deutlich machen, dass es viele Menschen gibt, deren Bedenken gesehen werden müssen und an denen nicht einfach vorbei entschieden werden darf“, stellt Sabine Wallbott klar, die ebenfalls dem Vorstand des Aktionsforums angehört.
Konkreter Anlass für die Demonstration ist die anschließende Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. Dort steht der Bebauungsplan 82 zur Beratung. Im nichtöffentlichen Teil geht es außerdem um den städtebaulichen Vertrag. Darin können nach Angaben der Veranstalter unter anderem Vorgaben zum sozialen Wohnungsbau und zur Umweltbegleitung festgelegt werden.
Bereits im Vorfeld hatte Jutta Briel vom Aktionsforum für Nachhaltigkeit erklärt: „Unsere Punkte sind längst bekannt, wurden aber einfach nicht gehört.“ Mit der Demonstration wolle das Bündnis zeigen, „dass wir nicht nur ein paar Mann sind, die Kritik an der jetzigen Planung haben, sondern ziemlich viele“. Auch bei einigen Gemeindevertretern gebe es durchaus Zweifel.
Über die Größenordnung des Wohnquartiers gibt es unterschiedliche Angaben. Das Aktionsforum spricht von fast 600 Wohnungen und Häusern, die Planer von rund 500. Vorgesehen sind unter anderem Seniorenappartements und öffentlich geförderter Wohnraum. Die Initiativen halten das Vorhaben in seiner bisherigen Form dennoch für zu groß. Sie kritisieren die Auswirkungen auf Natur und Klima und bezweifeln, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum gesichert ist.
Zu ihren Forderungen gehören mehr Sozial- und Genossenschaftswohnungen, zusätzliche Seniorenwohnungen, klimafreundlichere Baustoffe, eine Busanbindung sowie die Veröffentlichung des städtebaulichen Vertrags.
Friedlich sollte der Protest nach dem Willen der Veranstalter bleiben. Das ist er auch. Als die Ausschusssitzung näher rückt, stehen die Demonstranten noch immer ruhig vor der Mensa.
In der anschließenden Sitzung des Bau- und Umweltausschusses berieten die Mitglieder über den Bebauungsplan 82. Im nichtöffentlichen Teil stand die Schlüsselfrage auf der Tagesordnung: der städtebauliche Vertrag. „Wir haben bis kurz vor Mitternacht getagt“, teilte Ausschuss-Mitglied Thies-Peter Otzen auf Anfrage mit. Den Vertragsentwurf habe man intensiv durchgearbeitet und „zum Wohl der Bevölkerung“ einige Ergänzungen vorgenommen. Details hierzu dürfe er allerdings noch nicht nennen.