Brandender Applaus für eine heiße Aufführung

Lachmöwen-Premiere: „Brandstiftung“ hat gezündet

06.08.2026, 15:39 Uhr
Von: Lotta Schneider
PROBSTEER

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Das Lachmöwenensemble begeisterte bei der Premiere des Jubiläumsstücks „Brandstiftung“.

Das Lachmöwenensemble begeisterte bei der Premiere des Jubiläumsstücks „Brandstiftung“. © Lotta Schneider

Mit begeistertem Applaus endete die Premiere von „Brandstiftung“ bei den Laboer Lachmöwen, einer Inszenierung, die gekonnt Humor, Spielfreude und gesellschaftlichen Zwischentöne verband. Das Publikum hielt es am Schluss nicht auf den Sitzen.

Und das in einem Theatersaal, dessen traditionsreiches, einst vom Ohnsorg-Theater übernommenes Gestühl den besonderen Charme dieses kulturellen Kleinods im Kreis Plön sicht- und sitzbar unterstreicht. 
Regisseur Michael Koch verleiht dem Nachkriegsschwank eine unverwechselbare Handschrift. Anstatt den fiktiven Handlungsort Lünkenhagen im Ungefähren zu belassen, verlegt er ihn mitten in die Probstei. Dadurch gewinnt die Geschichte an regionaler Identität und Nähe, ohne ihren universellen Charakter zu verlieren.
Das Ensemble überzeugt durchweg mit großer Spielfreude und prägnanten Figurenzeichnungen. Besonders Heidi Mahler als Witwe Facklamm und Jan Steffen als Pastor Brand prägen den Abend mit ausdrucksstarken Darstellungen.

Bei der Premiere von „Brandstiftung“ ging es heiß her: Heidi Mahler und Jan Steffen glänzten in den Hauptrollen und sorgten als Witwe Facklamm und Pastor Brand für spannungsgeladene Bühnenbegegnungen im Lachmöwentheater.

Bei der Premiere von „Brandstiftung“ ging es heiß her: Heidi Mahler und Jan Steffen glänzten in den Hauptrollen und sorgten als Witwe Facklamm und Pastor Brand für spannungsgeladene Bühnenbegegnungen im Lachmöwentheater. © Lotta Schneider

Mahler verleiht ihrer Figur markante Konturen zwischen Komik und Temperament, während Steffen den doppelbödigen Seelsorger mit viel Charisma und feinem Gespür für Timing verkörpert. Beide tragen entscheidend dazu bei, dass die Inszenierung weit mehr ist als eine bloße Schwank-Komödie.

Wer mag der Branstifter sein? Christian Becker spielt den scharfsinnigen Ostpreußen Herrn Mattuscheid (r.), der Jan Steffen alias Pastor Brand seine Beobachtungen aus der Brandnacht schildert.

Wer mag der Branstifter sein? Christian Becker spielt den scharfsinnigen Ostpreußen Herrn Mattuscheid (r.), der Jan Steffen alias Pastor Brand seine Beobachtungen aus der Brandnacht schildert. © Lotta Schneider

Auch die Nebenrollen setzen starke Akzente. Für eine besondere Note sorgt Christian Becker, der seine Figur als ostpreußischer Flüchtling anlegt. Mit großer Sorgfalt hat er sich anhand historischer Texte sowie Film- und Tonaufnahmen eine heute nahezu ausgestorbene ostpreußische Sprachfärbung angeeignet. Das Ergebnis wirkt authentisch, überraschend und verleiht der Aufführung eine zusätzliche kulturelle Note.
Der Humor kommt während des gesamten Abends nicht zu kurz. Pointen sitzen sicher, Situationskomik entfaltet ihre Wirkung, und immer wieder sorgen unerwartete Einfälle für zusätzliche Lacher. Das Publikum reagiert bereits während der Vorstellung mit spontanem Szenenapplaus.

Der Brandinspektor (Michael Schmidt ) ringt zäh um neue Erkenntnisse bei der Befragung von Witwe Facklamm (Heidi Mahler) und Pastor Brand (Jan Steffen).

Der Brandinspektor (Michael Schmidt ) ringt zäh um neue Erkenntnisse bei der Befragung von Witwe Facklamm (Heidi Mahler) und Pastor Brand (Jan Steffen). © Lotta Schneider

Bemerkenswert ist jedoch, dass „Brandstiftung“ nicht in nostalgischer Folklore verharrt. Die Inszenierung macht deutlich, dass auch ein Schwank der Nachkriegszeit aktuelle gesellschaftliche Fragen berühren kann. Die eingearbeiteten Vorurteile gegenüber Erntehelfern werden nicht unkritisch reproduziert, sondern regen dazu an, über Ausgrenzung und gesellschaftliche Mechanismen nachzudenken. Damit schlägt die Aufführung eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zeigt, wie zeitlos Fragen nach Toleranz, Zusammenhalt und Menschlichkeit geblieben sind.

Über die Folgen der Brandnacht sind Pastor Brands Haushälterin Meta (Verena Peters), Witwe Facklamm (Heidi Mahler) und Kaufmann Dreyer (Asmus Finck-Stoltenberg) im Austausch.

Über die Folgen der Brandnacht sind Pastor Brands Haushälterin Meta (Verena Peters), Witwe Facklamm (Heidi Mahler) und Kaufmann Dreyer (Asmus Finck-Stoltenberg) im Austausch. © Lotta Schneider

Mit dieser gelungenen Premiere beweisen die Lachmöwen eindrucksvoll, dass plattdeutsches Theater keineswegs ein Relikt vergangener Zeiten ist. Michael Koch und das Ensemble präsentieren eine ebenso unterhaltsame wie kluge Inszenierung, die das Publikum bestens amüsiert und zugleich zum Nachdenken anregt. Der lang anhaltende Schlussapplaus und die stehenden Ovationen waren der verdiente Lohn für einen rundum gelungenen Theaterabend. Weitere Infos: www.lachmoewen.de

Er pflegt den guten Draht zum lieben Gott: Pastor Brand, gespielt von Jan Steffen.

Er pflegt den guten Draht zum lieben Gott: Pastor Brand, gespielt von Jan Steffen. © Lotta Schneider

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