Lachmöwen feiern Jubiläum mit Gala-Vorstellung
15.09.2026, 08:24 Uhr
Von:
Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz,
PROBSTEER
Es rumort auf der Lachmöwen-Bühne, unterbrochen von Lachsalven und aufbrandendem Applaus im Publikum. Das Jubiläumsstück „Brandstiftung“ erweist sich auch bei der Gala des Theaters als erfolgreiche „Burner“ mit dem Potenzial zur Anstiftung guter Laune. Und das nicht nur beim Schirmherrn des Theaters, Ministerpräsident a. D. Peter Harry Carstensen, einer, der mit Plattdeutsch aufgewachsen ist. Neben ihm amüsiert sich sein Nachfolger im Amt, Ministerpräsident Daniel Günther.
So wie die Extravorstellung auch bei zahlreichen weiteren prominenten Gästen gemeinschaftlichen Spaß entfacht. Kreispräsidentin Hildegard Mersmann und Landrat Björn Demmin sind unter ihnen. Nicht besser hätte „Brandstiftung“ zur 40-Jahr Feier zünden können, muss so eine Zäsur doch immer auch den Blick in die Zukunft lenken. Peter Harry Carstensen nutzte die aufgeräumte Stimmung im Anschluss denn auch für ein humorvolles Intermezzo unter eigener Regie und rührte in seiner Rolle als Schirmherr für den Verein „Freunde des Lachmöwen-Theaters“ die Werbetrommel. Das Ganze wohlbedacht „op Platt“ – wie sollte es anders sein? – und mit selbstironischen Pointen gespickt, authentisch locker aus der Hüfte geschossen. Aber in ernster Mission: Es komme nicht nur auf die Bühnendarsteller an, so Carstensens Kernbotschaft. Vielmehr sei die Realisierung eines solchen Kulturerlebnisses erst durch viele Unterstützer, Jahres- und Spendenbeiträge möglich. Ein ganzes Team wirkt für die Umsetzung der künstlerischen Arbeit hinter den Kulissen. Das semiprofessionelle Theater wird von ehrenamtlichen Kräften getragen und „der Laden am Laufen gehalten“, wie man salopp so sagt. Dieses breit geschulterte Engagement in diesem Theater hat dem Kreis Plön ein kulturell weit ausstrahlendes Aushängeschild geschenkt: Die Lachmöwen verbuchen Besucher aus ganz Norddeutschland.
Dieses Potenzial und den daraus abzuleitenden Stellenwert im Kulturland Schleswig-Holstein hob auch Daniel Günther hervor. Orte der kulturellen Identität seien gerade in den Zeiten wichtig, „wo vieles um uns herum verrückt wird“, erklärte er. „Ein unfassbar wichtiges Kulturgut.“ Zumal das Niederdeutsche verloren zu gehen drohe, würden nicht Menschen diese Sprache „mit Leib und Seele“ weitervermitteln, Engagierte wie das Lachmöwen-Ensemble und alle, die sie unterstützen. Erst im vergangenen Jahr hatte Daniel Günther Bühnenleiter Jan Steffen das Bundesverdienstkreuz verliehen und damals versprochen, sich eine Aufführung der Lachmöwen selbst anzusehen – es wurde die Jubiläumsaufführung „Brandstiftung“. Premiere also für den Ministerpräsidenten beim runden Geburtstag des Ensembles, das sich seit seiner Gründung 1986 der niederdeutschen Sprache
verschrieben hat. „Dass ihr das so hochhaltet, ist schon ein besonderer Wert“, unterstrich er anerkennend.
Asmus Finck-Stoltenberg vom Lachmöwenensemble, bekannt und beliebt in zahlreichen Rollen, erklärte dem PROBSTEER, was die Pflege des Niederdeutschen in seiner Biografie bedeutet hat. Beinahe hat die Plattdeutsche Sprache ihm, zumindest in jungen Jahren, das Stigma eines Außenseiters verpasst: „De anner Kinner hebbt mi utlacht!“, erzählt er.
Später änderte sich das. Seine einst verschmähten sprachlichen Fähigkeiten waren gefragt, stellte Finck-Stoltenberg fest. Noch immer bringt er andere zum Lachen – und das im allerbesten Sinne der Kulturpflege im Zuge des Theaterspiels bei den Lachmöwen.
Bühnenleiter Jan Steffen freute sich, das Jubiläumsstück vor so viel politischer Prominenz präsentieren zu können. Es handle sich um das letzte Stück, das auch im alten Ohnsorgtheater gespielt worden war, berichtet er. „Wir haben das zum Anlass genommen, Brandstiftung 2016 zum 30-jährigen Jubiläum zu spielen und jetzt noch mal.“ Die Geschichte: Damals wie heute ein absoluter Renner, sagt Steffen. Das liege daran, dass der Autor Günther Siegmund das Stück so geschrieben habe, dass es auf die heutige Zeit gut übertragbar sei.
Und der Erfolg gibt den Lachmöwen auch bei dieser Vorstellung Recht. Wer hier auf original Ohnsorg-Gestühl, das 2011 eingebaut wurde, Platz nimmt, genießt authentische Theaterkunst in plattdeutscher Sprache. Und man versteht sie auch als Nicht-Plattschnacker…