Trauergruppe der Hospizinitiative für Kinder und Jugendliche

„Kindertrauer ist bunt“

31.08.2026, 08:56 Uhr
Von:
der reporter Eutin/Malente

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Gabriele Kastner-Riegert und Sabine Kayser (re.) gehören zum Team der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche und lassen manchmal auch die Puppen sprechen.

Gabriele Kastner-Riegert und Sabine Kayser (re.) gehören zum Team der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche und lassen manchmal auch die Puppen sprechen. © Astrid Jabs

„Ein gut durchlebter Trauerprozess ist eine Voraussetzung, als Erwachsene heil zu sein.“ Sabine Kayser sagt diesen Satz am Ende eines langen Gespräches über die Arbeit der Trauergruppe für Kinder und Jugendliche. Die Eutiner Hospizinitiative bietet jungen und sehr jungen Menschen, die jemanden verloren haben, an jedem zweiten und vierten Montag im Monat von 16 bis 17.30 Uhr die Möglichkeit, sich in einer Gruppe zu treffen. Vor einer ersten Teilnahme wird in einem Gespräch ausgelotet, was geschehen ist und wo Trauer und Probleme damit liegen.

Denn wenn der Tod in ein Kinderleben einbricht, gerät vieles aus dem Gleichgewicht. Der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen in einer ähnlichen Situation kann helfen, für den Verlust und alle Gefühle, die damit verknüpft sind, einen Platz im eigenen Leben zu finden: „Es ist beeindruckend das Miteinander der Kinder zu sehen, die sich nicht erklären müssen, weil alle wissen, wie es ist, wenn ein Mensch stirbt, den man liebhat. Das schafft Verbundenheit“, schildert Sabine Kayser. Alter spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen fünf und 14 Jahren alt: „Sie achten aufeinander“, sagt Kayser.

Die Zusammenkünfte beginnen mit einem festen Ritual. Die Klangschale setzt einen Impuls, die Kinder kommen zur Ruhe, eine große Kerze spendet Licht und jedes Kind zündet eine eigene Kerze an. Mit der Frage „Was gibt es bei Euch?“ öffnen die Trauerbegleiterinnen die Tür zum Gespräch. Wer etwas zu erzählen hat, erzählt; ein ungezwungener Austausch kommt in Gang. Dann wird gebastelt, gespielt, es gibt Kreativangebote, manchmal kocht die Runde gemeinsam: „Wir bereiten das sorgfältig vor“, sagt Trauerbegleiterin Gabriela Kastner-Riegert. Bilder und Basteleien können helfen, Gefühle auszudrücken, für die Kinder keine Worte haben: „Auf einem Körperumriss kann man zum Beispiel schauen: Wo sitzen Trauer, Schmerz und Wut?“, erläutert Sabine Kayser. Die Emotionen zuzulassen ist genauso wichtig wie die Akzeptanz der Erwachsenen für die besondere Trauer der Kinder und Jugendlichen: „Mein Kind trauert und weint gar nicht“, das haben die Trauerbegleiterinnen mehr als einmal gehört. Sie wissen es besser: „Kindertrauer ist sehr bunt, kann unheimlich schnell von tiefbetrübt zu froh wechseln“, beschreibt Sabine Kayser und führt aus: „Kinder leben im Hier und Jetzt und sie brauchen Normalität, sie wollen auch fröhlich sein und Quatsch machen.“ Gleichwohl vermissen den geliebten Menschen nicht weniger als die Erwachsenen.

Ihre Fragen zum Sterben und zum Tod ernstzunehmen, Antworten zu geben, ist essentiell für den Trauerprozess. In der Gruppe ist dafür Raum: „Hier kann zum Beispiel gefragt werden, was mit dem Körper passiert“, so Kastner-Riegert. Kinder schonen zu wollen, könne das Gegenteil bewirken: „Dann machen sie sich eigene Gedanken, und die sind häufig belastender.“

Der Appell der Trauerbegleiterinnen ist an dieser Stelle sehr klar: „Lasst die Kinder teilhaben!“ Den Blumenschmuck für die Trauerfeier gemeinsam auszusuchen, mit den Kindern Kerzen zu gestalten und sie diese bei der Beisetzung tragen zu lassen, die Urne zu bemalen, kann Halt geben und ängstliches Schweigen in den Familien überwinden. „Für Beerdigungen empfehlen wir, den Kindern eine vertraute Person zur Seite zu stellen“, merkt Sabine Kayser an. Diese Aufgabe können auch die Trauerbegleiterinnen übernehmen. Denn die Trauerangebote für Kinder und Jugendliche greifen nicht erst, nachdem ein Mensch gegangen ist. Den Kindern Nähe zu den Sterbenden zu ermöglichen, ihnen zu zeigen „Du kannst Abschied nehmen!“ macht es vielen Kindern leichter, das Geschehen zu begreifen, betonen die Trauerbegleiterinnen, die auch in einer solchen Situation da sind.

Zu der Erschütterung innerhalb der Familie kommen die Reaktionen aus dem Umfeld. Kindergarten und Schule spielen eine zentrale Rolle im Alltag der Kinder und Jugendlichen. Sie dorthin zu begleiten und in ihrer Gruppe oder Klasse ins Gespräch zu kommen über Sterben und Tod, kann Verständnis für trauernde Kinder wachsen lassen und Berührungsängste nehmen: „Auch das bieten wir an“, sagt Sabine Kayser.

Häufig haben die Kinder Angst, die verstorbenen Menschen zu vergessen: „Dann zeigen wir, wie man die Erinnerungen bewahren kann“, so Kayser. Das kann ein Schatzkästchen sein, aber auch die Vorstellung, wie es weitergeht nach dem Tod. Es gibt nicht den einen Weg, zu trauern und mit der Trauer zu leben, aber es gibt für jedes Kind einen Weg – diese Botschaft vermitteln die Trauerbegleiterinnen der Hospizinitiative in der Gruppe und auch in Einzelbegleitungen. Sabine Kayser formuliert es so: „Trauer braucht Zeit und der Verlust gehört zum Leben der Kinder und Jugendlichen. Wir können ihre Stütze sein.“

Das nächste Treffen der Trauergruppe für Kinder und Jugendliche findet am Montag, 14. September, um 16 Uhr in der Albert-Mahlstedt-Straße 20 statt. Eine erste Anmeldung ist erforderlich unter dem Trauertelefon 04521-401882. Der Anrufbeantworter wird regelmäßig abgehört. Das Angebot ist kostenlos und natürlich unabhängig von Konfession oder Herkunft. Weitere Informationen gibt es auf www.hospizinitiative-eutin.de/fuer-kinder-und-jugendliche.html .

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