DGzRS: Steigende Einsatzzahlen und dicht befahrenes Revier

„Jedes Leben zählt“

28.05.2026, 08:45 Uhr
Von: Nicola Krüger
Fehmarnsches Tageblatt

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Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat beim Seenotretter-Aktionstag zahlreiche Besucher in den Hafen
Burgstaaken gelockt.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat beim Seenotretter-Aktionstag zahlreiche Besucher in den Hafen Burgstaaken gelockt. © Kretschmer

Fehmarn – Zwischen Fehmarnbelt und Fehmarnsund sichern die freiwilligen Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) eines der meistbefahrenen Seegebiete der Ostsee ab. Rund 35000 Schiffsbewegungen jährlich, dichter Berufs- und Fährverkehr sowie zahlreiche Wassersportler stellen die Besatzungen vor wachsende Herausforderungen. Beim Seenotretter-Aktionstag im Hafen Burgstaaken wurde kürzlich deutlich, wie anspruchsvoll die Einsätze auf See geworden sind und wie unverzichtbar die Retter für die Region bleiben.

Für die Station Fehmarn beobachte man aktuell zwar einen Anstieg der Einsatzzahlen, auch wenn diese naturgemäß Schwankungen unterliegen: 2025 registrierte die DGzRS bundesweit rund 2000 Einsätze, davon 63 vor Fehmarn. Dabei wurde 78 Menschen geholfen, sechs davon aus unmittelbarer Lebensgefahr. „Es waren schon viele Einsätze für die Station“, so DGzRS-Pressesprecher Ralf Baur aus Bremen. Im Jahr zuvor waren es 60 Einsätze mit 68 geretteten Menschen – und damit bereits ein sehr hohes Niveau. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag die Zahl der Einsätze noch bei 23.

Woher der Anstieg genau komme, lasse sich nicht eindeutig sagen. Klar sei jedoch, dass die Präsenz vor Ort bei dem dichten Verkehrsaufkommen rund um die Insel entscheidend sei. Denn am Ende, das betont Baur, gelte vor allem eines: „Jedes Leben zählt.“

Mitmachaktionen begeisterten auch die jungen Besucher.

Mitmachaktionen begeisterten auch die jungen Besucher. © Kretschmer

Bei jedem Wetter auf See

Rund 20 ehrenamtliche Seenotretter versehen auf Fehmarn ihren Dienst rund um die Uhr und bei jedem Wetter. Das Revier umfasst neben dem Fehmarnbelt auch den Fehmarnsund und die küstennahen Gewässer Ostholsteins. Die Besatzungen arbeiten eng mit den Stationen in Großenbrode und Heiligenhafen sowie mit dänischen Rettungseinheiten zusammen. Finanziert wird die gesamte Arbeit der DGzRS ausschließlich über freiwillige Zuwendungen; staatliche Zuschüsse nimmt die Gesellschaft nicht in Anspruch.

Im Mittelpunkt des Aktionstages standen die beiden Seenotrettungsboote „Helene“ und „Romy Frank“, die in Burgstaaken und Puttgarden stationiert sind. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, die Boote aus nächster Nähe zu besichtigen, selbst einmal am Ruder Platz zu nehmen oder mit den Besatzungen über deren oft gefahrvollen Alltag auf der Ostsee ins Gespräch zu kommen. Ergänzt wurde das Programm durch einen Pavillon mit informativen Schaustücken sowie Modellen vieler DGzRS-Rettungskreuzer.

Die „Helene“ liegt erst seit 2024 in Burgstaaken. Beide Einheiten sind für schnelle Rettungseinsätze bei schwierigen Wetterbedingungen ausgelegt und mit moderner Navigations-, Kommunikations- und Rettungstechnik ausgestattet.

Besonders großes Interesse fanden die praktischen Vorführungen im Hafenbecken. Bei einer Rettungsübung ließ sich Seenotretter Lars Wohler mit aufgeblasener Rettungsweste im Wasser treiben, um die Bergung einer verunglückten Person zu demonstrieren. Mithilfe einer Rettungsstange wurde er an die seitliche Bergungsöffnung der „Romy Frank“ geführt und anschließend von mehreren Rettern an Bord gezogen. Die Übung wurde mehrfach wiederholt, damit möglichst viele Zuschauer den Ablauf verfolgen konnten.

Im Anschluss simulierten die Seenotretter die Versorgung eines bewusstlosen Geretteten. Eine Übungspuppe wurde auf einer Trage vom Rettungsboot an Land gehoben und direkt an der Kaimauer reanimiert. Die Retter zeigten dabei die Herz-Lungen-Wiederbelebung nach der 30:2-Regel mit Herzdruckmassage und Beatmung. Viele Besucher informierten sich im Anschluss gezielt über Erste Hilfe und Rettungstechniken.

Auch Mitfahrten standen auf dem Programm. Fördermitglieder der DGzRS konnten an Ausfahrten teilnehmen und die Arbeit der Seenotretter auf See unmittelbar erleben. Selbst Besucher, die ihre Fördermitgliedschaft erst vor Ort abschlossen, durften bereits mit an Bord gehen.

Die Geschichte der Seenotrettung auf Fehmarn reicht bis in die Jahre 1897 und 1898 zurück. Nach einer Unterbrechung infolge des Zweiten Weltkriegs wurde die Freiwilligenstation 1986 wieder aufgebaut und seither kontinuierlich erweitert. Heute leitet Vormann Arne Fröse gemeinsam mit seinem Team die Einsätze auf der Insel.

Ein besonderer Termin steht bereits fest: Am 5. Juli (Sonntag) wird das 40-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung der Station Fehmarn gefeiert. Geplant sind ein „Open Ship“ und Vorführungen der freiwilligen Seenotretter im Hafenbereich Burgstaaken von 11 bis 15 Uhr. Mit dabei ist dann auch der Seenotrettungskreuzer „Bremen“ aus Großenbrode.

Weitere öffentliche Termine in Burgstaaken folgen am 23. August und 18. Oktober (jeweils 11 bis 15 Uhr). Da der Bedarf an Unterstützung hoch bleibt, ist die DGzRS weiterhin auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit direkt bei der Station informieren oder einfach vor Ort im Hafen vorbeischauen.

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