Ehrenamtler wollen wucherndem Knöterich an den Kragen
Intensiver Arbeitseinsatz gegen eine invasive Art
25.06.2026, 15:30 Uhr
Von:
Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz
Am Schöhsee brummen die Akkugeräte. In schweißtreibender Aktion werden lange Triebe aufgehäuft und zusammengerechtes Schnittgut in Säcke verstaut. Doch bei der sprichwörtlichen Wurzel ist dieses Übel hier nur schwer zu packen...
Eine Arbeitsinitiative hat in Plön dem Japanischen Knöterich tapfer den Kampf angesagt. Allerdings zielt dieser mehr auf die oberirdischen Teile. Mit wöchentlichem Kurzschnitt will die Gruppe um Dr. Ingeborg Unbehauen der invasiven Art an den Kragen. Im Visier ihrer Kontrollen sind jene Bestände, die der Bauhof am Schöhseewanderweg maschinell bereits in die Mangel genommen hat. Denn mit einem einmaligen Schnitt ist es leider nicht getan...
Dass der langfristige Erfolg mit einem gaanz langen Atem korrespondiert, wissen sie. Das Übel bei der Wurzel packen? Die Idee scheint ein fast aussichtsloses Unterfangen. Denn die Ausbreitung durch Rhizombildung ist die überaus erfolgreiche Strategie dieser Knöterich-Art. Davon können sich Auto- und Radfahrer zwischen Ascheberg und Kalübbe überzeugen, ohne am Straßenrand anhalten und lange suchen zu müssen.
Wo sich diese Art etabliert hat, wächst buchstäblich kein Gras mehr. Und auch sonst nichts. Dazu haben ihr die Kommunen europaweit und darüber hinaus, selbstredend ohne jemals einen unpopulär selbstkritischen Blick über den Tellerrand zu riskieren, jahrzehntelang Zeit gegeben. Es ist das Resultat kollektiver Untätigkeit.
So sieht es aus: Die bis zu vier Meter hohe Pflanze dominiert jeden Zentimeter Fläche. Kein Raum zum Einwurzeln, kein Licht zum Austreiben oder Aufkeimen bleibt den heimischen Spezies. Wo der Japanische Staudenknöterich Wurzeln schlägt, wird die vorhandene Krautflora komplett überwuchert. Sie stirbt ab.
Und das ist das Problem, macht Ingeborg Unbehauen deutlich. Wolle man Artenvielfalt unterstützen, so habe es der Kreisnaturschutzbeauftragte Bernd Koop den Kommunalpolitikern im Plöner Ausschuss für Soziales, Umwelt und Energie vermittelt, müsse die Diversität der heimischen Pflanzenarten und ihre Bedeutung in den Ökosystemen in den Blick genommen werden. Eine der dringend nötigen Maßnahmen sei die Eindämmung des Japanischen Knöterichs.
In der Folge habe der Bauhof jetzt an drei Stellen am Schöhsee-Rundweg gemäht. „Ich habe aber gesehen, dass viel stehengeblieben ist und die Pflanzen wieder austreiben“, sagt Ingeborg Unbehauen. Bestände direkt am Ufer des Schöhsees waren auf Höhe der ersten Mahdstelle ebenfalls unangetastet geblieben. Angesichts der Problematik, dem Problem nur durch konsequentes Durchgreifen sinnvoll entgegenwirken zu können, habe sie schließlich zur Unterstützung des Bauhofs die private Initiative gegründet.
Die Knöterichbestände durch einen wöchentlichen tief angesetzten Schnitt zu schwächen, langfristig möglichst auszumerzen, haben sie sich vorgenommen. Denn sind die grünen Teile ab, fehlen der Pflanze die Organe für die Photosynthese, die für sie existenziell ist. Für Beschädigungen hat sie deshalb im Wurzelbereich Reserven gespeichert. So kann sie schnell wieder austreiben – was ein ebenso rasches Nachmähen erforderlich macht. Zudem darf nichts zurückbleiben. Alles Schnittgut müsse bei diesen Arbeitseinsätzen penibel in Restmüllsäcke verstaut werden, erklärt Ingeborg Unbehauen. Denn jedes übersehene und festgetretene Triebstück hat das unglückliche Potenzial, in kürzester Zeit neue Wurzeln zu bilden.
Eigentlich wäre der nun regelmäßig zu überarbeitende Uferstreifen wie auch die übrigen in Angriff genommenen Problemflächen der Lebensbereich für zahlreiche heimische Stauden: Beispiele sind Gilbweiderich und Mädesüß, Weidenröschen und Bachbunge, Sumpfvergissmeinnicht und Bittersüßer Nachtschatten, Knotige Braunwurz und Echte Betonie, Wilde Karde und Baldrian, Wald- und Sumpfziest, Schwertlilie und Wasserdost, Ross-, Acker- und Wasserminze sowie der hübsche Wiesenknöterich – eine Art, die zum Beispiel noch im NSG Oldenburger Bruch im Kreis Ostholstein wächst. Kaum bekannt ist die sehr seltene Gelbe Wiesenraute. Sie gedeiht in den Uferzonen der Seen und Tieflandflüsse, zum Beispiel an der Trave bei Oldesloe, und könnte somit in einer so „duften“ wie divers blühenden Gemeinschaft auch am Schöhsee die Blicke auf sich ziehen. Auch die der Falter und Wildbienen. Auch die der Urlaubsgäste und Touristen...
Mitmachen und den Kurs halten
Es dürfte sich langfristig auszahlen, auf dieser Spur zugunsten der Plöner Natur (die überhaupt nur der Grund sein kann, als Urlauber hierherzukommen...) konsequent Kurs zu halten; man sollte sie im großen Schulterschluss erhalten wollen.
Am Beispiel der über Dekaden erfolgreichen Ausbreitung des Japanischen Knöterichs zeigt sich jedoch ein offenbar tief verwurzelter Unwille, sich überhaupt mit solchen Themen fachlich-sachlich zu befassen. Die Chance, hierbei an Kompetenz zu gewinnen: jahrzehntelang vertan. Flächendeckend. „Mensch“ spiegelt so den Artenschwund, nicht im Stande, die komplexe Problematik (wenn überhaupt...) anders als eindimensional zu betrachten.
Die Initiative will mit der Fortsetzung der Maßnahme am Ball bleiben. Die Ehrenamtler freuen sich über jeden, der dabei mitmachen möchte. Kontakt: inge.unbehauen@web.de