Zwei dreistellige Jubiläen im Haus am Klostergarten in Preetz:
Hundert und hundert plus eins
20.08.2026, 14:06 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Plön/Preetz
Der August im Haus am Klostergarten, dem Alten- und Pflegeheim des Kreises Plön in Preetz, hatte es in sich: Gleich zweimal gab es Grund zum Staunen und Gratulieren. Am vergangenen Sonntag, 16. August, beging Rosemarie Rouel ihr 100. Wiegenfest. Und Zimmernachbarin Therese Rensing ist sogar noch ein Jahr älter: Am 6. August wurde die gebürtige Düsseldorferin 101 Jahre alt – damit ist sie die älteste Bewohnerin der Preetzer Einrichtung.
„So alt zu werden, das hätte ich nie gedacht“, gibt Therese Rensing zu. Ein Geheimrezept für das Erreichen dieser Marke hat sie indes nicht: „Vielleicht hat mich der Krieg so stabil gemacht, das waren damals harte Zeiten“, erinnert sie sich. Die Wände in ihrem Zimmer schmücken Familienfotos und Bilder aus dem Salzburger Land, wo sie und ihr Mann die meisten Urlaube verbracht haben. Therese Rensing hat 1950 geheiratet. Ihr 1990 verstorbener Ehemann war beruflich viel unterwegs. „Wir sind oft umgezogen und so auch in den Norden gekommen.“ Ihre 1959 geborene Tochter lebt in Schellhorn, ihr 70-jähriger Sohn ist im Rheinland geblieben, hat sie aber gerade wieder besucht.
Bis ins hohe Alter lebte sie allein und weitgehend selbstständig. Das gelang dank Essen auf Rädern und mithilfe eines ambulanten Pflegedienstes. Doch dann hat ein Schlaganfall sie ins Pflegeheim gezwungen. Hier fühle sie sich aber rundum gut versorgt.
Keine Wunderformel für das Erreichen der 100
Rosemarie Rouel stammt aus Berlin. Ihr Lebensgefährte wurde noch 1945 als Soldat eingezogen und war dann bis 1948 in Schleswig-Holstein interniert. „Ich bin damals zu ihm gezogen. Wir haben 1954 geheiratet und uns in Kiel ein neues Leben aufgebaut – mit unserer Tochter, die heute auch schon 78 Jahre alt ist“, erzählt sie. Der Enkel ist 55. „Bis 1982 habe ich im Arzneimittelgroßhandel gearbeitet – 32 Jahre lang“, berichtet sie nicht ohne Stolz. Als ihr Mann ein neues Heim im frisch entstandenen Baugebiet auf der Glindskoppel in Preetz gefunden hatte, zog die Familie in die Schusterstadt.
Auch Rosemarie Rouel lebte bis ins hohe Alter zu Hause; ins Haus am Klostergarten kam sie erst im vergangenen Juni. Auch sie hat keine Wunderformel dafür, wie sie ihr hohes Alter erreicht hat. Vielleicht liegt es an einer gewissen Zähigkeit, die sie während der schweren Kriegsjahre in der Großstadt entwickelt hat. „Ansonsten habe ich gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet“, sagt Rosemarie Rouel. Und das ist doch schon eine Art Rezept.
Das größte Geschenk für beide Jubilarinnen ist sicherlich, dass sie auch mit 100 und 101 Jahren geistig hellwach und am Leben interessiert sind. Herzlichen Glückwunsch!