Hilfe für Igel und Eichhörnchen in Not
07.07.2026, 16:49 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
„Morgenstern“ Anfang Juni im Alter von dreieinhalb Wochen, mittlerweile ist sie in der Jungeichhörnchengruppe angekommen und übt sich darin, selbstständig zu fressen. © Astrid Jabs
Ein Nachtfahrverbot für Mähroboter für den Igelschutz ist eine Forderung von Bündnis 90/Die Grünen und dem Deutschen Städtetag. Cornelia Schlicker kümmert sich in Anton's Igelpension um verletzte Tiere, Anja Jürgens ist mit der Laurentius Eichhörnchenhilfe für den Tierschutz aktiv.
Ostholstein (aj). Die Zeiten für Igel sind nicht einfach: „Das Insektensterben macht ihnen die Futtersuche schwer, um 75 Prozent ist die Anzahl der Nahrungstiere zurückgegangen, so finden die Igel einfach nicht mehr genug zu fressen“, berichtet Cornelia Schlicker. Seit sechs Jahren kümmert sie sich in ihrer ehrenamtlichen Päppelstation „Antons Igelpension“ um entkräftete Tiere und versorgt verletzte Igel. Denn Futtermangel ist nicht die einzige Bedrohung für die Igel: In vielen Gärten sind Mähroboter unterwegs, oft auch nachts, wenn die Igel aktiv sind. Die Tiere fliehen nicht vor den scharfen Messern, sondern rollen sich zusammen und erleiden schlimme, oft tödliche Verletzungen. Immer wieder erschüttern Fotos von übel zugerichteten Tieren auf Social Media. Zwar werben viele Hersteller von Mährobotern mit hohen Sicherheitsstandards dank entsprechender Sensoren, die Zahl der verletzten Igel aber spricht für sich. Cornelia Schlicker jedenfalls hat zu dem Thema eine klare Meinung: „Würden Sie Ihren Fuß vor den Mähroboter halten?“, fragt sie. Ein Nachtfahrverbot für die Mähroboter ist für sie eine Mindestforderung, die auch politisch von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen formuliert wird. Die Partei fordert zudem, die Hersteller von Mährobotern ab 2027 zu verpflichten, bei Neugeräten den Nachtbetrieb technisch auszuschließen. Auch der Deutsche Städtetag spricht sich für ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter aus, um Igel und andere Kleintiere zu schützen.
Igel werden durch Mähroboter schwer verletzt
Die ersten verletzten Igel werden schon im März in die Obhut von Cornelia Schlicker gegeben, also kaum, dass das Gras zu wachsen beginnt. Insgesamt 186 Igel hat sie im vergangenen Jahr versorgen müssen. Und das ist nur die Zahl der Tiere, die gefunden und zu ihr gebracht werden. Viele andere verenden unbemerkt. Cornelia Schlicker selbst kann die Vorliebe für akribisch gestutzte Rasenflächen grundsätzlich nicht nachvollziehen: „Warum muss denn alles so clean sein?“ Davon abgesehen rät sie aber allen, die einen Mähroboter einsetzen möchten oder müssen, weil die Rasenpflege anders nicht möglich ist: „Setzen Sie sich dazu, während der Mähroboter läuft! Und checken Sie den Rasen: Ein kurzer Blick ins Gebüsch hilft schon.“. Im August und September sind Igelmütter auch tagsüber mit ihren 200 Gramm schweren Jungen unterwegs. „Igel schreien nicht“, meint Cornelia Schlicker, die viel Tierleid sieht. Dank ihrer Pflege schaffen es viele Tiere, wieder ins Leben zurückzukehren. Das kostet nicht nur ungezählte Stunden, sondern auch reichlich Geld für Futter, tierärztliche Behandlungen, Desinfektionsmittel. Dazu kommen Anschaffungen wie ein Inkubator oder ein Absauggerät, mit dem Maden aus den Wunden entfernt werden. „Antons’s Igelpension“ ist deshalb auf Geld- und Sachspenden angewiesen. Fachlich kann Cornelia Schlicker auf viele Kontakte zurückgreifen, eine enge Zusammenarbeit pflegt sie unter anderem mit dem Tierheim Eutin. Veranstaltungen wie das Tierheim-Sommerfest nutzt sie, um über ihre Arbeit zu informieren.
Eichhörnchenleben retten
Am selben Stand präsentierte sich auch Anja Jürgens mit der Laurentius Eichhörnchenhilfe. Das Interesse an ihrer Arbeit ist groß bei solchen Gelegenheiten und Jürgens nutzt die Chance, um aufzuklären. Zum Tierheim-Fest Anfang Juni konnte sie entzückende Verstärkung mitbringen. Eichhörnchen „Morgenstern“ war zu diesem Zeitpunkt dreieinhalb Wochen alt. Aus Lübeck hatte man das Tier zur Eichhörnchenhilfe gebracht. Dank der guten und kundigen Pflege und ihrer Bereitschaft, ordentlich Milch zu trinken, hat „Morgenstern“ vielversprechende Aussichten auf ein gutes Eichhörnchenleben – auch weil Menschen schnell gehandelt haben. Bei der Frage, was zu tun ist, wenn man ein Wildtier findet, muss man sich auf das eigene Gefühl verlassen. Es ist meist zu erkennen, ob ein Junges aus dem Kobel gefallen ist oder ein Jungtier seine Mutter verloren hat. Und natürlich nimmt Anja Jürgens auch verletzte erwachsene Eichhörnchen auf. Wer sich nicht sicher ist, was mit einem gefundenen Tier zu tun ist, kann beim Tierheim Eutin oder in den tierärztlichen Praxen fragen. Es gibt nämlich auch Wildtiere, die ihre Jungen an einem sicheren Ort zurücklassen, um später wieder zu ihnen kommen: „Hasen zum Beispiel werden häufig eingesammelt, obwohl es nicht notwendig wäre“, erklärt Anja Jürgens. Für sie und Cornelia Schlicker ist Tierliebe der Motor, der sie neben allen alltäglichen Verpflichtungen an ihrem unermüdlichen Einsatz für die Tiere festhalten lässt – wobei unermüdlich durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn oft wird auch nächtliche Betreuung nötig. Aber die Frauen sind sich einig: „Es macht einfach Freude!“ Nähere Informationen zu Anton’s Igelpension und zur Laurentius Eichhörnchenhilfe gibt es auf den jeweiligen Facebook-Accounts. Es ist auch möglich per E-Mail an Cornelia.schlicker@t-online.de und laurentiuseichhoernchen@gmx.de Kontakt aufzunehmen.