Heimatstube in Preetz ist heimatlos: Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit sucht neue Räume

17.09.2026, 20:36 Uhr
Von:
der reporter Plön/Preetz

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Manfred Okunek und Eva Lüders haben am 8. September das Schild der Heimatstube von der Fassade in der Gasstraße 7 abmontiert und in den Umzugswagen verpackt.

Manfred Okunek und Eva Lüders haben am 8. September das Schild der Heimatstube von der Fassade in der Gasstraße 7 abmontiert und in den Umzugswagen verpackt. © Volker Graap

Nach Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen haben ehemalige Bewohner 1948 die Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit gegründet. Seit 1997 hatten die über ganz Deutschland und darüber hinaus verstreuten Mitglieder mit der Heimatstube in Preetz eine zentrale Anlaufstelle. Diese Ära ist jetzt zu Ende gegangen: Die Räume in der Gasstraße 7 wurden dem Verein gekündigt. Anfang September ist man ausgezogen. Einen Ersatz gibt es bislang nicht. „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch neue Räume zu finden, in denen wir unsere Arbeit fortsetzen können“, sagt Manfred Okunek, der die Heimatstube zusammen mit Eva Lüders betreut hat.

„Wir wären gerne in Preetz oder einer anderen Gemeinde im Kreis Plön geblieben, aber alle Bürgermeister unserer sechs Patenstädte und auch die Kreisverwaltung konnten uns nicht helfen. Wir hatten alle angeschrieben, die Absage kam durch Landrat Demmin“, berichtet Okunek und spricht von ernüchternden Reaktionen. „Obwohl unser Geschäftsführer Hans-Joachim Scheer alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, haben wir nichts Passendes gefunden.“ Im Juni wurde damit begonnen, alle Dokumente, Urkunden, die Bibliothek und alles, was von den ostpreußischen Landsleuten an Kulturgut der Heimatstube zur Verfügung gestellt wurde, in rund 40 Umzugskartons und Kisten zu verpacken. Nun wird das Inventar zunächst in einem Container in Lüneburg eingelagert. Bis Ende 2027 ist noch Zeit, neue Räumlichkeiten zu finden. „Wir benötigen einen Raum mit einer Größe ab circa 25 Quadratmeter. Beheizt sollte er sein und über sanitäre Anlagen verfügen“, so der bisherige Leiter der Heimatstube.

Ist es tatsächlich so, dass alles seine Zeit hat? Die Kreisgemeinschaft zählt heute knapp 1.000 Mitglieder. Sie sind entweder noch in Ostpreußen geboren oder Nachkommen, die sich der Heimat ihrer Eltern oder Großeltern verbunden fühlen. Mit der Überwindung des Ost-West-Konflikts gab es Anfang der 90er-Jahre noch einmal einen Aufschwung. Der Kreisgemeinschaft war es erstmals 1997 möglich, in der Wakendorfer Straße in Preetz eine Heimatstube einzurichten. „Die Räume im Kreisheimatmuseum in Plön waren nicht mehr ausreichend, um unsere gesammelten Archivalien besucherfreundlich zu präsentieren“, erklärt Okunek. Treibende Kraft war Manfred Malien, damaliger Schriftleiter von „Land an der Memel“, einem bis heute erscheinenden Mitgliederheft des Vereins.

Als der Platz zu klein wurde, zog die Heimatstube 2005 in die Gasstraße 7 um. Im Haus von Eva Lüders war eine Wohnung freigeworden, die nun als Treffpunkt und Recherchezentrum diente. Immerhin befanden sich viele Unterlagen und Anschriften der Kreisbewohner im Archiv. „Die Mitglieder wurden älter und älter, die regelmäßigen Patenschaftstreffen fanden nicht mehr statt und auch das Interesse aus unseren Patengemeinden fiel weg. Die Preetzer Heimatstube verzeichnete wie alle ähnlichen Einrichtungen einen Besucherschwund“, so Okunek. Ganz aufgeben wollen die Preetzer Aktiven aber dennoch nicht. Wer Räume anbieten kann, setzt sich mit Manfred Okunek unter Telefon 04342-2185 in Verbindung.

Nähere Informationen über die Kreisgemeinschaft sind online auf https://tilsit-stadtundland.de zu finden.

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