Heiligenhafen plant die Zukunft: „Pier 15“-Abriss noch in 2026
18.06.2026, 09:51 Uhr
Von:
Patrick Rahlf
Heiligenhafener Post
Es deutet vieles darauf hin, dass das Thema „Kulturdeck“ im Kommunalhafen endgültig erledigt ist. Die CDU hat im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss den Antrag eingebracht, das Projekt einzustampfen. Neben den Christdemokraten stimmten auch die Grünen und TÖP dafür, die Reißleine zu ziehen, während SPD und BfH weiter an dem umstrittenen Vorhaben festhalten wollen.
„Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hat sehr viele Lücken. Das fängt an bei einer monatlich prognostizierten Besucherzahl von mehr als 12000 Personen, geht bei Parkplätzen weiter, die im Sommer schon jetzt nicht vorhanden sind, und hört auf bei der Haupteinnahmequelle, der Gastronomie – aber eine Küche ist in dem Konzept gar nicht vorgesehen“, merkte Stephan Karschnick (CDU) kritisch an. Das wichtigste Argument, die Planungen zu stoppen, sei laut Karschnick aber folgendes: „Der Großteil der Heiligenhafener Bürger will das ‚Kulturdeck‘ schlichtweg nicht. Fragt man zehn Leute auf der Straße, lehnen das Projekt neun ab. Das dürfen wir als Stadtvertreter nicht ignorieren.“
Udo Ertmer (BfH) hätte sich gewünscht, wenn die neue HVB-Geschäftsführerin Martina Baden die Chance erhalten hätte, ihre Ideen einzubringen und das „Kulturdeck“ neu zu planen. „Heiligenhafen stand es immer gut, neue Wege zu gehen. Mit diesem Projekt, das ausschließlich mit einer 75-Prozent-Förderung machbar wäre, hätten wir ein weiteres Alleinstellungsmerkmal schaffen können“, erklärte Monika Rübenkamp (SPD). Nun muss die Stadtvertretung am 25. Juni über den CDU-Antrag final abstimmen.
Abkehr vom Thulboden-Grundstück?
Eine Mehrheit gab es derweil für einen Antrag der BfH-Fraktion, das Grundstück der jetzigen Stadtbücherei in der Lauritz-Maßmann-Straße genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Kern geht es um den Neubau der Stadtbücherei mit weiteren Nutzungen des Gebäudes. Die Stadtverwaltung soll auf Wunsch der BfH prüfen, wie viel Raum (insbesondere mit Blick auf die Bauhöhe) auf dem Grundstück entstehen kann. Kann in den oberen Etagen zusätzlich Wohnraum geschaffen werden? Mit welchem finanziellen Rahmen ist im Zuge der Städtebauförderung zu rechnen? Und wie stellt sich eine Finanzierung dar, wenn das Vorhaben durch die Heiligenhafen Wohnen GmbH realisiert wird? „Das Bürgerhaus im Thulboden wurde sehr groß gedacht. Wir halten es für realistischer, kleiner zu denken, um zeitnah Ergebnisse zu sehen“, sagte Simon Schulz (BfH). Hierzu passe auch ein Antrag der CDU, der am heutigen Montagabend im Stadtentwicklungsausschuss behandelt wird. Dieser schlägt vor, die Potenzialfläche im Thulboden an einen Investor zu veräußern.
Irritationen gab es am Donnerstagabend zum Thema „Pier 15“ in der Hafenstraße. Der frühere Jugendclub, der vor elf Jahren für rund 80000 Euro in dem alten Gebäude geschaffen wurde, steht vor dem Abriss. Das wurde eher beiläufig in der Sitzung von Verwaltungsseite erwähnt, woraufhin sich einige Ausschussmitglieder ungläubig anschauten. „Wieso wird das Gebäude abgerissen? Es gibt doch gar keinen Beschluss“, entgegnete Eckart Will (CDU). Bürgermeister Kuno Brandt wies darauf hin, dass der weitere Fahrplan zur Quartiersentwicklung in einer nicht öffentlichen Sitzung mit dem Sanierungsträger BIG Städtebau besprochen worden sei. „Wir kriegen sehr wahrscheinlich nur noch in diesem Jahr den Abriss zu zwei Dritteln gefördert“, so der Bürgermeister. Laut Bauamtsleiter Roland Pfündl würden die Ingenieursleistungen für den Abriss des Jugendclubs und der nebenstehenden Gebäude (Hafenstraße 29, 31 und 33), die allesamt von der Stadt aufgekauft worden sind, aktuell vergeben werden. Als vorübergehende Zwischenlösung sollen auf dem Grundstück Parkplätze entstehen, ehe klar ist, was mithilfe eines Investors auf dem Areal entstehen soll. Auch die LEV-Silos in der unmittelbaren Nachbarschaft könnten langfristig eine Nachnutzung erfahren.
Empfehlung für XXL-Dünenpark-Projekt
Diskutiert wurde auch das Vorhaben „Dünenpark 2.0“, das sich in drei Bauabschnitte unterteilt: Dünenerlebnissteg (6,8 Millionen Euro), Freianlage Dünenpark (2,6 Millionen Euro) und Kleine Seebrücke/DLRG (4,2 Millionen Euro). Mit 60 Prozent soll das Vorhaben vom Land gefördert werden, aktuell wartet Kiel auf ein Signal, ob weiter geplant werden kann. Die CDU enthielt sich geschlossen, weil noch interner Klärungsbedarf bis zur Stadtvertretung bestehe, informierte Fraktionssprecher Georg Rehse. BfH und SPD stimmten für das Millionen-Projekt, während sich die Grünen ebenfalls enthielten und Niclas Boldt (TÖP) das Vorhaben kategorisch ablehnte.