Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert Reeteindeckung am Behrend-Haus

Heikendorfs kreative Künstler-Kate: jetzt - und künftig - gut bedacht

06.07.2026, 18:22 Uhr
Von: Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz, PROBSTEER

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DSD-Ortskurator Wolfgang von Ancken überreichte den symbolischen Fördervertrag über 50.000 Euro an Heikendorfs Bürgervorsteherin Nicola Specker im Beisein der Fördervereinsvorsitzenden des Behrend-Hauses Brigitte Kemlein, Amtsdirektorin Juliane Bohrer und Angela Kahrs, erste stellvertretende Bürgermeisterin.

DSD-Ortskurator Wolfgang von Ancken überreichte den symbolischen Fördervertrag über 50.000 Euro an Heikendorfs Bürgervorsteherin Nicola Specker im Beisein der Fördervereinsvorsitzenden des Behrend-Hauses Brigitte Kemlein, Amtsdirektorin Juliane Bohrer und Angela Kahrs, erste stellvertretende Bürgermeisterin. © Lotta Schneider

Noch zeugt die schützende Plane zwischen Gaube und First von den Dachschäden am Rudolf-Behrend-Haus in Heikendorf. Doch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) will die Instandsetzung des Reetdachs unterstützen. In einem Fördervertrag mit der Kommune als Eigentümerin der Künstler-Kate hat sie die gegenseitigen Verpflichtungen festgezurrt.

Eigentum verpflichtet, wie es landläufig so schön heißt. Aber der Erhalt eines Baudenkmals ist für klamme Kommunen eine schwierige Angelegenheit, ein wirksames Werben um Förderungen umso bedeutender. Konkret die Reeteindeckung der Künstler-Kate, in der Rudolf Behrend lebte, ist nun aber erfolgreich auf den Weg gebracht: Am 3. Juli nahm Heikendorfs Bürgervorsteherin Nicola Specker den Fördervertrag über 50.000 Euro von DSD-Ortskurator Wolfgang von Ancken entgegen. Mit dabei: Amtsdirektorin Juliane Bohrer und die erste stellvertretende Bürgermeisterin Angela Kahrs sowie die Behrend-Haus-Fördervereinsvorsitzende Brigitte Kemlein.

Rudolf Behrend prägte als Mitglied der Künstlerkolonie Heikendorf die Region kulturell. Anstöße verdankte er unter anderem der Begegnung mit Heinrich Blunck, dem akademisch ausgebildeten Landschaftsmaler, der sich 1923 in Heikendorf niedergelassen hatte. Behrend nutzte die Kate bis zu seinem Tod am 10. Februar 1979 als Wohn- und Atelierhaus. Ursprünglich hat es den Eltern seiner Frau Luise Kähler gehört, die er 1922 geheiratet und mit der er eine Tochter hatte.

Gerade weil es sich bei Behrends altem Reetdachhaus um einen „individuellen kulturhistorisch relevanten Bautyp“ handele, sei es als förderungswürdig erachtet worden, verdeutlichte Wolfgang von Ancken. Das Rudolf-Behrend-Haus reihe sich nun in die über 280 Denkmale allein in Schleswig-Holstein, die die DSD hat fördern können. Diese Förderung werde vor allem möglich durch private Spenden, hob von Ancken hervor, zudem durch die Erträge der DSD-Treuhandstiftungen sowie auch Mittel der GlücksSpirale.

Blick über den Katen-Garten auf das marode Dach, das durch eine Plane notgesichert wurde.

Blick über den Katen-Garten auf das marode Dach, das durch eine Plane notgesichert wurde. © Lotta Schneider

Die Gemeinde Heikendorf plant nun die Instandsetzung ihres etwas versteckt liegenden Kleinods im Neuheikendorfer Weg 136. „Wir wissen, dass Reetdächer mit hohen Kosten verbunden sind“, unterstrich Wolfgang von Ancken. Daher versuche die DSD immer wieder, „wenigstens ein bis zwei Reetdächer“ in das jährliche Förderprogramm aufzunehmen. Hintergrund sei, dass Eigentümer generell wenig Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung haben.

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine niederdeutsche, möglicherweise schon im 18. Jahrhundert errichtete Fachhallenkate. Ihre ursprüngliche Aufteilung mit einer Diele nebst dem altertümlichen Schwibbogenherd, mit Kübbungen, Flett und Kammerfach hat sich erhalten. Dennoch hat die Nutzung der Kate auch durch Umbauten ihre Spuren hinterlassen. Das ist es auch, was den „individuellen kulturhistorisch relevanten Bautyp“ ausmacht, der zugleich das bäuerliche Leben und die Geschichte, insbesondere Sozialgeschichte im Ortsteil Neuheikendorf bezeugt, wie sich auch im Katengarten mit seinen alten Obstbäumen kleinen Nebengebäuden erahnen lässt.

Manches Plätzchen vermittelt seine ganz eigene Geschichte auf dem Grundstück. So hat sich in einer Ecke eine historische Sorte der (fast ausgestorbenen) Gallica-Rosen erhalten.

In einer anderen Ecke befindet sich ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg – auch dieser sei für die Förderungswürdigkeit aus Sicht der DSD ein relevantes Merkmal des ganzen Ensembles, verdeutlichte von Ancken.

Der Künstler Rudolf Behrend war beim Überfall auf Polen in der Deutschen Wehrmacht mitmarschiert. Dann wurde er krankheitsbedingt 1940 aus der Armee entlassen. Bis zum Kriegsende versah er bei der Marine an der Kieler Förde Wach- und Bürodienste.

Ein Stück lebendige Ortsgeschichte

Für des Künstlers Kate haben mit Brigitte Kemlein ihre Mitstreiter vom Förderverein Behrend-Haus erfolgreich die Werbetrommel gerührt. „Wir hatten wirklich Mühe, das abgelegene Haus bekannt zu machen“, sagt sie. Zahlreiche Veranstaltungen zeigen auf, wie vielseitig dieses Kleinod nutzbar ist. Auf der Diele ist Platz für rund 45 Besucher, zum Beispiel bei musikalischen Veranstaltungen. „Die Akustik ist gut“, sagt Brigitte Kemlein. Und es gibt vieles, was aus ihrer Sicht realisierbar sei. Sogar ein Stammtisch für Hörgeschädigte habe sich bereits etabliert. Denkbar auch, dass hier künftig Familienfeste gefeiert werden, sagt sie und hat doch ein Ziel im Blick: „Ganz vorne ist unser Thema, dass es das Künstlerhaus bleibt“, unterstreicht Kemlein.

Unter diesen Startbedingungen kann nun also das „Go“ für die Ausschreibungen erfolgen. Erst nach erfolgter Reeteindeckung werde das Geld fließen, so legt es der Vertrag mit der DSD fest.

Die Dachsanierung werde noch in diesem Jahr angegangen, danach ist das Erdgeschoss an der Reihe, erklärte Nicola Specker. In einem weiteren Schritt müsse dann die Nutzungsverordnung beschlossen werden „und wie es bespielt werden kann“, so die Bürgervorsteherin. Da die Sanierung phasenweise durchgeführt werde, gebe es zwischendurch die Möglichkeit von weiteren Veranstaltungen im Behrend-Haus. Damit drückt sich zugleich große Wertschätzung aus: „Das ehemalige Atelierhaus ist mehr als ein historisches Gebäude“, so Specker, „es ist ein lebendiges Zeichen unserer Ortsgeschichte.“

Die DSD ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“. Diese bundesweite Veranstaltung wird von der DSD koordiniert. Termin ist immer der zweite Sonntag im September. Dann sind auch in Schleswig-Holstein zahlreiche Türen geöffnet.

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