Früheres AWO-Demenzhotel: Weil Baustart nicht erfolgte, ist Baurecht verfallen
Großenbrode zieht die Reißleine
04.10.2026, 19:03 Uhr
Von:
Patrick Rahlf
Fehmarnsches Tageblatt,
Heiligenhafener Post
Die Pläne für 69 Ferienwohnungen und 24 Mitarbeiter-Apartments auf dem ehemaligen AWO-Demenzhotel in Großenbrode sind vom Tisch. Da die Fristen des Durchführungsvertrages des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes abgelaufen seien, sei auch der Baugenehmigungsanspruch erloschen, hieß es in der kürzlich stattgefundenen Sitzung der Gemeindevertretung. Thema waren außerdem das Ende der Wassersportschule, rückläufige Übernachtungszahlen und eine neue Aufgabe für die Feuerwehr.
Fünf Jahre sind vergangen, als die Emotionen in der Großenbroder Gemeindevertretung hochkochten: Über die Nachnutzung des verwaisten AWO-Demenzhotels in der Strandstraße bestand Uneinigkeit. Schließlich setzte sich die damalige Zählgemeinschaft aus CDG, SPD und FDP hauchdünn durch und sorgte dafür, dass das Areal einem Investor zugesprochen wurde, der an dem Standort 69 Ferienwohnungen und 24 Single-Apartments für Angestellte errichten wollte. Mehrere Jahre sind vergangen, ein Baustart ist bis heute nicht erfolgt, was zur Folge hat, dass die Baugenehmigung mittlerweile verfallen ist. „Es besteht seit dem 25. Mai 2026 kein Baurecht mehr“, klärte Großenbrodes Bürgermeister Peer Knöfler (CDU) in jüngster Gemeindevertretersitzung auf.
Eine neue Baugenehmigung könne auf Antrag nicht erteilt werden, da die Fristen des Durchführungsvertrages des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes abgelaufen seien und der Baugenehmigungsanspruch erloschen sei, fügte Knöfler hinzu. CDU und BfG sorgten mit ihren Stimmen am Mittwochabend dafür, dass das bisherige Planungsrecht gänzlich aufgehoben werden soll. „Ich sehe hier eine große Gefahr und Kosten auf die Gemeinde zukommen, die sechsstellig werden könnten“, warnte Hans-Heinrich Schröder (CDG), der davon ausgeht, dass der Eigentümer des Grundstücks rechtliche Schritte gegen die Entscheidung einleiten könnte.
„Wir haben seit 2019 ein ungepflegtes Grundstück im Herzen unserer Gemeinde. Die vielen Jahre des Stillstands reichen uns, wir sehen diese nun als Chance, um etwas zu verändern“, sagte Nicole Becker (CDU). Sie erinnerte daran, was ursprünglich der Plan ihrer Fraktion für das Grundstück gewesen sei: „Wir wollten bezahlbaren Dauerwohnraum für unsere Einwohner schaffen, doch leider hat uns dafür vor fünf Jahren eine Mehrheit gefehlt.“ Mit acht Ja-Stimmen von CDU und BfG wurde beschlossen, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzuheben.
Aus für Wassersportschule beschäftigt Bürger
Großenbrodes inklusive Wassersportschule stand nicht auf der Tagesordnung, war aber Thema in der Einwohnerfragestunde. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die Gemeinde den Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt hat (wir berichteten). Einwohner wollten wissen, wie es nun weitergehe, da der Wegfall ein herber Einschnitt für die Gemeinde sei. Bürgermeister Peer Knöfler berief sich auf eine Vertragsangelegenheit, über die er nicht öffentlich reden dürfe. Erst im späteren Verlauf räumte er ein, dass das Angebot der Wassersportschule herausragend sei, die Probleme aber „in einem anderen Bereich“ zu finden seien. Die GTS-Aufsichtsratsvorsitzende Nicole Becker griff das Thema später in ihrem Bericht erneut auf: „Wir haben über viele Jahre hinweg etliche Gespräche geführt, es hat ein ständiger Austausch mit dem Betreiber stattgefunden. Der Entschluss der Gemeindevertretung war am Ende einstimmig.“ Sie könne versichern, dass es keine Pläne gebe, an dieser Stelle ein Hotel zu planen, wie es in Gerüchten heißen würde. Auch würde die Gemeinde großes Interesse daran haben, auch zukünftig Wassersport am Südstrand anzubieten.
Touristisch gesehen musste Großenbrode einen Dämpfer hinnehmen, das hätte die Auswertung der Zahlen bis Ende August 2026 ergeben. Zehn Prozent weniger Ankünfte und minus sechs Prozent bei den Übernachtungszahlen würden zu Buche stehen, zitierte Nicole Becker aus aktuellen Zahlen. „Einige Unterkünfte standen nicht zur Verfügung, zudem hat der konstant hohe Benzinpreis viele Spontanurlauber abgeschreckt, den Weg Richtung Ostsee auf sich zu nehmen“, so Becker. Innerhalb der GTS beschäftige man sich unter anderem mit der Ausweisung eines offiziellen Hundestrand-Abschnittes, um der immer größer werdenden Nachfrage gerecht zu werden.
Neuigkeiten gibt es derweil von der Großenbroder Feuerwehr, die sich bereiterklärt hat, eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen. Im Kreis Ostholstein haben bereits erste Feuerwehren eine Vereinbarung mit dem Rettungsdienst Holstein geschlossen und die zusätzliche freiwillige Aufgabe einer AED-Wehr übernommen. Eine AED-Wehr ist eine Reanimationsunterstützung im Rahmen der organisierten Ersten Hilfe. Zusätzlich zum Rettungsdienst wird die AED-Wehr bei den Meldebildern „Reanimation“ und „Bewusstlose Person“ mitalarmiert. Aufgrund der verkürzten Anfahrtszeit übernimmt die AED-Wehr die Reanimation bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Das soll auch in Großenbrode zukünftig praktiziert werden.