Großenbroder Tourismus-Service kündigt Pachtvertrag mit Tobias Michelsen
Großenbrode: Wassersportschule vor dem Aus
23.09.2026, 15:35 Uhr
Von:
Annalena Kristof
Fehmarnsches Tageblatt,
Heiligenhafener Post
Nach der Kündigung des Pachtvertrages durch den Tourismus-Service muss die Wassersportschule „Watersports4all“ Ende 2026 ihren Standort in Großenbrode verlassen. Das stellt Betreiber Tobias Michelsen und den inklusiven Verein Sail-United vor die Frage, wie es mit dem Angebot weitergehen soll.
Die Wassersportschule „Watersports4all“ von Tobias Michelsen in Großenbrode hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch inklusive Angebote einen Namen gemacht: In Zusammenarbeit mit dem Verein Sail-United können Menschen mit und ohne Behinderung hier gleichermaßen Wassersport betreiben. Für Aufmerksamkeit über die Gemeindegrenzen hinaus sorgten zuletzt unter anderem die Vorbereitung auf die erste Para-Wingfoil-Weltmeisterschaft, die Aufnahme des Projekts auf die Shortlist des Zero-Project-Awards 2027 und ein Besuch von Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) im Juli. Nun ist die Zukunft des Standorts allerdings ungewiss: Der Pachtvertrag mit Michelsen wurde gekündigt, spätestens Ende 2026 soll in Großenbrode Schluss sein.
Auf Facebook wird das Thema bereits diskutiert, Unverständnis bekundet sowie das fehlende Einhalten von Auflagen durch die Wassersportschule ins Spiel gebracht. Doch was steckt tatsächlich hinter der Kündigung? Für Bürgermeister Peer Knöfler (CDU) steht außer Frage, dass das Projekt an sich für Großenbrode von großer Bedeutung ist. Zu Details bezüglich der Kündigung möchte er sich nicht äußern und verweist dagegen auf den Tourismus-Service (GTS) als Vertragspartner und Eigentümer des Grundstücks.
Da es sich hierbei um „privatrechtliche Angelegenheiten“ handeln würde, hält sich aber auch Lars Widder, Geschäftsführer der GTS, bedeckt. Er verweist wiederum auf das „gute und umfangreiche Wassersportangebot in Großenbrode“ und auf die Sitzung der Gemeindevertretung vom 2. Juli. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung war die „Vertragsangelegenheit hier: Pachtvertrag Wassersportschule“ behandelt worden. Etwa drei Wochen später war Michelsen die Kündigung zugegangen, so der Betreiber.
Die Fronten sind verhärtet
Die Kommunikation und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Tourismus-Service beschreibt Tobias Michelsen als schwierig. Zuletzt habe er, wie vom Tourismus-Service gefordert, die auf dem Grundstück aufgestellten Container zurückgebaut. Auch die Vorgaben zum Park- und Campingverbot auf dem Grundstück habe er an seine Gäste weitergegeben. Zunächst sei im Frühjahr dann eine Verlängerung des Pachtvertrages auf dem Tisch gewesen, nun doch die Kündigung.
Michelsen wünscht sich weiterhin „ein Gespräch auf Augenhöhe“, ein Kompromiss wäre für ihn, die Schule bis Ende 2027 zu betreiben. Alles bis zum Jahresende zurückzubauen und einen neuen Standort zu finden, sei nicht zu stemmen. Außerdem wolle er die für das nächste Jahr angedachten Projekte noch durchführen.
Auch Heiko Kröger, Vorsitzender des Vereins Sail-United, sieht nur so eine Weiterarbeit des Vereins nicht in Gefahr. Man könne sich durchaus vorstellen, auch an anderen Standorten, wie Heiligenhafen, Fehmarn oder Lübeck, die vorhandene Expertise einzubringen und Menschen zu schulen. Das ginge aber nur, wenn der Standort in Großenbrode eine weitere Saison bestehen bleibt. Der Verein unterstützt Michelsen finanziell, aber auch mit Material und Equipment, das sich vor Ort befinde und so dafür die geeigneten Voraussetzungen bilde. „Der Standort in Großenbrode war für uns optimal, hier ist alles gebündelt – egal, ob Surfen, Stand-up-Paddling oder Wingfoilen, das finden wir so nicht so einfach woanders“, so Kröger.
Der Sail-United-Vorsitzende geht im Zuge der Kündigung davon aus, dass die Fläche künftig anders genutzt werden solle. Bürgermeister Knöfler weist diese Andeutungen jedoch zurück. Auf die Nachfrage, ob es erneut Pläne für ein Hotel auf dem Grundstück gebe, antwortete Knöfler: „Es gibt keine Gespräche und es gibt auch keine Pläne.“ Man habe die Meinung der Bürgerinnen und Bürger dazu klar vernommen. 2020 hatte die Bürgerinitiative „MeerTransparenz“ ein Bürgerbegehren gegen den Bau eines Familienhotels am Großenbroder Binnensee angestoßen.
Lars Widder erklärte diesbezüglich, dass bei einer Nachnutzung der Fläche entsprechend dem üblichen Verfahren und über Ausschreibungen eine ähnliche Nutzung, wie sie derzeit besteht, angestrebt würde.
Michelsen und Kröger wollen nun noch einmal versuchen, das Blatt zu wenden und doch noch eine Einigung zu erreichen, um wenigstens eine weitere Saison in Großenbrode verbleiben zu können.